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Facebook
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Gefangen in der Eitelkeitsfalle |
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Soziale Netzwerke wie Facebook mindern unsere Kritikfähigkeit und machen uns zu digitalen Heulsusen - wer kritisiert, wird ignoriert oder fliegt raus. Den Betreibern hingegen kommt dieses Verhalten mehr als gelegen: Harmony sells. |
| Geschrieben von: Michael Stepper |
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Streicheleinheiten für das digitale Ego © Ferdinand Haschner / Philibuster
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Heile Welten verkaufen sich immer. Ob idealisierte Vorabendserien im TV, romantiktriefende Groschenromane oder eben harmonische Social-Network-Gemeinschaften, wie sie bei Facebook millionenfach ins Leben gerufen werden.
Denn wenn Facebook eine Sache nicht kennt, dann ist es Unfrieden. Während bei anderen sozialen Netzwerken erst virtuell und später real die Fetzen fliegen, Menschen öffentlich an den Pranger gestellt oder Fotos und Statusmeldungen gnadenlos verrissen werden, herrscht beim Marktführer verdächtige Geschlossenheit. Falsche Zurückhaltung Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass jedes Facebook-Netzwerk auf mehr oder weniger engen "Freundschaften" basiert. Doch was sind das für Freunde, die jedes Statusupdate, jedes noch so dämliche Urlaubsfoto mit einem "Like" versehen, das dilletantische Handyvideo in den digitalen Himmel loben? Wo bleibt da die Kritik? Gehört zur Definition der Freundschaft nicht auch, dass man seine Freunde vor Schlimmerem bewahren will? Im echten Leben weist man gute Freunde normalerweise darauf hin, dass sie Schnittlauch oder ein Mohnkorn zwischen den Zähnen herumtragen. Bei Facebook verkneift man sich hingegen den Kommentar, dass der neue Bikini das Hüftgold besonders schön hervorhebt und lässt die Betreffende im Glauben, sie hätte das Zeug, das nächste "Sports Illustrated"-Cover zu zieren. Wirft man nicht immer wieder unserer Generation vor, sie sei angepasst, unpolitisch und unfähig mit Kritik umzugehen? Wie soll eine Generation Kritik an politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Zuständen äußern, wenn sich ihre Kinder gegenseitig mit Samthandschuhen anfassen und wohlig in der eigenen Eitelkeit suhlen? Der Dislike in weiter Ferne Und doch gibt es Millionen von Facebook-Nutzern, die sich für eine Möglichkeit aussprechen, der Harmonie-Sucht ein Ende zu setzen. Durch die Einführung eines "Dislike"-Buttons, der klarmachen soll, dass die neueste Statusmeldung oder das Bild in Volltrunkenheit vielleicht doch keine so gute Idee waren, wie vom Poster angenommen. Gerade in diesem Punkt sperren sich aber die Betreiber von Facebook und sehen in diesem Button die werbeträchtige Gute-Laune-Atmosphäre gefährdet. Das Beispiel Youtube macht schließlich vor, wie unattraktiv ein Werbeumfeld durch aggressive, unqualifizierte und nicht selten beleidigende Kommentare werden kann. Eine Studie, die ein Team um Sam Gosling, Professor für Psychologie an der Universität von Austin/Texas, kürzlich veröffentlicht hat, kommt zu dem Schluss, dass Facebook-Profile den wahren Charakter der Person hinter dem Profil zeigen. Anders als angenommen, nutze der Großteil der Facebook-Mitglieder das Profil eben nicht, um die eigene Person in ein besonders helles Licht zu rücken, sondern als bloßen Ersatz für alte Kommunikationskanäle wie das Telefon. Wie sonst könnte man die trivialen Gespräche erklären, die dort täglich stattfinden und die Protagonisten alles andere als interessant erscheinen lassen, so Gosling. Anpassung durch Selbstzensur Wenn man dem US-Professor glauben darf, würde das die Kritik unserer Vorgänger-Generationen widerlegen. Vor allem den Vorwurf, unsere Generation sei unglaublich angepasst und alle rebellischen Versuche, dieser digitalen Tristesse zu entkommen nur Vorwand, um von eben dieser Tatsache abzulenken. Doch Goslings Argumentation weist Lücken auf. Er übersieht, dass gerade junge Erwachsene vorsichtig geworden sind im sozialen Netz, dass sie aus ihren "Jugendsünden" in anderen Netzwerken gelernt haben und großen Wert auf Privatsphäre legen. Facebooks kürzlich erweiterte Privacy-Einstellungen haben einen Sturm der Entrüstung bei den Usern ausgelöst, der Facebooks Pläne, komplette Profilseiten auch Suchmaschinen zuzuführen, vorerst vereitelte. Wer im Berufsleben steht oder sich gerade um einen Job bewirbt, weiß, dass sich Personalabteilungen vorab ausführlich über die Bewerber informieren. Da kann ein neutrales Profil von Nutzen sein. Was also sollte ein "Dislike"-Button bringen, wenn er dann doch nicht zum Einsatz kommt? Wer seinen Unmut über ein besonders misslungenes Posting, Bild oder Video zum Ausdruck bringen möchte, der kann das bereits über Kommentare mitteilen. Mit der Gefahr, dass dieser vom Profileigner bei Nichtgefallen – also oft – einfach gelöscht werden kann, um den eigenen guten Ruf aufrecht zu erhalten. Wer regt sich da noch über Netzsperren auf, wenn die Selbstzensur längst zum Alltag gehört? Schöne neue Facebook-Welt ... Anbei ein längeres Video von Sam Gosling bei einem Panel des Commonwealth Club zum Thema: Was Dinge über Menschen verraten. Kommentare zu diesem Artikel:
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Facebook hat aber auch seine Vorzüge, ist ideal um z.B. Kontakte, die man in anderen Städten knüpft, zu halten. Ich für meinen Teil, kenne viele Leute mit denen ich Kontakt halten möchte, allerdings weder Lust noch Zeit habe mit jedem einzelnen zu telefonieren ... Ich bekomme gebündelte Informationen, wo meine Freunde, gerade sind, was sie machen usw. Ich kann mir von Freunden,die z.B. ein Auslandsjahr verbringen Fotos anfgucken und kommentieren, oder ihnen ganz altmodisch Nachrichten schreiben. Alles auf einer Plattform - tolle Sache.
Mir persönlich kommt Facebook hier etwas zu schlecht weg, da es nicht Facebook an sich, sonder der User ist der über sein Maß an Mündigkeit entscheidet. Natürlich hat auch Facebook seine Schattenseite - das stelle ich gar nicht in Frage!