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Deck +++ Neue Welten +++ Krieg den Bloggern!
Mittwoch, 01.12.2010
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Kommentare (3) Drucken
 
JMStV
 

Krieg den Bloggern!

Ein Geruch von Angst liegt in der Luft: Der geänderte Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, der ab dem 1. Januar 2011 gilt, bläst uns und anderen Blogger-KollegInnen eiskalt ins Gesicht. Einige haben schon aufgegeben. Wir sagen: viel Lärm um nichts!
Geschrieben von:   
Von Spatzen und Kanonen © x-ray delta one


Wir Blog-Migranten freuten uns grad noch, im großen Stil an der Wikileaks-Schadenfreude teilnehmen zu dürfen, als uns der große Schlag in die Fresse angekündigt wurde: die rigorose Umsetzung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) ab 1. Januar 2011.  Onlinemedien sollen ab dem kommenden Jahr ihre Inhalte altersmäßig klassifizieren, um so Kinder vor nicht geeigneten und "entwicklungsbeeinträchtigenden" Inhalten zu schützen. Selbstverständlich kommt das Gesetz mal wieder in einer absolut verquasten Ausgestaltung daher, die irgendwie keiner so richtig versteht. Es gäbe, so verkünden einige, nur zwei Möglichkeiten, um dem drohenden Bußgeld-Totalruin zu entgehen: Altersprüfung oder Sendezeiten (und das im Internet!) einführen oder direkt den Stecker ziehen.

Als Reaktion auf diese Apokalypse der Chaosmeldungen meldeten dann auch einige Blog-Macher, zum Jahresende die Tastatur an den Nagel zu hängen und die Webpforten zu schließen. Und es sind zum Teil durchaus große Nummern, die da den Schwanz einziehen: Die von uns geschätzte Thüringer Blogzentrale zum Beispiel, oder das - spätestens seit Facebook einigermaßen nutzlose - VZlog. Auch unsere verdorbenen KollegInnen von Amy & Pink, die wir erst vor kurzem noch geärgert haben, vermelden große Ratlosigkeit: Wie umgehen mit einer Zeit, in der man bald anscheinend nicht mehr im Internet schreiben und zeigen darf, was man will? In einem Netzraum, in dem die kleine Redefreiheit einfach mal abgedreht wird, die große Redefreiheit der Verlage repräsentiert durch BILD Online und SPIEGEL Online jedoch weiterhin Tittenbilder unter's Volk werfen darf? In einem Bereich, in dem Ironie und Sarkasmus - sobald er sich anzüglicher Metaphern bedient - scheinbar zukünftig bestraft werden sollen, da sie von Kindern missverstanden werden könnten? Das sind Momente, in denen man anfangen möchte, Verbote zu zensieren.

Mit dem JMStV traf uns die hohlste Ansage der Woche, die der Forderung nach einem Tempolimit von 50 km/h für alle gleichkommt - BMW- und Mercedesfahrer dürften aber weiter dem Geschwindigkeitsrausch frönen. Praktikabel scheint das JMStV auf keinen Fall zu sein: Wenn überhaupt sinnvolle Umsetzungen des Ganzen möglich sind, dann für Medien, die klassisch einem operativen Tagesgeschäf nachgehen und auch so aussehen. Ottonormalverbraucher, die das Netz so nutzen, wie es nun mal funktioniert (seien es nun Blogger, Twitterer oder Foren-Nutzer) können eigentlich nicht gemeint sein – selbst wenn sie debilerweise gemeint sein könnten.

Aber sei es drum, selbst wenn die schlimmsten Befürchtungen eintreten sollten: Wir erklären dem Gesetz gern den Krieg. Und wir würden uns freuen, wenn möglichst viele KollegInnen mit in die Schlacht ziehen. Und währenddessen ruft uns wahrscheinlich unser allseits geliebter Twitter-Führer ins Ohr: „Fröhär war das Internät ein rächtsfreier Raum. Heutä wollän sie unser Gedankängut zerstörän und verbietän. Wir müssän uns dem widärsätzen und einmarschierän! Das wärden sie uns büßän!“ Deswegen ist es uns auch egal, dass unser Text von heute wahrscheinlich mal wieder nicht den Anforderungen des JMStV standhalten würde, da unter anderem zum Krieg aufgerufen und zum Teil nicht-jugendfreies Vokabular à la „Titten“ und „Schwanz“ verwendet wird. Dazu sagen wir nur: „Uh, yeah, really? Fuck you, JMStV!“

Themen: Blogger Bloggerinnen Facebook Internet JMStV Krieg Netz Netzpolitik Verlage
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von DerLette, Dezember 01, 2010

Unfassbar
Ist das alles, was Deutschlands Blogosphäre so drauf hat? Blogs dichtmachen, nur weil ein halbgares Gesetz kommen soll, von dem noch nicht mal bekannt ist, wie und ob sich die Vorgaben auch in die Praxis umsetzen lassen? Es ist doch kein Wunder, wenn Deutschland im Ausland gerne als Entwicklungsland in Sachen Internet verhöhnt wird.

Liebe Ministerpräsidenten, Ihr habt das Internet nicht verstanden, wenn Ihr so einen Blödsinn in die Welt setzt. Liebe Landesparlamente, Ihr noch viel weniger, wenn Ihr diesen Mist absegnet (grade die Grünen, dass ich nicht lache!). Liebe Blogger, Ihr seid es gar nicht wert gelesen zu werden, wenn Ihr Euch beim leisesten Verdacht auf eine existensbedrohende Gefahr in die Hosen macht ("scheißt" wäre ja sicher schon FSK 12, mindestens!).

Man kann sich ja nur schämen, wenn man bedenkt, dass in unserer Geschichte die Geschwister Scholl Ihr Leben gaben, weil sie auf Mißstände hingewiesen haben, schlicht weil sie das NS-Unrecht nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Heute haben junge Menschen alle nur erdenkbaren Mittel in der Hand, um sich nichts, aber auch gar nichts von der herrschenden Kaste vorschreiben zu lassen, was nach gesundem Menschenverstand keinen SInn macht. Aber was passiert? Man kneift, man steckt die Köpfe in den Sand. Das wäre, als hätten Hans und Sophie ihre Flugblätter gleich wieder eingesammelt und als jugendlichen Ungehorsam abgetan. Das hätte Ihnen vielleicht das Leben gerettet, aber unserer demokratischen Geschichte die Vorbilder genommen. Soll der geänderte JMStV doch kommen. Wenn die deutsche Blogosphäre zusammenhält und Stärke beweist, wird ihr das nichts anhaben können. Aber so lange jeder nur voller "German Angst" zittert, wird das wohl nichts und ich muss der Autorin Recht geben: Viel Lärm um nichts (von beiden Seiten)!
geschrieben von elv, Dezember 06, 2010

Attacke
Ich hab schon Pfeil und Bogen rausgelegt.
geschrieben von Nadia Shehadeh, Dezember 06, 2010

...
Nice! Ich ruf Dich an wenn`s losgeht!
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