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Deck +++ Neue Welten +++ Da-da-da, ich les dich mit, du liest mich mit
Montag, 14.10.2013
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Besorgniserregend: Der Trend zum Lyrics-Video
 

Da-da-da, ich les dich mit, du liest mich mit

Nun auch bei den Major Acts angekommen: Lyrics-Videos! Sehr preiswert und nervenschonend, denn die Stars können zuhause bleiben und müssen nicht aufwendig betüddelt werden.
Geschrieben von: Franziska Schwarz   
Mist, wer hat meine Wall angesprayt? - Jason Mraz, 93 Million Miles



Das an Genres nicht arme YouTube hat ein vergleichsweise neues. Es wird wohl nicht weggehen, denn Unternehmer wie Kate Perry oder die Rolling Stones operieren jetzt mit ihm: das Lyrics-Video!

Heißt: Künstler liefern nicht länger bewegte Bilder zu ihrer Musik, sondern blenden den Liedtext ein. Sie machen damit das, was bisher Fans mit einem Lieblingslied und dessen Botschaft gemacht haben. Eine bedenkliche Entwicklung! Nicht wegen des wirtschaftlichen Hintergrunds: Lyrics-Videos sind günstig, denn Buchstaben müssen weder gecastet, noch am Set verpflegt oder ausgeleuchtet werden – ein einfaches Schnittprogramm genügt. Und Lyrics-Videos funktionieren, weil der Mensch gerne mitsingt. Auf YouTube garantieren sie Klicks. Da Musiker von irgendwas leben müssen, kann man ihnen dieses Kalkül nicht vorwerfen, am wenigsten kleinen Indie-Bands.

Das Problem jedoch: Als noch ausschließlich Fans die Lyrics-Videos produzierten, gab es kein einziges Lyrics-Video zuviel - mindestens sein Erschaffer hatte etwas von ihm. Heute schreiben die Rolling Stones die Zeilen von "Doom and Gloom" selbstständig in Holzkohle und Blut aus. Ke$ha jagt neon-bunte Lettern in unzähligen Schriftarten durch graue Szenerien. Aber haben sie auch das Recht dazu? Dem Zuschauer den Text wie auf einem Teleprompter aufzudrängen? Die Lyrics zu studieren, muss eine freie Entscheidung bleiben, genauso, wie einen Blick in die Partitur zu werfen. Denn Musikhören funktioniert – das ist ja das Schöne – auch ohne diese zwei zusätzlichen "Add ons".


Das Lyrics Video leuchtet den Genuss nun bis in alle Ecken aus: Das Etwas namens Song ist zerlegt. Damit geht das Flair verloren, das entsteht, wenn etwa das Genuschel eines Hip-Hoppers rätselhaft bleibt. Oder wenn ein Hörer die Lyrics zwar falsch interpretiert, sie ihm aber so viel besser passen. Und viele Lyrics sind gar nicht zum Lesen gedacht, sondern Teil der Instrumentation. Epochales Beispiel: "Da-da-da"!

Manche Lyrics schließlich sind so doof, dass das Lied also solches besser bleibt, wenn man ihnen nicht so viel Aufmerksamkeit widmet. Das Lyrics-Video schiebt den Text aber, ob gewollt oder nicht, vor die Musik.

Nicht, dass es nicht großartige Lyrics gäbe, die als Manifest oder Gedicht für sich stehen können. Welche das sind, sollten aber die Fans entscheiden – nicht die Künstler.

P.S. Man kann auch die Noten eines Songs "lyricizen" - was bei stupidem Leersaiten-Gedengel dann zu simpelster Prosa führt.

 

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