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Mein Philibuster
Deck +++ Neue Welten +++ Eure Luxusblogger-Probleme kotzen mich an!
Montag, 10.01.2011
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Deutsche Blogosphäre
 

Eure Luxusblogger-Probleme kotzen mich an!

Dass deutsche Traditions-Medien die Proteste in Tunesien verschweigen, lässt sich gerade noch verschmerzen. Dass sich die deutsche Blogosphäre aber mal wieder als ein Haufen Feiglinge outet, stimmt bedenklich.
Geschrieben von:   
Wach endlich auf, deutsche Blogosphäre! © Flickr mdanys


Was ist nur los mit Dir, Blogger-Deutschland? Erkennst Du etwa die Zeichen der Zeit nicht mehr? Während in Tunesien die Jugend auf der Straße um ihre (Netz-)Freiheit kämpft, wälzt Du noch Deinen nachweihnachtlichen Speckmantel im Wohlstands-Winterschlaf. Von den traditionellen Medien und ihren Auswüchsen im Internet haben wir - ehrlich gesagt - nichts anderes erwartet: lächerliche 20 Tote und keine Tragödie wie die um die hübsche Neda, die bei den Protesten im Iran anno 2009 ihr Leben und ihre Zukunft verlor. Es fließt zu wenig Blut, um dem Giftskandal um unser geliebtes Frühstücksei auch nur annähernd Konkurrenz zu machen. Und was interessiert uns schon, was in unserem Urlaubsparadies so vor sich geht? Schon gleich wenn der einzige Kampf, den wir mit diesem Land verbinden, der ist, morgens um sieben den besten Platz am All-Inclusive-Pool zu ergattern?

Kollektives Jammern auf hohem Niveau

Wir sind nicht enttäuscht, wir tragen es wie immer mit Fassung. Erstaunt sind wir aber über die Tatsache, dass sich deutsche Blogs ebenfalls einen Dreck um dieses Thema scheren. Wo doch gerade das Thema Freiheitbeschneidung immer gerne aufgegriffen wird. Wie war das, als bekannt wurde, dass die Neuauflage des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags, kurz JMStT, das deutsche Blogidyll für immer verändern würde? Der Aufschrei war nicht zu überhören, die Empörung groß. Wie können Politiker nur so dumm sein, so wenig vom Internet verstehen, diesem Medium, dass Menschen wortwörtlich verbindet und Revolutionen wieder möglich macht? Klein-Bloggersdorf gibt sich mal wieder dem ewig sinnlosen Kampf "Blogger vs. traditionelle Medien" hin, basht Printprodukte, die wiederum regelmäßig "dieses Internet" schlechtreden. Am Ende scheint es, als hätte der deutsche Teil der Blogosphäre selbst noch überhaupt nicht begriffen, wie dieses Internet überhaupt funktioniert.

Anstatt nämlich geschlossen (!) gegen den unausgegorenen Gesetzesentwurf vorzugehen, wurden die Schwänze ruck zuck eingezogen und diejenigen Schreiber in zahlreichen Beiträgen bemitleidet, die ankündigten, ihr Blog aufgrund solcher Ungerechtigkeiten dicht zu machen. Ja Herrschaft noch einmal, fuhr es einem vor Wut in die Glieder. Mit was für einem Haufen Feiglingen haben wir es denn hier zu tun? Ein paar Unwissende wollen uns das Recht auf eine eigene, nicht immer „jugendfreie“ Meinung verbieten. Anstatt aber unsere Zähne kollektiv in die Hand zu rammen, die uns diese Freiheit entziehen will, tritt ein großer Teil die Flucht in die Kuschelecke an, um sich ob dieser Gemeinheit laut schluchzend seiner Tränenflüssigkeit zu entledigen.

Gemeinsam durch die Stacheldrähte der Zensur

Was seid Ihr nur für Weicheier, dass Ihr zwar schimpft wie Rohrspatzen gegen Zensurversuche von Seiten der Politik, aber lieber einsam vor Euch hinjammert, anstatt endlich gemeinsam aufzustehen? In Tunesien, in Algerien, im Iran und vor allem in China haben Blogger richtige Probleme. Dort macht man sich keinen Kopf, ob nun dieses Tittenbild oder jenes Zitat gegen den Jugendmedienschutz oder ein veraltetes Urheberrecht verstößt. Das sind lediglich Luxusblogger-Probleme, wie sie uns in unserer Pampers-Blogosphäre umtreiben. Wer in diesen Tagen beobachtet, wie sich junge Tunesier auf den Straßen und gerade im Internet formieren, um gemeinsam die Stacheldrähte der Zensur zu durchbrechen, sollte sich schämen, überhaupt jemals gejammert zu haben.

Nichts ist leichter, als sich in diesen Tagen mit der tunesischen Jugend solidarisch zu zeigen. Die Information liegt quasi auf der Straße der sozialen Netzwerke. Das Argument, man wisse ja nicht, was „dort“ so vor sich gehe, weil die Medien ja nicht darüber berichten, zählt nicht mehr. Dank Facebook wissen wir natürlich Bescheid, kriegen mit, wie uns junge Tunesier um Hilfe bitten, weiter über ihren Freiheitskampf zu berichten. Studenten, die uns im Chat von den neuesten Entwicklungen im Land erzählen, uns live berichten, wie das Militär gegen sie, den Nachwuchs des eigenen Landes, mobil macht. Nein wahrlich, wir können nicht so tun, als wüssten wir von nichts. Und Du kannst das auch nicht, Blogger-Deutschland. Du bist kein verdammtes Heer von Söldnern, Du solltest endlich erkennen, dass Du eine Friedenstruppe bist, die zusammenhält und gemeinsam gegen dieses Unrecht ankämpft. Für ein freies Informations-Netzwerk, das über Gesetzesentwürfe wie den des JMStV nur müde lächelt und dann unabhängig berichtet, wenn klassische Medien mal wieder auf ganzer Linie versagen. Alles andere sind Luxusblogger-Probleme, die mich ankotzen.

Themen: Blogger Facebook JMStV Protest Social Media Tunesien Zensur
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Spiegelfechter, Januar 10, 2011

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Hallo Michael,

ich kann ja Deine Wut nachvollziehen. Wenn ich mir die aktuelle Lage in Tunesien (und Algerien) allerdings anschaue, muss ich leider feststellen, dass er dort - ganz akut - weitaus bedrohlichere Probleme als die Internetfreiheit gibt. Doch auch diese wird sowohl vom Mainstream als auch von der Blogsophäre ignoriert. Klar, solche Themen "gehen nun einmal nicht gut", wie die Blattverantwortlichen gerne sagen. Da unterscheiden sie sich aber kaum von den Bloggern.
geschrieben von Michael Stepper, Januar 10, 2011

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Lieber Jens,

wenn sich nun auch schon die Blogger dem Traffic-Diktat unterwerfen, dann läuft doch ohnehin etwas schief in der deutschen Blogosphäre. Aber dass selbst netzpolitk.org die Geschehnisse nicht thematisiert, wundert mich jetzt doch ...
geschrieben von Hannibal, Januar 10, 2011

Türen zu. Fenstern Zu.
Danke für die offenen Wörter.
Obwohl Philibuster zu den wenigsten Blogs im deutschsprachigen Raum über die Geschehnisse in Tunesien berichten, kann man von den Reaktionen der Leser ihre Interesse messen: SEHR BESCHEIDEN!!!
Man könnte zwar die Ausrede mit dem "Ich-habs-nicht-gewußt" gelten lassen. Doch auch die MSM mussten hin und wieder ihr unverständliches Schweigen brechen. Auf EURONEWS wurde im 1/2Stunden Takt Bilder aus Algerien und Tunesien gezeigt. In den Printmedien wurden oberflächliche Artikeln veröffentlicht die jedem normaldenkenden Menschen die Frage aufstellt: Da muss doch mehr hinter stecken?!

Am WE wurden 23 Demonstranten in tunesien durch Kugeln der Polizei getötet. Nun stelle man sich vor was alles darüber berichtet worden wäre, wäre das im Iran passiert.
Tunesien ist von sehr vielen Europäern vom Urlaub her bekannt. Es kann auch als Anrainerstaat der EU gezählt werden. Dessen Schicksal kann den Europäern nicht egal sein. Vorallem nicht wenn es den selben Schicksal erlebt wie Algerien und zur selben Zeit. Was grosses bahnt sich an. Wer nicht hinschaut ist Blind.
geschrieben von Tester, Januar 10, 2011

...
Bitte in Zukunft besser informierte Leute schreiben lassen. Der Fall "Neda" war nachweislich reine Fiktion zu Propaganda-Zwecken. Einfach mal nach Videos etc. zum Fall googeln, so viel Mühe kann man sich als investigativer Autor antun.
geschrieben von Michael Stepper, Januar 10, 2011

...
@Tester: Es gibt auch Leute, die bezweifeln hartnäckig, dass die USA jemals auf dem Mond gelandet sind. Aber wenn Du diese Neda-Verschwörungstheorie eindeutig beweisen kannst (wir können es nämlich nicht), sind wir die letzten, die das nicht anerkennen.
geschrieben von Jens Scholz, Januar 11, 2011

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Oh, ein "In Afrika sterben Kinder" - Rant. Wie neu.
geschrieben von ker0zene, Januar 11, 2011

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Ein Blödsinnsartikel. Wenn Ihnen (nachvollziehbar) missfällt, das zu wenig über die aktuellen Geschehnisse in Algerien und Tunesien berichtet wird, dann schreiben Sie doch darüber, anstatt sich zu beschweren, das es andere eben nicht tun.

Die Abwägung der natürlich unterschiedlichen Dimensionen der Probleme von Menschen in verschiedenen Regionen ist seit jeher ein schales Argument. Selbstredent sind die Probleme der Menschen in Tunesien, Algerien, Iran, Afghanistan und in leider viel zu vielen anderen Ländern um ein vielfaches ernster und elementarer, als die meisten individuellen Situationen hier. Daraus in irgend einer Form zu folgern, das es deswegen unangebracht sein, hierzulande über die eigenen Probleme zu bloggen ist aber grundfalsch. Aus dieser Sicht hätte beinahe niemand in Deutschland das Recht, sich zu seiner persönlichen Situation zu äussern. Was in den angesprochenen Krisenregieonen auch genau niemanden hilft.

Ihr polemischer Rant ist im Kern nichts anderes als gerade eben das, worüber Sie sich beschweren. Substanzloses Meta-Geschwafel, ohne die wirklichen Themen, die Ihnen nur als Aufhänger dienen, voranzubringen.
geschrieben von Lazy, Januar 11, 2011

...
hier gibts dann doch etwas dazu:

http://www.sarsura-syrien.de/search/tunesien

aber natürlich nur im sehr sehr kleinen Format.
geschrieben von Carsten, Januar 11, 2011

...
"Wenn Ihnen (nachvollziehbar) missfällt, das zu wenig über die aktuellen Geschehnisse in Algerien und Tunesien berichtet wird, dann schreiben Sie doch darüber, anstatt sich zu beschweren, das es andere eben nicht tun."

(Vielleicht bin ich ja ein bisschen dumm, aber wenn irgendwo in den letzten Tagen über die aktuellen Geschehnisse in Tunesien geschrieben wurde, dann hier.)
geschrieben von Peter, Januar 11, 2011

...
Der deutsche Kaffeehausblogger wechselt immer zum distanzierten "Sie" wenn es ihm zu bunt wird und er sich direkt angesprochen fühlt :-). Echt, kann man immer wieder herauslesen. das hat so was von: "Sie, hören Sie mal, Sie ..."

Natürlich gehts uns uns gut und natürlich sind wir alle Prinzessinnen auf weichgelutschten Erbsen. Wir sind satt und dick und so richtig aufregend ist auch nichts mehr. Da werden dann halt Ereignisse wie die Änderungen im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag geradezu inbrünstig debattiert, kommentiert und zum Gottseibeiunsthema hochstilisiert. Warum? Vielleicht, weil es ohne diese herbeigeschriebenen Zankkäpfel keinen wirklich Grund mehr gäbe, einen Blog zu führen? Weil sich solche themen hervorragend eignen, Kommentare mit links zum eigenen Blog bei anderen zu verfassen? Schnippisch und schneidig zu sein? Und ach so smart?

Möglicherweise haben all diese Ausstiegsankündigungen etwas mit angekündigten Selbstmorden gemein. Da denke ich immer an Kapitän Hook, der sich entleiben will und ruft: "Smeee, wag es ja nicht, waaage es ja nicht, mich aufzuhalten, nicht, dass Du es wagst, Smeee!"
Wenn ein Blogger nimmer will, dann soll er halt aufhören und etwas mehr an die frische Luft gehen oder nach Cuba fliegen und der dort ansässigen winzigkleinen Bloggerszene erklären, dass sie sich nicht wegen ihrer Pimperlprobleme so aufblasen und anscheißen sollen. Empfehlenswert: Yoani Sanchez: Cuba Libre :-)

Eigentlich zeigen solche Threads durch ihre Kommentare, dass das größte Problem jenes ist, dass es eigentlich keine Probleme gibt. Die beliebigen und austauschbaren "per Sie" Bloggerlüftchen unterstreichen dies noch mit großer Vehemenz.
geschrieben von Ape, Januar 11, 2011

...
> Eure Luxusblogger-Probleme kotzen mich an

Mag ja sein, aber wer bist du überhaupt? Und warum sollte das irgendwen interessieren, was dich ankotzt?
--> Wald, reinrufen, etc.
geschrieben von Michael Stepper, Januar 11, 2011

Hausrecht.com
@Ape: Don Alphonso würde Dir folgenden Satz um die Ohren hauen: "Weil das hier immer noch mein Vorgarten ist. Und da kann ich so oft reinkotzen und -pinkeln, wie ich will!" ;)
geschrieben von Michael Stepper, Januar 11, 2011

...
@Peter: Vielen Dank für diese geistreichen Worte! Dabei gäbe es Themen zuhauf, würde der deutsche Blogger nur einmal über seinen Tellerrand blicken. Schon würde sich - rege Zusammenarbeit vorausgesetzt - das laue Lüftchen in einen handfesten Sturm verwandeln.
geschrieben von struwwelpeter, Januar 11, 2011

...
In Afrika verhungern die Kinder und du magst keinen Spinat.
geschrieben von Michael Stepper, Januar 11, 2011

...
@struwelpeter: Glatte Lüge!
geschrieben von Teilzeitblogger, Januar 13, 2011

...
Nun ja, immer die anderen als Maßstab zu nehmen, scheint mir etwas einfach.

Dürfen sich Hartz 4 Empfänger dann nicht mehr beschweren, weil es anderen ja "noch schlechter" geht?

Dürfen Arbeitnehmer sich nicht beschweren, weil sie einen Mindestlohn wollen, nur weil andere in anderen Ländern noch weniger verdienen und es ihnen somit "noch schlechter" geht?

Dann darf sich ja eigentlich kaum einer in Deutschland über irgendetwas beschweren, nur weil andere noch größere Probleme haben. Das ist eine vollkommen überzogene Forderung. Die Probleme hier sind andere als z. B. in Tunesien, trotz allem nicht wirklich miteinander vergleichbar. Natürlich haben andere Menschen manchmal größere Probleme, trotzdem bedeutet dies doch nicht, dass ich kein Recht habe meine eigenen Probleme oder Sorgen nicht auszusprechen. Soll man sich demnächst immer mit anderen vergleichen, ob diese "schlimmer dran sind" als man selber, bevor man seinen Mund aufmacht?

Man könnte ja jetzt auch sagen: "Dein Problem mit der Deutschen Bloggerszene kotzt mich an, weil andere viel wichtigere Probleme haben!" Man kann Dich einfach mit den eigenen Waffen schlagen!

Und zum Argument: "Es gibt so viele Sachen über die man schreiben kann". Genau! Und die Vielfalt ist toll und wichtig, damit für jeden was dabei ist. Wenn Dir das nicht gefällt, wird Dir vielleicht der Inhalt des nächsten Blogs gefallen...
geschrieben von Nadia Shehadeh, Januar 13, 2011

...
Liebe KollegInnen, Leute, ja, einige von Euch haben es direkt erfasst! Wir Philibuster wollen nur vorgeben, worüber Ihr schreiben sollt! Nur das, was wir wollen, und nix anderes! Weil wir den Ober-Plan haben! Also, bitte, holt Euch demnächst ´ne Themenliste bei uns ab! Und alles, worüber wir nicht schreiben, finden wir auch total doof! Und deswegen sollt Ihr darüber auch nix schreiben! (Mensch Mensch Mensch...)

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