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Ballack vs. Boateng
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Verlängerung am Social Stammtisch |
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Nicht nur TV-Experten und Szene-Kenner wettern über das Foul von Kevin-Prince Boateng an Michael Ballack. In Social-Networks feuern die User unterirdisch gegen den „Badboy“, aber auch die Gegenbewegung bekleckert sich nicht mit Ruhm. |
| Geschrieben von: Niklas König |
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Die Diskussionskultur bei Facebook lässt zu wünschen übrig © Philibuster
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Wer in diesen Tagen die Online-Plattform Facebook besucht, erkennt schnell, welch alberne Debatte das üble Foul von Portsmouth-Profi Boateng an Michael Ballack nach sich zieht. Zahlreiche unqualifizierte Kommentatoren tummeln sich im Netz: Die einen unterstellen dem Ghanaer Boateng Absicht, die anderen sind froh darüber, dass Michael Ballack, „der ewige Zweite“, in Südafrika nicht mit dabei ist und Deutschland keinen weiteren Vize-Weltmeisterschaftstitel beschert. „Körperverletzung mit Ansage“ oder ein Schritt „zu spät“ Mit den grenzwertigen Aussagen fängt es allerdings schon bei den viel und gerne zitierten Experten an. So sprach der Ex-Münchener Mehmet Scholl von „vorsätzlicher Körperverletzung“, Ballack selbst bemerkte, dass es schon „nach Absicht aussah.“ Sein Berater Michael Becker lehnt sich noch weiter aus dem Fenster und behauptet, dass es sich bei Boatengs Attacke „nicht nur um einen hinterhältigen Tritt, sondern um Körperverletzung mit Ansage“ handle. Übeltäter Boateng hingegen „tut es leid“: „Es war keine Absicht. Ich komme einfach zu spät und treffe ihn voll. Es sah dumm aus“, so der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler, der bei der WM für Deutschlands Gruppengegner Ghana auflaufen wird. Eine Debatte über Absicht, Vorsatz oder Versehen macht allerdings wenig Sinn, da es keine neuen Erkenntnisse geben wird. Fest steht, dass es schon wesentlich brutalere Fouls in der Fußballgeschichte gab. Dazu gehören allein in diesem Jahr das böse gebrochene Bein von Arsenals Aaron Ramsey oder der mutwillige Tritt von AS-Rom-Spieler Francesco Totti in die Kniekehle von Inter Mailands Mario Balotelli. Generation Doof Viel schlimmer als das Foul selbst aber sind die Reaktionen, die Deutschlands Netzgemeinde nach dem jähen Einsteigen Boatengs kund tut. So lockte zum Beispiel die Gruppe „82.000.000 gegen Boateng“ bei Facebook binnen kürzester Zeit knapp 90.000 Befürworter an. Auch andere Hass-Gruppen, wie „Boateng du Arschloch!!!!“, „Kevin-Prince Boateng, Staatsfeind Nr.1“ oder „Ich bremse für Tiere, aber nicht für Boateng“ boomen. Andere bringen die unmissverständliche Botschaft wenigstens mit einer ordentlichen Portion Humor rüber und fordern eine Nominierung von Haudegen Mike Franz, um gegen Boateng zu „spielen“ (der Frankfurter ist vor allem aus seiner Zeit beim KSC für seine harte Spielweise bekannt und als Gegenspieler gefürchtet). Der zweite Blick Doch Gott sein Dank gibt es in Deutschland noch einige Menschen, die ihren Grips sinnvoll nutzen und mit der Gruppe „Hätte Ballack gefoult, würden 82.000.000 nicht darüber reden“ ihren Widersachern die Vormachtstellung streitig machen wollen. Kein schlechter Grundgedanke, doch auch hier wird man schnell enttäuscht. In der Beschreibung der Gruppe steht folgender hochintellektuelle Satz wie in Stein gemeißelt: „Sowas nennt man auch Ausländer hass ...“ Nicht nur das kleingeschriebene Wort „hass“ sollte den Leser skeptisch machen. Denn es geht bei der Hetzjagd auf Boateng nicht um die Tatsache, wo der 23-Jährige herkommt, sondern einzig und allein darum, wen Boateng mit seinem Tritt in der 38. Minute traf: Unsern heißgeliebten „Capitano“ Michael Ballack – unseren unantastbaren möchte man fast schon sagen. Nur wieso? Auch Ballack selbst ist kein Unschuldslamm – so „ohrfeigte“ er einige Minuten zuvor im selben Finale Hass-Objekt Boateng während eines Handgemenges. Zwar kann ihm nicht nachgewiesen werden, ob er Boatengs Backe auch wirklich berührte. Was zählt, ist aber die aggressive Geste. Auch die Spielweise des Chelsea-Profis ist nicht weniger energisch. Ob durch eine Grätsche, einen kleinen Rempler im Rücken des Schiedsrichters oder einfach nur knallharte Worte für Mit- oder Gegenspieler: Er gibt immer mehr als 100 Prozent – genau wie Boateng. Doch das ist in diesen Tagen weder für die Presse, noch für Facebook-User ein Thema. Kritisch und objektiv? Nein – Hauptsache mit dabei! Ein tieferer Sinn steckt hinter den Gruppen ganz offensichtlich nicht. Kritische Diskussionen? Fehlanzeige! Sich objektiv mit dem Fall „Ballack-Boateng“ auseinandersetzten? Ebenso. Viel lieber sitzt der Facebook-User mit schwarz-rot-goldener Brille hinter seinem Bildschirm und zeigt diesem Boateng, was er doch für ein „Arschloch“ ist. In sicherem Abstand zu dessen nervösem Trittbein, versteht sich. „Abschieben“ sollte man ihn... Alles „gefällt“, was man gegen den Deutsch- Ghanaer finden kann – oder eben auch nicht. Dabei spielt nur der Gruppenname, der auf den ersten Blick ins Auge fällt, wenn man die Neuigkeiten seiner Kumpels bestaunt, eine Rolle – nicht etwa die weitaus wichtigere Beschreibung. So verliert man doch schnell den Glauben, dass im Rahmen eines Social-Networks sinnvolle Beiträge oder gar qualitativ hochwertige Debatten zu finden sind. Alles was zählt, ist der oberflächliche Schein, der Drang danach, eine Aussage unter die Massen zu bringen und die Hoffnung, dass die Statusmeldung mit einem fetten „Like“ versehen wird. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Tom,
Mai 20, 2010
Facebook ist Fastfood für das Netz
Ist es denn nicht generell so, dass der ganze Hype um die Facebook-Gruppen eben nur ein Hype ist? Ein Wettbewerb, wer den lustigsten Gruppennamen kreiert und alle Freunden eben nur das zeigen will. Diskussionen habe ich in diesen Gruppen in der Tat noch kaum erlebt. Das ist aber auch wohl nicht Sinn und Zweck von Facebook. Das ist doch in allererster Linie ein Spaßnetzwerk. Kein Wunder, dass es Bestrebungen gibt, ernsthafte Alternativen dazu zu entwickeln. Bei McDonalds allerdings erwartet man ja auch kein gesundes Essen ;-)
geschrieben von icecold,
Mai 20, 2010 ...
alles totaler scheiß ... von den medien hochgepuscht ...
und leute die keine ahnung haben, gehen dann drauf ein, ... springen auf den zug rauf ... soweit ich noch in erinnerung habe, hat ballack sich nicht bei demicheles entschuldigt gehabt ... seine verletzung, beim länderspiel (deutschland-argentinien) hätte lebensgefährlich werden können ... ich bin kein fan von boateng aber ballack ist ne heulsuse ... er kann gut austeilen aber nicht einstecken ... diese netzwerke wie facebook, usw ... haben 'ne große macht ... Kommentar schreiben:
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