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Deck -> Neue Welten -> Die wirren Pfade des Steve Jobs
Montag, 01.02.2010
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Apple
 

Die wirren Pfade des Steve Jobs

Steve Jobs und Apple zogen einst aus, um Piraten zu sein, die den Traum von der computerisierten Freiheit leben. Inzwischen aber legt das  einst sympathische Unternehmen aus Cupertino Konkurrenten selbst in digitale Fußfesseln.
Geschrieben von: Michael Stepper   
Steve Jobs schreibt die 10 Gebote des freien Marktes neu © Flickr Photo Giddy/Dale Stephanos
 

Es gibt da diesen Werbespot aus dem Jahr 1984, auf den sich Apple-Jünger immer dann berufen, wenn ihre Lieblingsfirma mal wieder von erklärten Besserwissern als Techniksekte verunglimpft wird. Das Filmchen, das auf die Orwellsche Mär des Big-Brother-Staates im Jahre 1984 Bezug nimmt, präsentierte in eben diesem Jahr die Einführung des Macintosh-Computers – der neue Denk- und Arbeitsweisen versprach. „Think different“, so das Motto auf der folgenden Keynote der Garagenrebellen aus Cupertino, die sich tapfer gegen die graue Masse an PC-Nutzern und den allmächtigen großen Bruder namens IBM stemmten. Jetzt, 26 Jahre später, gibt es keinen großen Bruder mehr, es gibt eine ganze Bande großer Brüder, zu denen mittlerweile auch Apple zählt.

Monopoly unter Computer-Pionieren

Steve Jobs, Apple-Gründer, Apple-Verstoßener, geläuterter Rückkehrer und jetzt Prophet und Messias hatte sich einst aufgelehnt gegen einen Monopolisten, der für ihn die Kontrolle über die Zukunft zu übernehmen drohte. Und dann kam Microsoft und tat genau das. Bill Gates Firma schaffte es mit dem Betriebssystem MS-DOS (später Windows), auf nahezu jedem IBM-PC vertreten zu sein. Gegen diese Marktmacht konnte Apple nur verlieren. Jahre später musste Microsoft für seine Monopolstellung viel Geld bezahlen, man warf dem Unternehmen vor, diese auszunutzen. Die Gerichte sahen das ähnlich, rang Microsoft doch Herstellern von Softwareprodukten wie Browsern oder Mediaplayern Marktanteile ab, indem es die eigenen Produkte gleich vorinstallierte bzw. proprietäre Formate schuf, die sich nur mit der hauseigenen Software abspielen ließen.



In Zeiten von OpenSource-Software und offenen Formaten sollte sich Apple nun also glücklich schätzen, verliert Microsoft doch durch Google und Open-Source-Browser zunehmend an Macht. Die gewinnt inzwischen zu einem Großteil tatsächlich Apple und nutzt sie gnadenlos aus. Angefangen hat alles mit dem iPod und dem genialen wie restriktiven System iTunes. Das Paket aus Player, Software und Shop ist bis heute einzigartig konsequent in seiner Umsetzung – und ebenso kunden- wie konkurrenzfeindlich. iPods funktionieren bekanntlich nur im Verbund mit iTunes. Das freut einerseits die Musikindustrie, die seit Einführung der Player endlich wieder Geld mit verkaufter Musik verdient, andererseits schafft Apple sich damit eine Kundenbindung, die der Nutzer mit seiner digitalen Freiheit teuer erkauft. So ließen sich beispielweise lange Zeit im iTunes-Store gekaufte Songs nicht einfach auf einen Player eines anderen Herstellers transferieren, da Apple auf ein proprietäres Format und Kopierschutzmechanismen setzte. Außerdem ließen sich die Songs auch nicht unter verschiedenen iPods austauschen. Auf diese Weise verhalf Apple einem Geschäftsmodell zur Renaissance, das man längst begraben hatte: Die künstliche Verknappung von Gütern.

Den bisherigen Höhepunkt fand dieses Gebaren mit der Einführung des iPhones, das nur bei ausgewählten Mobilfunkanbietern erhältlich war, was es diesen wiederum ermöglichte, die Preise zu diktieren und einen Teil davon an Apple abzuführen. Freie Märkte sehen anders aus. Hinzu kam Apples hochprofitabler App-Store, ein Onlineshop für Anwendungen aller Art und jeden Lebensbereich. Die Krux: Apple bestimmt, welche Apps in den Store aufgenommen werden und behält 30% der Einnahmen für sich. Dass das geradezu an Zensur grenzt, zeigt das Beispiel der Stern.de-App, die aus dem Store verschwand, weil bestimmte Bilder des Angebots nach US-Recht als nicht jugendfrei gewertet wurden. Auch gegen Google, das versucht seine Dienste für Apples Smartphone anzubieten, setzte sich die Firma aus Cupertino durch und unterband wiederholt deren Aufnahme in den Store. Drohte sogar, in der zukünftigen Version des mobilen Betriebssystems den Suchdienst Bing von Microsoft einzusetzen.

Ausbruch aus dem digitalen Käfig

Jetzt allerdings formiert sich Widerstand. Das geschlossene App-System scheint mit der Einführung von HTML5 aufzubrechen, da die neue Sprache die Programmierung von Apps erlaubt, die alleine im Browser laufen und so Apples System umgehen. Übrigens läuft auf dem iPhone nach wie vor nur der hauseigene Browser Safari, der sich nicht durch Alternativen ersetzen lässt und bis heute zum Beispiel keine Unterstützung des Flash-Formats bietet.

Vor einigen Tagen hat Apple nun sein lange erwartetes iPad präsentiert, das die Store-Kette um einen Buchladen erweitern wird und damit dem Amazon Kindle Konkurrenz machen soll. So schickt sich der als Choleriker bekannte Jobs (man lese die Biographie "iCon Steve Jobs" von Jeffrey S. Young und William L. Simon) an den eBook-Markt zu entern, während er sich mit Händen und Füßen gegen Google wehrt, das es sich anmaßt, den Mobilfunkmarkt aufzumischen.

Ob das iPad die erhoffte Rettung für die Buch- und Verlagsbranche wird, steht noch in den Sternen. Klappt es, wird Apple noch mächtiger und schafft sich weitere Feinde und neue Fronten. Und selbst an der Heimatfront beginnt es zu brodeln, da Apple mehr und mehr Bereiche erschließt, seine Kernkompetenzen (Computer) aber mehr und mehr aus den Augen verliert. Für viele treue Apple-Fans ist das Unternehmen seit einiger Zeit kein großer Innovator mehr, was PCs betrifft. Hinzu kommen zahlreiche Beschwerden über die Servicepolitik des Unternehmens. Die strikte Vergabe einer Einjahres-Garantie auf alle Produkte und das Zusatzgeschäft mit Garantieverlängerungen tun ihr Übriges, um die Stimmung in Foren anzuheizen. In der Biografie „iCon Steve Jobs“ wird Jobs in den wilden Jahren des Unternehmens mit dem Satz „Lasst uns Piraten sein!“ zitiert. Die Zeiten haben sich allerdings geändert. Der Wind hat gedreht und die Lunten der wahren Piraten brennen längst.

Themen: Apple Cupertino Fußfesseln Piraten Steve Jobs Werbespot iPad iPhone iPod iTunes
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Simon Koehl, Februar 02, 2010

Strategie
Bei allen bekannten Vorteilen des openSource Gedankens und den unendlichen Möglichkeiten des Internets, ist vielleicht die Unübersichtlichkeit und das Know-how als Zugangsvoraussetzung mit das größte Manko. Durch die bewusst eingegrenzte Welt und das cooperate Design der Zugänge, die ein iPad ermöglicht, schafft Apple einen sehr übersichtlichen Bewegungsspielraum. Dem User wird so suggeriert das er das Potenzial des Geräts voll ausschöpfen kann indem ihm die Qual der Wahl genommen wird.
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