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Mein Philibuster
Deck +++ Neue Welten +++ Deutsche Blogger sind Satanisten
Freitag, 05.10.2012
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Kommentare (3) Drucken
 
Abmahnwelle
 

Deutsche Blogger sind Satanisten

Von wegen Paradies für freie Publizisten: Was das Thema Fallstricke beim Blogging angeht, gleicht das deutsche Internet nach wie vor der Hölle. Und trotzdem beten zahlreiche Gläubige täglich weiter zu einem Gott, der seine Anhängerschaft mal wieder mit der altbekannten Plage "Abmahnwelle" auf eine weitere, eventuell teure Prüfung stellt.
Geschrieben von:   
Bald auch auf Deinem Blog: Der Safer-Pics-Dummy © Philibuster


Zugegeben, die Überschrift ist reine Provokation, aber ein wenig Wahrheit schwingt auch mit. Warum sonst sollten sich deutsche Internet-PublizistInnen ansonsten jeden Tag in diese „rechtsfreie“ Hölle wagen, wenn nicht aus purem Masochismus oder fanatischem Anhängertum?

Deutsche Lösungen für ein globales Internet
 
Wie sonst erklärt sich, warum wir täglich neue Hiobsbotschaften widerstandslos entgegennehmen? Auflagen, die uns Blogger erneut zur Anpassung unseres Impressums, unserer Datenschutzerklärungen oder sonstiger fragwürdiger Hilfsmittel – die uns vor rechtlichem Schlamassel bewahren sollen – zwingen. Wir haben uns damit abgefunden, dass wir in Deutschland für dieses Internet nach wie vor zig Sonderregelungen benötigen, weil die Politik nicht in der Lage ist, transparente Richtlinien zu etablieren, die es Jederfrau und Jedermann möglich machen – ohne abgeschlossenes Jurastudium – ein eigenes Blog oder eine Webseite zu betreiben. 
 
Impressum? Brauchen wir. Ist halt so. Auch wenn gerade weibliche Blogger gerne mal von irren Stalkern belästigt werden, weil ihre Adresse plötzlich für jeden zugänglich ist. Aber mei. Wer sich in die Hitze des Rampenlichts wagt, muss mit Verbrennungen rechnen.
 
Datenschutz-Erklärung? Brauchen wir. Ob Google-Analytics oder Akismet: wo IP-Adressen oder sonstige Daten von unseren Usern erhoben werden, wird Datenschutz unverzichtbar. Verständlich. Aber auch hier fragt man sich, warum vom Staat, von Telekommunikations-Unternehmen, Banken etc. wesentlich sensiblere Daten erfasst werden dürfen, bei weitaus geringeren Auflagen.
 
Impressum für Facebook-Seiten? Brauchen wir. Weil uns Facebook-Seiten natürlich nicht selbst gehören und es viel einfacher ist, Rechtsverstöße auf Facebook-Servern auf die Betreiber der Seiten abzuwälzen. Wenn schon Frau Aigner machtlos gegen den blauen Riesen ist, dann will der kleine Abmahnanwalt eben auf Nummer sicher gehen.

Likebuttons? Brauchen wir, um unsere Seiten in den Social Graph einzubinden. Dürfen wir aber so nicht, weil diese natürlich wieder einmal ungefragt Daten sammeln und daher im Idealfall immer erst der User zu entscheiden hat, ob er den Datensammelbutton überhaupt in seiner angedachten Form sehen will. Das Zweischrittverfahren, das viele Blogger daher in diesem Fall einsetzen, erhöht aber nur den Aufwand auf Userseite, um Artikel weiterzuverbreiten.
 
Neben diesen „Basics“ stellen sich aber immer auch wieder urheberechtliche Fragen, die im aktuellen Fall einer Abmahnwelle, die durch die angeblich unerlaubte Verwendung einer Fotografie eines Werks des Lego-Artists Nathan Sawaya, ausgelöst wurde.
 
Den genauen Hergang könnt Ihr direkt bei den Jungs von "We like that" und anderen Betroffenen noch einmal nachlesen, dazu aber kurz noch ein paar Gedanken.
 
Wir selbst bloggen hier jetzt bereits seit drei Jahren und wissen, wie schwierig es ist, Textbeiträge passend zu illustrieren, ohne auf kostenpflichtiges Agenturmaterial auszuweichen. Welche Alternative bleiben also?
 
1. Selbstgeschossene Fotos: Machbar, aber mal ehrlich: nicht jeder Beitrag lässt sich – mal eben – mit einem Motiv bebildern, dass sich zufällig vor der Haustüre findet.
 
2. Selbstgezeichnete Illustrationen und Artworks: Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir immer wieder Illustratoren für uns gewinnen können, die uns ab und an ihre Werke zur Verfügung stellen oder eigens für uns anfertigen. Aber auch hier gilt: Wenn mal auf die schnelle einen Beitrag veröffentlichen will, dann ist das alleine zeitlich schon gar nicht immer möglich. Außer ihr kennt ein paar wirklich begabte YouTube-Kids, die ihre Skillz im Speed-Drawing verbessen wollen ^^
 
3. Bildmontagen: Wer rechtlichem Ärger im Vorneherein aus dem Weg gehen möchte, darf sich gerne selbst als Künstler betätigen und mehr oder weniger komplexe Bildmontagen aus bereits bestehendem Material anfertigen und hoffen, dass das Werk als „kreative Eigenleistung“ anerkannt wird. Haben wir auch schon gemacht, kostet aber verständlicherweise – je nach Aufwand und Photoshop-Kenntnissen – relativ viel Zeit.
 
4. Lizenzfreie Bilder: Im Grunde eine gute Idee, im Zweifelsfall aber ein heißes Eisen, denn: Nicht alle Bilder, die man beispielweise bei Flickr und Co. Unter einer CC-Lizenz zur Bearbeitung und kommerziellen Verwendung findet, stammt zwangsläufig auch vom Rechtinhaber. Hier hilft nur der direkte Kontakt zum Urheber bzw. dem Rechteinhaber. Das müssen nämlich (wie anscheinend der aktuelle Fall zeigt) nicht immer ein und dieselbe Person sein. 
 
5. "Im Internet gefundene" Bilder: Der einfachste und gefährlichste Weg. Dieser kann freilich schnell zum Erfolg und massig Traffic führen, wie Vice und Kollege Winatschek, der beim Thema Abmahnung mal wieder am lautesten krakeelt, beweisen. Thema XY erstellen, die Google-(Bilder)suche bemühen, Bilder einbinden, Quellenangabe who cares? und ab dafür. Wer rechnet schon damit, dass irgendeine Agentur dieses pixelige Handyfoto von Lindsay Lohans nackter, sommerbesprosster Brust lizensiert haben könnte? Oder das von der Katze, deren Schwanz mit einer Kettensäge kuppiert wurde? Ist doch alles im Internet auffindbar, warum also nicht auch auf meinem Blog, der immer noch etwas mehr Traffic benötigen könnte, weil ich diesen wiederum grandios an meine Werbepartner verticken kann? Allerdings darf ich mich dann auch nicht lauthals über dieses veraltete und nicht angepasste Urheberrecht beschweren, wenn plötzlich eine Abmahnung über mehrere Tausend Euro ins Haus flattert. Denn plötzlich funktioniert auch das Argument nicht mehr, dass das nur ein Blog ist, das meinem „privaten Vergnügen“ dient.
 
Ähnliche Gedanken zum Thema hat sich auch René von Nerdcore bzw. Crackajack gemacht. Hier lang!

Themen: Abmahnung Abmahnwelle Blogs Internet Netz
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Michael Pliwischkies, Oktober 05, 2012

Wo ist das Problem?
Aus meiner Sicht ist dieses Lamento dann doch ein wenig bigott. Die gleichen Menschen, die Datenschutz einfordern, gegen jede Unregelmäßigkeit der bösen etablierten Presse oder anderer Informationsanbieter angehen, sobald sich ein Verdacht ergibt, beschweren sich darüber, dass sie ernst genommen werden - als Publizisten - und den gleichen Regeln unterliegen sollen, als ob es eine Hatz auf sie gäbe. Dabei ist es leicht, diesen wenigen Regeln, die im Übrigen fair sind, weil sie für alle gelten, zu entsprechen. Jeder kann im Netz sein Informationsmedium (Online-Magazin) lauchchen - wie ein Big Player auch - dann aber bitte, da über Dritte geschrieben wird, mit den gleichen Regeln. Auch, was die Bildbeschaffung betrifft, sollten die natürlich auch gelten, denn auch hier gilt ein Eigentumsrecht - und warum auch nicht. Warum soll ein z.B. gemeinnütziger Verein für ein Motiv bezahlen müssen, ein Blogger aber nicht? Plausible Gründe dafür werden nicht genannt. Btw. kenne ich beide Seiten - ich bin werblich tätig und bezahle für Fotografien natürlich, fotografiere im Zweifelsfall selbst und betreibe auch einen Blog, für den ich die o.g. Regeln vollumfänglich einhalte, ohne dass ich mir enen Zacken aus der Krone breche.
geschrieben von Michael Stepper, Oktober 05, 2012

...
Hallo Michael,

ich kann mich da Deiner Meinung nur anschließen. Daher wundert es mich ja eigentlich auch gar nicht mehr, dass diejenigen Blogger am lautesten wehklagen, die wissentlich immer wieder gegen (Urheber-/Eigentums-) Rechte anderer verstoßen haben. Wer Unrecht hat, schreit bekanntlich!

Im konkreten Fall von "We like that" bleibt aber erst einmal abzuwarten, wie sich das noch entwickelt. Immerhin wird da gerade zwischen dem Künstler, den Bloggern und den (vermeintlichen) Rechteinhabern erst einmal wirr PingPong gespielt.

Was allerdings die rechtlichen Stolpersteine angeht, die man Bloggern hierzulande in den Weg legt, die sind noch einmal ein ganz anderes Thema.

Herzlichst,

Michael
geschrieben von Anisah, Oktober 18, 2012

...
Bloggen ist echtes Leben. Mit echten, realen Folgen. Das übersieht man leicht im Klickibuntiland. Umso schmerzhafter kann dann die Realität zuschlagen. Aber ist das die Schuld der Realität?
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