Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck +++ Neue Welten +++ Tunesiens Freiheitskampf im Netz
Mittwoch, 05.01.2011
(222 Bewertungen)
Kommentare (5) Drucken
 
Anonymous und Facebook
 

Tunesiens Freiheitskampf im Netz

Während die westliche Medienwelt weiter im Dämmerschlaf vor sich hin vegetiert, geht der Kampf Tunesiens um Freiheit auf den Straßen und im Internet weiter. Und wenn die Nachrichtenportale versagen, bleibt als derzeit einzige Informations- und Austauschbörse oft nur Facebook.
Geschrieben von:   
Der Kampf der Anonymen geht weiter © Philibuster


Don't touch Facebook!", insistieren Anonymous-Aktivisten im eigenen (selbstredend anonymen) Chat-Forum gestern Abend während der Attacken-Koordinierung der „Operation Tunisia“ harsch. Immer wieder betonen sie: „Hände weg von Medien und Facebook!“ Zudem der wohlgemeinte Hinweis an freiwillige Cyberwar-Rekruten aus Tunesien: „Don't fire from Tunisia! We do it for you!“ Die Tunisair-Webseite haben sie bereits lahmgelegt – ein Angriff auf das Facebook-Profil des Präsidenten Zine el-Abidine ben Ali soll folgen – jedoch mit dem Hinweis, auf keinen Fall die ganze Plattform in den Orbit zu jagen.

Vielleicht bietet die auf 50 Milliarden Dollar geschätzte goldene Kuh Zuckerbergs doch noch den ein oder anderen bisher unbekannten Mehrwert. Für uns ist Facebook auf jeden Fall in den letzten Tagen zur wichtigsten Informationsquelle im Netz geworden, um über den Stand der Dinge in Tunesien auf dem Laufenden gehalten zu werden – denn den deutschen Medien sind Meldungen über die Vorfälle dort auch bisher nicht mehr wert als ein bis zwei Sandkörner. Wer in diesen Tagen die Onlineangebote großer Verlagsprodukte in Augenschein nimmt, der sieht sich – Überraschung – mit der üblichen Idealstandardware konfrontiert: Verseuchte Dioxin-Eier, die kaputten Rippen Dieter Nuhr`s und – weil so gern gefiebert wird – Schweinegrippe. Mal wieder.

Ende der Netzberieselung

Seit den Protesten nach den Präsidentschaftswahlen im Iran sollte aber eigentlich klar sein, dass die Zeiten der Verlagsnetzberieselung nicht mehr sind als journalistischer Hokus-Pokus, der mit Informationspflicht so viel zu tun hat wie David Copperfield mit WikiLeaks. Sprechen wir stattdessen von Demokratie in Reinstform als Möglichkeit, die das Internet aktuell vielleicht bietet, auch wenn Kritiker und alte Mächte wie Politik und Verleger diesen Sachverhalt gerne kleinreden oder kritisieren oder mit aller Macht regulieren wollen.

Wir haben aktuell weiterhin den groß angelegten und von „Anonymous“ angeführten Cyber-Kampf, der sich gegen die tunesische Zensur-Politik richtet, und außerdem weiterhin Proteste in vielen Landesteilen Tunesiens - und internationale Medien, die nach wie vor kaum etwas davon zur Kenntnis nehmen. Aber, und das ist der feine Unterschied: Wir verfügen derzeit über die Möglichkeit des transnationalen Austausches und die Fähigkeit schneller Vernetzung, die unter anderem durch Facebook möglich gemacht wird: Protest-Videos, Free-Tunisia-Fanseiten und junge Tunesier, die Profilbild-Konterfeis von Che Guevara oder dem Anonymous-Avatar verwenden – die Zeichen im größten webbasierten Sozialnetzwerk stehen klar auf erbitterten Protest und revolutionäre Stimmung. Weltweite Solidarität, die durch die Medien nicht mal ansatzweise formuliert wird, kann darüber hinaus hier gezeigt und artikuliert werden.

Lage in Tunesien weiterhin angespannt

Und die Regierung Tunesiens scheint weiter in Bedrängnis: Das Begräbnis von Mohamed Bouazizi, dessen Suizid Mitte Dezember den Beginn der Proteste markierte, wird erst heute stattfinden – lange hatte man mit diesem Akt gezögert, um weitere Massendemonstrationen zu verhindern. In der Stadt Thala lieferten sich Demonstranten und Polizei heftige Auseinandersetzungen, inklusive großer Mengen Tränengas, brennender Autoreifen und dutzender Verhaftungen. Die Zentrale der Regierungspartei sowie eine Polizeistation wurden bei den Demonstrationsscharmützeln zerstört - vor allem Studenten hatten hier protestiert.

Bereits vor zwei Wochen hat eine Gruppe tunesischer Künstler und Intellektueller den Protestlern im Kampf um Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit uneingeschränkte Solidarität zugesagt – Solidarität, die das westliche Ausland, das sich im Selbstverständnis als Vorreiter für Demokratie- und Menschenrechte versteht, zumindest im Medialbereich immer noch nicht aufbringt. Es bleibt die Verbrüderung mit den protestierenden Tunesiern im Bereich der Social Networks – und ebenso der Informationsaustausch. Willkommen im Jahr 2011.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Little Richard, Januar 05, 2011

Die Rolle von Facebook
Und so wird das umstrittene Social Network Facebook doch noch sinvoll - zumindest im Moment für die Tunesier. Trotzdem wäre es hilfreich für die Zukunft, wenn es ein unabhängiges soziales Netzwerk gäbe, dass nicht von wirtschaftlichen Interessen getrieben wird. Denn wie der Fall WikiLeaks gezeigt hat, sind solche Dienstleister die ersten, die den Schwanz einziehen, wenn Regierungen die Muskeln spielen lassen. Just my 2 cents ... Richard
geschrieben von Revolution, Januar 05, 2011

...
Das Web sucht sich seinen Weg, virtuelle Bewegungen sind nicht zu stoppen. Dennoch bleibt es spannend, was die Tunesier noch alles an Zensurgebahren erleben müssen.

Sollte jedem Tunesien-Reisenden mal durch den Kopf gehen, was z.B. das Hotel- und Tourismusperonal durchleben muss!
geschrieben von Hannibal, Januar 05, 2011

Europas Schande
Jede Unterstützung für die Protestierenden in Tunesien wird wahr- und dankend zu Kenntnis genommen. Wahrlich ist ihr Anliegen nobel. Sie streben mehr Demokratie, soziale Gerechtigkeit und mehr Pressefreiheit an.
Das Schweigen der europäischen Politik und Medien ist eine Schande. Es zeugt von ihrer Heuchelei.
geschrieben von GerAnon, Januar 05, 2011

...
Ich kann mich Hannibal nur anschliessen.
Im Anonymous IRC schlägt einem unendlich viel Dankbarkeit aus Tunesien entgegen.
geschrieben von Fleur-de-Lys, Januar 05, 2011

...
Pressefreiheit, Menschenrechte, Demokratie und Sozialgerechtigkeit sind das Motto dieser Revolution. Tunesien ist seit 23Jahre eine Diktatur. Jede Kritik ist verboten. Das Innenministerium ist zum Folterlabor geworden...
Ohne Kampf kein Sieg!
Vielen Dank Anonymous.
Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

REKLAME

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden

REKLAME

Meistgelesene Artikel

Ähnliche Artikel


Neueste Beiträge

Meistgelesen