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Mein Philibuster
Deck -> Neue Welten -> Keine Lust auf schnelle Nummern
Freitag, 03.06.2011
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Kommentare (6) Drucken
 
Facebook
 

Keine Lust auf schnelle Nummern

Facebook braucht als gigantischer Zulieferer der werbetreibenden Wirtschaft soviel Datenfutter wie möglich. Neben all den üblichen Informationen, die wir sowieso schon der blauen Krake überlassen, wird nun mal wieder ganz uncharmant nach sensiblen Daten gefragt: Neuerdings nach der Handy-Nummer.
Geschrieben von: Nadia Shehadeh   
Marc Zuckerberg will uns neuerdings für Facebook unsere Handy-Nummer abluchsen © Philibuster


Facebook will wissen, was ich tue, was mir gefällt, was ich denke, es will bei Fotos eine Art automatischer Gesichterkennung anwenden, um mich schneller zuordnen zu können. Es möchte aber vor allem meine Kontaktdaten und am besten alles über mein Privat- und Berufsleben erfahren, und das alles natürlich, um noch mehr Umsätze machen zu können. Mit mir soll geworben werden und ich soll auf Werbung anspringen, und zusätzlich soll mein Netzverhalten der Industrie Aufschluss darüber geben, wie ich als Konsument am besten zu manipulieren bin, und dabei wird fröhlich alles gespeichert, was ich jemals dort hinterlassen habe und hinterlassen werde. Und neuerdings sagt mir der blaue Krake eben auch mal zwischendurch ganz plump, was er noch so haben will: Aktuell also ganz dringend meine Handy-Nummer. Und das in der bekannten und stumpf-perfiden Facebook-Manier, denn es wird - genau wie beim neuen System „Facebook eMail“ - auf die mittlerweile bewährte Praxis „Machen wir jetzt einfach mal so“ gesetzt. Verstehe ich alles, denn die Bagage um Zuckerberg und Co. will ja in erster Linie Geld verdienen, und da will man natürlich an unser Bestes, unsere Daten. Da geht`s um die Wurst und nicht um ein Wohlfahrtsprojekt zur besseren Vernetzung der Menschheit – und auch das muss man nochmal in aller Deutlichkeit sagen, auch wenn sich mittlerweile Revolutionäre bei Facebook vernetzen und organisieren und die Welt verbessern wollen.

Gib mir deine Nummer, ich geb Dir keine!

Nun, wie bereits gesagt, Facebook ist nun also scharf auf meine Handy-Nummer, denn das wird mir seit einigen Tagen bei jedem Einloggen unter die Nase gerieben. Suggeriert wird mir dabei natürlich, dass das nur zu meinem Besten sei, weil: „Sollte es jemals Probleme mit deinem Konto geben, kannst du dein Handy verwenden, um dein Passwort zurückzusetzen und dich erneut anzumelden.“ Und um mir zu demonstrieren, dass dies nur gut für mich ist, wird rechts neben dem „Gib mir deine Nummer!“-Slogan eine Grafik eingeblendet, die mir Auskunft über den derzeitigen Sicherheitszustand meines Facebook-Kontos gibt: Ein an einem Eckchen rot eingefärbtes Balkendiagramm signalisiert mir, dass der Datenschutz-Status meines Kontos eigentlich in keinster Weise mit irgendwelchen Sicherheitsnormen d`accord geht. Und um das Ausmaß meiner kleinen privaten Datenschutz-Katastrophe zu untermauern steht rechts neben dem Alarmbalken extra: „Niedrig“. Und das muss man dem Facebook-Konzern lassen, das ist immerhin eine ehrliche Ansage, dass ich trotz eines höchst komplexen und mit Zahlen und Sonderzeichen angereicherten Passwortes und sonstigen anderen Maßnahmen quasi ungeschützt im blauen Netz surfe. Ist mir aber ziemlich schnurzpiepe, ich setze auf den Zauber des Ignorierens und überspringe die Forderungen des blauen Stalkers einfach: Klick, Klick, weg. Und ich weiß nicht, wie lange ich das noch so praktizieren kann, denn irgendwann wird es der schleimigen Blaukrake zu bunt werden mit meiner schnippischen Art und es wird mir die Pistole auf die Brust setzen: „Dein Konto muss bestätigt sein, bevor du diese Aktion tätigen kannst. Bitte lasse dein Konto bestätigen, indem du deine Handy oder Kreditkarte hinzufügst.“ Dieser Text steht da - samt Rechtschreibfehler - tatsächlich bei Facebook wenn ich auf bestimmtem Fanpages posten will!

Und wo finde ich die Telefonnummer der Facebook-Deutschlandzentrale?

Und man kann eigentlich nicht oft genug betonen, wie unfassbar diese Praxis eigentlich ist: Das größte Kommunikations-Unternehmen der Welt verarbeitet immerzu meine Daten und die anderer Menschen, und fordert dazu auf, offen zu sein und möglichst viel preiszugeben – und ist dabei selbst so verschwiegen wie nur möglich. Ich weiß nicht, wie die Facebook-Deutschlandzentrale aussieht und wo ihr Sitz ist, deswegen sieht sie der Einfachheit halber in meiner Fantasie aus wie eine dubiose Briefkastenfirma. Ich soll meine sensibelsten Kontaktdaten mit dem Konzern teilen und jetzt auch noch meine Handy-Nummer heraushauen – an eine Firma, die mir nicht einmal einen telefonischen Kunden-Support anbietet. Ich werde stattdessen mit Email-Adressen abgespeist, die mir eigentlich nur eines klar machen: Dass alles, was ich jemals dorthin schicken werde, eigentlich direkt im Nirvana landen wird.

Und genau da zeigt sich das Organ der Niedertracht dieses virtuellen Etwas, das Facebook ist, und es macht mir klar, dass es eigentlich falsch ist, es zu nutzen, weil dort mit Praktiken hantiert wird, die streng genommen gesellschaftlich inakzeptabel sind. Und dennoch trage ich jeden Tag zum großen Erfolg dieses Netzgiganten bei – wohl wissend, dass es eigentlich verfehlt ist, irgendeinen besonderen Nutzwert dieses Produkts zu sehen und zu schätzen. Und dennoch tue ich es, mit jedem Login, mit jeder Information, die ich mir abringen lasse, nur um weiter „drin“ zu sein. Wie ein schlechter Mensch, der Falsches tut. Und deswegen würde ich jetzt gerne Mal bei Facebook anrufen, um mich zu beschweren. Weil andere Firmen es auch hinkriegen, mich auszupressen und zu manipulieren – aber immerhin so, dass ich mir nicht so vorkomme, als verlange jemand ständig von mir meinen Bauch aufzuschneiden. Und weil es immerhin bei den meisten Dienstleistern auch eine Servicenummer gibt, die ich anrufen kann, wenn ich irgendetwas wissen will. Und zwar, noch bevor ich meine Telefonnummer herausgebe.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Merav, Juni 03, 2011

...
Also wer, trotz Aufklärung, Facebook seine Handynummer in den Rachen wirft ist schlicht selbst schuld. Andererseits: Facebook weiß bereits so viel über uns, da macht das wohl am Ende auch nicht mehr viel aus ...
geschrieben von Maike, Juni 03, 2011

...
Man sieht wieder einmal: nicht alles was blau ist, trägt auch zu guter Laune bei :)
geschrieben von Tom, Juni 04, 2011

...
Wieder einmal ein dreister Zug von Zuckerberg und seiner Datensammel-Bande. Wer jetzt noch nicht kapiert hat, worum es diesem Unternehmen geht, der darf weiterträumen von der großen Freiheit im Social Web!
geschrieben von Thomas Meyer, Juni 15, 2011

...
Ich selbst würde mich niemals bei FB anmelden; aber wenn bezüglich Nummerpflichtfeld gar nichts mehr hilft, dann hilft noch http://www.frank-geht-ran.de/ . Diese Telefonnummer bekommt jetzt grundsätzlich jeder von mir, ausnahmslos.

M.
geschrieben von Klaus, Juli 01, 2011

?
Seltsam(?), dass die Masse sich immer als doof erweist: Bildzeitung, Yellowpress, Facebook, alle haben jeweils Millionen "Nutzer".
geschrieben von gangrel, November 15, 2011

it's still free isn't it?
was soll dieses facebook datenschützer gefasel. wahrscheinlich noch verfasst von jemandem der selbst dort registriert ist. zuvor war es google, nun ist es zuckerberg und sein monster. man kann von soetwas ja gern halten was man möchte, aber es steht nach wie vor jedem frei um soetwas einen großen bogen zu machen, und seine dates noch auf die gute alte art und weise zu verabreden, und auch sonst alles andere was man dieser tage über facebook so regelt. da die mitgliedschaft und die aktivitäten auf der plattform für alle teilnehmenden kostenlos sind, sollte es von vorn herein jedem halbswegs funktionierendem kopf klar sein, dass das unternehmen irgendwoher ja doch auch seinen umsatz generieren muss. und ohne nun experte sein zu müssen, kann man sozusagen im ausschlussverfahren frei nach günther jauch schon von selbst darauf kommen womit bzw. wodurch facebook eben diesen umsatz generiert. die "bist ja nur neidisch" anschuldigung knattert immer ganz gut, und in diesem fall muss man wohl auch zumindest vermuten dass diejenigen die es am meisten diskutieren wie "kritisch" sie diese art der daten->profit maschine doch finden, nichtnur trotzdem auch mit mischen (denn man hat ja keine andere wahl da man ja schließlich ohne soetwas heutzutage quasi schon gleich garnichtmehr existiert), sondern das viele dieser kritiker selbst wohl kaum , sagen wir um 1999 herum, nein zu der idee gesagt hätten, wäre es doch nur die eigene seinerzeit gewesen. newsflash, es war aber nicht eure idee. :)
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