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Mein Philibuster
Deck +++ Neue Welten +++ Die Kinder fressen ihre Revolution
Montag, 10.05.2010
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Facebook-Protest
 

Die Kinder fressen ihre Revolution

Facebooks Like-Button stößt erstmals auf Widerstand. Die Community-Mitglieder von jetzt.de erteilen der Kolonialisierung des Internets eine klare Absage. Ein deutscher Trend?
Geschrieben von:   
Nicht jeder traut Facebooks Linkschleuder über den Weg © Facebook / Philibuster


Der Protest geht um in Deutschland. Erst liest Nordrhein-Westfalen Schwarz-Gelb die Leviten und jetzt droht auch noch Facebooks Monument als oberstes Social Network in Deutschland erste Kratzer zu bekommen. Das zumindest könnte man denken, wenn man das Geschehen der letzten Tage bei jetzt.de – der jungen Community der Süddeutschen Zeitung - verfolgt.

Begonnen hatte alles mit der Ankündigung der Chefredaktion, die Seite noch enger mit Diensten wie Twitter und Facebook zu verzahnen.  Kein ungewöhnlicher Schritt in Zeiten eines immer sozialeren Internets. Darunter fiel auch die Einführung  von Facebooks neuem Like-Button, der es Nutzern ermöglichen soll, Inhalte noch schneller mit Freunden zu teilen. Der aber auch die angestrebte Weltherrschaft des Social Networks schneller herbeiführen soll, wie Kritiker orakeln. Die jetzt.de-Gemeinde, allesamt Mitglieder der „Generation Facebook“ mit einem ansonsten stets offenen Ohr für Social-Media-Spielereien, reagierte heftig: mit einem klaren Veto.

Hilfe, das Netz ist offen

Eine Kommentarflut unter den - zum Teil von Usern geschriebenen Artikeln - drückte aus, was die eingeschworene Gemeinschaft bewegt.  Facebooks  Linkschleuder-System sei ausdrücklich nicht erwünscht, teilte die Community den Betreibern sehr deutlich mit. Als „Datenkrake“ und „Kontrollinstrument“ sehen die jungen Erwachsenen das Unternehmen von Marc Zuckerberg. Begriffe, die man in dieser Konstellation so erst kürzlich in der Diskussion um die „Machtmaschine Google“ (Frank Schirrmacher) präsentiert bekam. Nur dass die Initiatoren und Kommentatoren dieser Debatte einer anderen Generation entstammten. Einer, die nicht mit dem Internet aufgewachsen ist.  Doch jetzt scheinen die Kinder ihre Revolution zu fressen. Unweigerlich stellt sich da die Frage, ob diese neue Skepsis gegenüber Facebook vielleicht ein rein deutsches Problem ist?

Richtet man den Blick in die US-Heimat des blau-weißen Riesen, scheinen sich die Bedenken gegenüber Zuckerbergs Expansions-Strategie in Grenzen zu halten. Im Land der ewigen Freiheit wird geliked, was das Zeug hält. Keinerlei Anzeichen von Angst oder Zurückhaltung. Keine innere Stimme, die vorwurfsvoll fragt, ob dieser eine Klick vielleicht schon den nächsten Schritt zum gläsernen Menschen bedeuten könnte. 
Vielmehr begreifen die Amerikaner die neuen Möglichkeiten als Chance und spielen - wie der Google-Guru Jeff Jarvis - die Risiken der Netz-Weltmächte publikumswirksam herunter (ohne allerdings selbst zu wissen, ob sie mit solchen Aussagen vielleicht nicht meilenweit danebenliegen). Den Deutschen hingegen ist soviel Offenheit anscheinend erst einmal nicht ganz geheuer. Der Nation von Ingenieuren sind diese Maschinen unheimlich, die sie nicht selbst  gebaut haben und deren interne Prozesse sie nicht durschauen.

Deutschland teilt nicht gern

Und doch bleibt am Ende die Frage, ob man hierzulande nicht einfach paranoid reagiert und all diese Bedenken bereits in der nachfolgenden Generation überhaupt noch eine Rolle spielen. Ein Stück weit steht sich Deutschland mit dieser Haltung nämlich selbst im Weg. Von einer ausgeprägten Sharing-Kultur ist man in unserem Land noch Lichtjahre entfernt, wie der Blick in Social-Bookmarking-Statistiken zeigt. Anspruchsvolle Inhalte werden zwar konsumiert, geteilt aber allerhöchstens weniger verwerfliche Spaßvideos und belanglose Weisheiten. Wie aus den jetzt.de-Kommentaren zu erfahren ist, scheint die "Generation Facebook" ein grundsätzliches Problem mit freier Meinungsäußerung zu haben. Äußerst verklemmt moniert eine Userin, dass sie ihre gesellschaftlichen Ansichten gerne anonym dem jetzt.de-Publikum mitteilt, diese aber in keinem Fall unter ihrem Realnamen bei Facebook auftauchen sollen. Lieber überlegt man, in welcher Farbe man den meterhohen und maroden Gartenzaun um das eigene Grundstück streicht, anstatt ihn vielleicht einfach endlich einzureißen. Dieses gar kleinbürgerliche Mitteilungsbedürfnis erscheint absurd und wieder doch so typisch für eine Generation, die als Profession „Praktikant“ angibt. Das Kuschen ist längst zur Taktik dieser ängstlichen Spezies geworden, um unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen. Jederzeit scheint die über Jahre antrainierte Angepasstheit gefährtdet. Nur nicht Auffallen, so die Devise. Sei es durch Widerworte am Arbeitsplatz oder durch Gedanken zur Lage der Gesellschaft.

Datenschutz ist wichtig und die Angst vor Datenmissbrauch berechtigt, wie der aktuelle SchülerVZ-Fall gezeigt hat. Ein Aufstand, wie er aber bei jetzt.de gerade stattfindet, mutet kindisch und wenig vorausschauend an. Handelt es sich doch um dieselbe Generation, die beinahe süchtig jedem noch so dämlichen Gewinnspiel-Aufruf  folgt. Und auch im Drogeriemarkt hört man auf die Frage nach der Payback-Karte immer wieder dieselben Worte: „Klar habe ich die, danke, dass sie mich daran erinnern.“ 

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Sebastian, Mai 10, 2010

Wir Deutschen und der Datenschutz - wir können nicht ohne aber auch nicht mit.
Schöner Artikel. Wir Deutschen und der Datenschutz - wir können nicht ohne aber auch nicht mit. Auf der einen Seite schleudern die internetgeborenen Kiddies ihre tiefsten Intimitäten nur so um sich. Auf der anderen winken grauhaarige, parteigetriebene Datenschützer besorgt mit dem Zeigefinger, wenn ich mit der Kreditkarte online zahle. Vielleicht sollte Maßstab und Theorie langsam mit der gelebten Praxis abgeglichen und statt klassischen Mahnungen alternative Wege gedacht werden: z.B. Datenschutz durch Informations-Overkill statt Datengeheimnis. Wenn ich Tausende Seiten FB-like verschwindet alles private wieder im Datenmüll.
geschrieben von Simon Köhl, Mai 10, 2010

lernen von Markus Beckedahl's netzpolitik.org
Beckedahl schreibt zum Beispiel über seinen Blog:

"Auch interessieren uns Linktauschangebote überhaupt nicht. Wirklich! Dies alles betrachten wir als Werbemüll und digitale Umweltverschmutzung und bitten, davor verschont zu bleiben."

Das fasst alles in allem sehr gut zwei Probleme zusammen:

1. Die Anbieter von journalistischen Inhalten im Internet sollten sich auf die Qualität ihrer Artikel konzentrieren und nicht von der Anzahl der likes, retweets und shares getrieben werden - das überlastet schon allein optisch und lenkt den Leser ab.

2. Auf dem Boden bleiben! Viele Seiten, darunter netzpolitik als auch früher facebook, sind gerade interessant und erfolgreich durch ihre Spezialisierung und die Professionalität in ihrem eindeutlich begrenzten Handlungsbereich. Stand bei facebook noch vor einem Jahr tatsächlich das soziale miteinander im Vordergrund, wird jenes Prinzip momentan eindeutig zersetzt und zugemüllt durch dämliche Spiele, dämliche Umfragen, dämliche und kommerzielle Seiten sowie unnötige Erweiterungen des Funktionsumfangs.

Also Philibuster, konzentriert euch auf das Schreiben, der ganze andere Schmarn suggeriert nur nicht bestehende Relevanz und nervt! Liebe Grüße!
geschrieben von rose, Mai 10, 2010

...
super text! ich bekomm seit tagen nur schläge von den anderen jetztlern, weil ich das ganze auch ziemlich kindisch finde!
geschrieben von rose, Mai 10, 2010

...
geschrieben von Alex, Mai 10, 2010

Angstmacherei statt Aufklärung
Ganz meine Meinung. Und schön, dass Du auch den Payback-Vergleich bringst ;-)
Ich habe mich dazu bei der taz-Diskussion zum Scannen von Funknetzen durch Google hinreißen lassen:

Siehe hier: http://bit.ly/aFL5eN

Berufsbedingt verfolge ich seit einigen Jahren die Entwicklungen bei Google, Facebook & Co. - mein Kommentar passt heute unter jeden zweiten Artikel im Ressort „Netz“. Tatsache ist, dass seit Beginn der (für Privatpersonen) bezahlbaren Nutzung des Internets Daten erfasst werden – auf den Umfang gehe ich gleich ein.

Aufgebauscht wird dieses Thema zunehmend seit Jahresbeginn, weil Politiker, „Datenschützer“ und leider auch Journalisten sich zu Wort melden, die sich in ihren Aussagen vor allen Dingen durch Halbwissen oder Unwissenheit überbieten und nach Jahren bemerken, dass technische Neuerungen auch Herausforderungen mit sich bringen.

Fakt ist: In den Anfangszeiten des Internets wurden Benutzerdaten mit Registrierungen oder Tracking Cookies gesammelt, die portalübergreifend von Anbietern ausgelesen werden konnten. Heute findet dies nicht mehr versteckt statt, sondern offensiv: Zuckerberg (Facebook) versucht dies als Vorteil zu verkaufen, während sich Google bedeckt hält. Neben dem „Like“-Button für Webseiten, den Facebook einführt, gibt es bspw. Google-Anzeigen, die immer wieder auf Webseiten erscheinen (und von Google ausgeliefert werden) – darüber verfolgt Google die Benutzer nach. Und ist es nicht Google, sind es andere Banner, Sponsoren, etc. die das tun.

Wenn ich keine Spuren im Sand hinterlassen will, darf ich nicht über den Strand laufen.
Im Fall von offline Systemen wie „Payback“, „DeutschlandCard“, usw. regt sich auch niemand auf. Wer Gratisleistungen (Internet) oder Vergünstigungen (echtes Leben) möchte, bezahlt dafür. So oder so. Niemand hat etwas zu verschenken.

Zur „rechtswidrigen Erfassung“ von Straßen, Menschen und Funknetzen (WLAN) gilt ebenfalls: Was ich nicht preisgebe, kann nicht erfasst werden. Alle WLAN-Knoten (Router) können das Signal versteckt (kein „Broadcasting“) aussenden – ich kann mich einwählen, Dritte sehen mein Netz aber nicht. Die Namen von Netzwerken werden von den meisten Anbietern inzwischen kryptisch vorinstalliert. Wer daraus „Sabine“ macht, ist selbst schuld. Grund ist hier – im Gegensatz zu Spuren im Netz – Unwissenheit, hier hilft nur Aufklärung statt Angstmacherei.

Ein letztes Wort zu StreetView: Das Abfotogrofaieren von Häusern findet systematisch auch durch Immobilienmakler statt – und nicht zuletzt durch Touristen. Und wer nicht auf dem Urlaubsfoto erscheinen möchte, das auf dem Alexanderplatz aufgenommen wurde, meidet diesen.
Per definitionem gibt es überdies kein Recht am Bild, wenn darauf Gruppen von Menschen zu sehen sind – selbst ohne Retusche. Und letztlich: Ich werde innerhalb eines Tages öfter in U-Bahnhöfen, auf Straßen, in Bussen und Geschäften gefilmt, als Google das im Laufe meines Lebens tun könnte. Hier sollte der erste Aufschrei erfolgen – egal ob die Aufzeichnungen privatwirtschaftlich oder durch Stadt-Land-Staat erfolgen.
geschrieben von Patricia, Mai 11, 2010

Das Problem mit der Unwissenheit
Vor kurzem regten sich einige meiner Freunde fürchterlich auf, dass Facebook ihre E-Mailadresse rausgefunden hatte. Sie hatten vergessen, dass sie sie selbst eingetragen hatten. Zu einem großen Teil liegt es in der Hand des Nutzers, wie viel das Netz über ihn weiß.
geschrieben von Michael Stepper, Mai 11, 2010

...
@Alex: Da gebe ich Dir volkommen Recht. Meine Generation handelt hochgradig schizophren. Bei wirklich bedenklichen Überwachungsmaßnahmen (digitale Krankenakte, ELENA, Videoüberwachung von öffentlichen Räumen, Vorratsdatenspeicherung etc.) oder Offline-Datensammel-Aktionen wie Payback bleibt der Aufschrei aus. Bei Facebook hingegen protestiert man gegen die Erhebung von Informationen, die Google und Amazon schon lange viel ausführlicher betreibt. Wieviele der "Aufständler" geben denn bei Facebook eine Google-Mail-Adresse an? Werfen also selbst privateste Mails an Partner oder Familie direkt in den Rachen der größeren "Datenkrake".

Meiner Meinung nach hat die "Generation Facebook" vielmehr Angst davor, dass Meinungsäußerungen in Verbindung mit Realnamen gebracht werden. Nicht umsonst schützen sich die jetzt.de-Mitglieder ja auch durch anonyme Usernamen. Zukünftige Arbeitgeber könnten ja bei der Vor-Recherche auf unliebsame Äußerungen stoßen - was aber auch irgendwie verständlich und bezeichnend für die heutige Zeit ist. Trotzdem, wollen die Arbeitgeber am Ende einen Haufen profilloser Nachwuchskräfte beschäftigen? Das kann auch nicht im Interesse der Unternehmen sein.

@Sebastian: In der Tat eine interessante Idee. Ein Stück weit liegt dieses Dilemma aber auch in verzerrten Eindrücken begründet, die unsere Medienlandschaft vermittelt. Immer wieder wird für kurze Zeit einseitig Angst geschürt. Gestern waren Kreditkarten gefährlich, heute sind es Social Networks. Dabei sind gerade Netzwerke wie Facebook nur das Sahnehäubchen auf dem Eisberg des ohnehin gefährdeten Datenschutzes. Vielmehr müssten die Medien in regelmäßigen Abständen neutral Aufklärung betreiben, anstatt - auf kurze Sicht - Quote mit Aufreger-Themen zu machen.
geschrieben von Dominic, Mai 16, 2010

Facebook Exodus
Das Thema zieht langsam weite Kreise. Bin gespannt, ob sich am 31. Mai überhaupt jemand aus Facebook zurückzieht, wie Mashable berichtet: http://mashable.com/2010/05/14/quit-facebook/

Am Ende will aber sicher keiner auf Farmville und die tägliche Glücksnuss-Lotterie verzichten. Arm. Echt!
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