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Mein Philibuster
Deck +++ Neue Welten +++ Tote auf Deiner Pinnwand
Freitag, 08.04.2011
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Facebook
 

Tote auf Deiner Pinnwand

Immer öfter liest man Todesanzeigen auf Facebook. Geschmacklos oder wichtig? Eine Annäherung an ein Tabuthema, das im Spaßkosmos des Social Networks gerne gemieden wird.
Geschrieben von:   
Guten Tag, ist das Ihre Pinnwand? © Flickr Chris Fritz / Philibuster


Mit Facebook, unserem allseits beliebten und nicht immer unumstrittenen Social Network, verbinden wir allgemein jede Menge positive oder auch einfach nur triviale Sachen. Wir sagen unseren Freunden, dass wir an der Arbeit sind und posten die geografischen Koordinaten gleich mit. Wir ernten Kürbisse bei Farmville, tauschen Urlaubsfotos aus und chatten mit alten Bekannten. Wenn sich nicht ab und zu mal ein schlechtes Gefühl bezüglich der gefürchteten Facebook-Datenkrake ins Bild drängen würde, wäre alles Friede Freude Eierkuchen.

In letzter Zeit beobachte ich allerdings immer öfter, dass Facebook sich auch in andere Bereiche des Alltäglichen drängt, die mit digitalem Leben gar nichts zu tun haben, genau genommen noch nicht einmal mit Leben. Da tauchen plötzlich Sterbeanzeigen auf, gepostet von Freunden, die damit ihrer Trauer über den Tod eines Angehörigen oder Freundes Ausdruck verleihen und plötzlich ist die Heiterkeit dahin. Die Trivialität von Glücksnüssen und Musikvideos wird plötzlich von einem konkreten Verlust erschüttert, und man weiß gar nicht, wie man auf diesen Bruch reagieren soll, der nirgendwo mehr fehl am Platz erscheint als hier. Aber irgendwie scheint er doch auch hier hinzugehören, denn Facebook kann sich vor dem normalen Leben nicht verschließen.

Leben und Ableben


Ich stelle mir vor, dass es etwas Tröstendes hat der Welt mitzuteilen, dass ein geliebter Mensch gegangen ist. Auf diesem Weg erreicht man schnell viele Menschen, vor allem auch jene, mit denen außer der Facebook-Freundschaft kaum Kontakt besteht. Als Rezipient weiß ich allerdings wirklich nicht, was man auf Facebook eigentlich unter pietätsvollem Umgang versteht. Wohl kaum, den „Gefällt mir“-Button zu drücken. Einen Kommentar da lassen und den Tod damit womöglich bagatellisieren? Sonst kommentiert man nur Urlaubsfotos und zotige Bemerkungen. Hält man sich als ferner Bekannter nun zurück oder nötigt uns eine derartige Nachricht in jedem Fall zu einem Kommentar? Und wie drückt man sein Beileid aus ohne es profan aussehen zu lassen?

Vielleicht entwickelt sich unsere Generation an dieser Stelle mal wieder ein Stück weiter, indem man dem Tabuthema Tod eine Plattform gibt und in virtuelle Interaktion mit seinen Mitmenschen tritt. Das Posting auf Facebook legt nahe, dass eine Reaktion der Leserschaft explizit gewünscht ist.

Der Ernst des virtuellen Lebens

Kann ja auch sein, dass man auf diese etwas unpersönliche Weise eher bereit ist Anteil zu nehmen als wenn man auf konventionellem Wege davon erführe. Unsere Spaß- und Schießgesellschaft setzt sich ja nicht gern mit dem Ableben auseinander. Trotzdem hat es auch etwas von Zurschaustellung und Schaulust, auch wenn das weder beim Autor des Postings noch bei den Lesern so gemeint ist. Aber dafür ist Facebook vielleicht einfach zu indirekt und zu anonym. Man kann mal schnell einen Kommentar da lassen, ohne deshalb gleich auf die Beerdigung zu müssen. Oder nennt man das dann virtuelle Kondolenz?

Vielleicht kann Facebook auch viel mehr sein als nur eine öffentliche Belustigungsanlage, wie wir sie bisher kannten. In den vergangenen Monaten konnte man an unterschiedlichen Stellen sehen, dass Facebook genutzt wird, um zu politisieren, Meinungen zu verbreiten, zu informieren, wo es konventionelle Medien nicht mehr können oder wollen. Vielleicht sind wir auch einfach über den Punkt hinaus, an dem es nur noch um Spaß geht. Und wenn man Hochzeitankündigungen und Babyfotos auf diesem Wege erhält, warum dann nicht auch eine Nachricht über den Tod eines Menschen?

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von »Paula«, April 08, 2011

...
Auch wenn viele Facebook offenbar zur Bespaßung benutzen, denke ich nicht, dass dies a) Sinn & Zweck von FB ist und b) ein Großteil auch so handhabt - die Glücknuss-Öffner und Kürbis-Gießer fallen nur eher auf, weil FB ja gerne diese Details in den NewsFeed spammt. ;) Ein Großteil meiner Kontakte hingegen nutzt Facebook deutlich "ernster", sodass ich nicht denke, dass Todesanzeigen u.Ä. fehl am Platze sind.

Klar ist es oft schwierig, darauf zu reagieren (ob mensch nun aus 1. Hand oder "nur" via FB & Co.) davon erfahren hat, aber ich denke, keiner würde darunter geschmacklose Kommentare setzen, sondern Beileid ausdrücken oder Hilfe, Zeit zum Reden, eine Schulter zum Anlehnen etc. anbieten - oder halt schweigen, weil die virtuelle "Freundschaft" dann vielleicht doch nur über 7 Ecken zustande gekommen ist. Ich finde das nicht mehr oder minder verwerflich, als eine Kondolenzkarte zu versenden.

Ich gehe ja auch mal davon aus, dass die Autor_innen nicht zum Spaß so einen Eintrag auf FB setzen würden, sondern z. B., um viele vom Tod zu informieren (weil vllt. auch Vernetzungen über FB), um anzuzeigen, dass mensch demnächst vllt. weniger erreichbar und/oder nicht für Bespaßungen aufgelegt ist oder wirklich, um nicht allein zu sein. Gibt sicherlich viele Gründe, aber ich fände es nicht makaber, eine solche Anzeige zu lesen.

Hoffe natürlich, dass dies nicht passieren wird. *auf holz klopf*
geschrieben von Sam, Januar 27, 2012

Facebook ist moderne Mundpropaganda
Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen.. wie ist es denn in der Realität? Jemand stirbt und das ganze Dorf bzw. die ganzen Dörfer rundherum (ich bin auf dem Land groß geworden) zerreißen sich das Maul. Leute die nicht einmal in irgendeiner Beziehung zum Verstorbenen oder dessen Familie stehen, wissen über die Gründe seines Todes bescheid. Jedes kleine Detail!

Glaubt mir - da wo ich her komme ist Facebook ein "Furz" dagegen. Ob es gepostet wird oder nicht, die Natur des Menschen ist es, sich darüber auszutauschen. Ich persönlich finde es auch nicht schlimm eine solche Nachricht auf Facebook zu lesen, wie Paula aber, wünsche ich mir das natürlich nicht..
geschrieben von Su, März 01, 2012

...
Einer unserer Mitarbeiter ist verstorben und ich hatte das Gefühl, etwas Unangebrachtes zu tun, wenn ich ihm NICHT die letzte Ehre auch auf Facebook erweise (neben Zeitung, Website, Kondolenzkarte, Beerdigungsteilnahme etc.). Nachdem ich das hier lese, werde ich es aber wohl lassen - ich will weder Kommentare erzwingen noch digital tratschen, allein die Möglichkeit, dass es so verstanden werden könnte, hat mich nun umgestimmt.
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