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Deck +++ Neue Welten +++ The importance of being liked
Donnerstag, 25.08.2011
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Datenschutz im Social Web
 

The importance of being liked

Der Vorstoß des ULD in Schleswig-Holstein, Facebooks-Like-Button im eigenen Bundesland auszurotten, sorgte für erstaunlich wenig Gegenwind. Dabei verhelfen gerade Facebooks Social-Plugins der - nach wie vor kränkelnden - deutschen Blogosphäre zu einem wahren Vitalitätsschub.
Geschrieben von:   
License to cut © Schleswig-Holstein macht dem Facebook-Like den Garaus


Die Empörung hielt sich in Grenzen, als das ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz) Schleswig-Holstein vergangene Woche bekannt gabt, das schöne Bundesland bis Ende September von allen Facebook-Like-Buttons samt dazugehörigen Fanpages säubern zu wollen. Und erstaunlicherweise erhielt dieser Vorschlag auch Zustimmung von Institutionen, von denen ich in diesem Punkt etwas mehr Weitsicht erwartet hätte.

Datenschutz ist Ländersache

Gespannt wartete ich also - nach dem martialischen Schlachtruf von ULD-Chef Thilo Weichert gen Palo Alto (dabei hätte ein Anruf in Irland ja durchaus genügt) - auf Reaktionen aus den restlichen Bundeländern. Bislang vergeblich, denn entweder ist man sich dort der datenschutzrechlichen Auswirkungen von Like-Button und Co. noch nicht ganz bewusst, oder einfach zu sehr damit beschäftigt, die eigenen Fanpages zu pflegen oder Farmville-Felder zu bestellen (in der Amtsstube der neueste Schrei, wie man hört).

Für Social-Web-Freunde in Schleswig-Holstein aber läuft jetzt der Countdown, denn Thilo Weichert meinte es durchaus Ernst, als er androhte, Webseitenbetreiber in die Verantwortung zu ziehen und im Worst Case mit Geldstrafen bis zu 50.000 Euro zu belegen. Streitbar ist dabei die Tatsache, dass wieder einmal der „kleine Mann des Internets“ für die Versäumnisse der Politik büßen muss. Bis heute bleibt uns die Politik die Antwort auf die Frage schuldig, welche Daten von Like-Button, Social-Plugins Analytic-Tools und sämtlichen Embed-Codes in Deutschland erhoben werden dürfen. Und weil man den Kampf mit dem übermächtigen und unantastbar scheinenden Facebook scheut, will man die blaue Datenkrake jetzt durch einen erzwungenen Boykott zum Einlenken bewegen. 

User-Generated Reglementierung

In vielen Blogs und Leserkommentaren fand dieses Vorgehen Zustimmung, geht vielen doch das dauerpräsente Gelike gehörig gegen den Strich. Doch ab hier wird die Diskussion interessant:

Allen – oft begründeten – Unkenrufen zum Trotz hat Facebook die perfekte Marketingplattform für Webdienstleister geschaffen. Und gerade Blogger, die nicht mit der Reichweite etablierter Formate mithalten können, erhalten über Facebook und neuerdings Google+ die Möglichkeit, sich ein eigenes Publikum abseits von den SEO-Spam verseuchten Suchmaschinen aufzubauen. Über Marketingmaßnahmen wie die eigene Fanpage, die Einbindung von Social Plugins und so weiter und so fort. Selbst wenn vielen der Like-Overkill auf die Nerven geht, wird viel zu schnell vergessen, dass der Großteil dieser Angebote völlig kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Likes, +1s und im besten Falle Flattrs sind die Währung des Social Web, die – wenn sie nicht wie im Fall von Flattr bares Geld bedeuten – Webseiten und Blogs mit Reichweite, Traffic, Einsichten über die eigene Zielgruppe und – eben – einem anerkennenden „Like“ belohnen.

Gerade Deutschland – das im Gegensatz zu den USA nach wie vor als rückständig bezeichnet werden kann, was das Social Web angeht – täte sich damit keinen Gefallen, seine Blogosphäre und Social-Media-affine Webseiten auf diese Weise zu bestrafen. Freilich ließe es sich auch ohne den ganzen Wust an externen Datensammel-Buttons überleben, gäbe es eine wirkliche Alternative zu Facebook und Google+. Dazu bedürfte es lediglich einer breiteren Unterstützung  - auch von Seiten unserer Bundesregierung  - von Diensten wie  - dem langsam in Vergessenheit geratenden – Disapora. Ein dezentrales Social Network bei dem keine wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen. Doch längst sind wir viel zu abhängig von den großen Playern im Netz, deren einziges Ziel es ist, Daten zu aggregieren. Soviele wie möglich, um sie dann irgendwo in den USA auszuwerten, zu verschachern und Dinge damit anzustellen, von denen selbst Thilo Weichert nicht so recht weiß, welche das wären.

Interessanterweise äußert sich Weichert im offiziellen Statement der ULD selbst zu Facebook-Alternativen: "Niemand sollte behaupten, es stünden keine Alternativen zur Verfügung; es gibt europäische und andere Social Media, die den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Internet-Nutzenden ernster nehmen." Welche "Social Media" das aber sein sollen (Etwa die IRC-Channel von Anonymous? Oder vielleicht doch die sterbenden VZ-Netzwerke, die im Gegensatz zu Facebook private Daten in der Vergangenheit gleich jedem Hackerkind auf dem Silbertablett serviert haben?), verrät der Datenschützer nicht.

Völlig unverständlich auch, warum sich die ULD nur auf Facebook einschießt, wo Google+ doch nicht weniger sensibel mit den Nutzerdaten umgeht, die es über den eigenen +1-Button erhebt. Da aber Zuckerbergs Unternehmen in Deutschland momentan noch die massentauglichere Variante darstellt, richtet man markige Sprüche vorerst in diese Richtung. Wie erfolgreich das aussehen kann, hat Ilse Aigner ja bereits bewiesen.

Themen: Blogosphäre Blogs Facebook Like Like Button
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Marlene Bitzer, August 25, 2011

Meinen die das wirklich Ernst?
Meinen die das wirklich "Ernst"? Im ersten Moment dachte ich wirklich an eine dieser vielen bemitleidenswerten Enten, die irgendwelche Sommerlöcher füllen müssen. Aber nein, die wirren Beamten unterm Nordlicht hatten tatsächlich nichts Besseres zu tun. Was müssen wir und der Rest des gesunden Menschenverstands eigentlich noch alles ertragen?
geschrieben von Dean Divine, August 25, 2011

Hoffentlich meinen die das ernst!
Ich kann das Gejammer um diesen albernen "like"-Button echt nicht verstehen, bzw. wie man Datenschutz in der Relevanzordnung unter diesem platzieren kann. Jedes mal wenn ich eine mit dem blauen Däumchen versehene Website besuche, völlig egal ob ich bei facebook bin oder nicht oder ob ich diesen Button anklicke oder nicht, werden Daten von mir abgegriffen und in die USA gesandt, ohne dass ich vorher informiert, geschweige denn gefragt wurde. Ich weiß nicht, ich will einfach nicht, dass irgendein geld- und datengeiler Konzern wie facebook frei darüber eintscheiden kann, welche Daten er abgreift, auf was für eine Art und Weise er sie abgreift und wie sie im Anschluss ausgewertet und verschachert werden. Bemerkenswert finde ich, dass uns in amerikanischen Blogs zu einer derart couragierten Politik gratuliert wird und die Leute den expliziten Wunsch äußern, ihre Regierung hätte auch die Maracas für sowas, wohingegen hier von der "Wir wollen Guttenberg zurück"-Seite bis hin zu links-liberalen Websites gejammert wird, als würde der Fortbestand des Internetlebens vom sinnentleertesten aller Meinungsäußerungsvehikel abhängen: dem "like"-Button. Der Drang zur Selbstentblösung und das Streben nach vermeintlicher Relevanz scheinen einfach wichtiger zu sein.
geschrieben von Ramona Fuchs, August 27, 2011

Datenschutz & Co
Unsere Daten werden aus ganz bestimmten Gründen gesammelt! Als "zivilisierter" Mensch kannst Du Dich dagegen nicht wehren !Du müßtest Dich im Dschungel verschanzen ! Die "Welt" wird abgelenkt vom Eigentlichen...Zu über 90 % der Menschen würde nie drauf kommen, worum es eigentlich wirklich geht ! Würde man es ihnen aber sagen ,würden sie es nicht glauben...Das ist nämlich die andere Seite und den ganz wenigen Prozent WEIT OBEN auch Recht so....
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