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Junge Blogleser
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Schwarzmarkt der Eitelkeit |
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| Der Datenmüll, der gegenwärtig im Netz zu finden ist, geht auf keine grüne Deponie mehr. Auch Philibuster leistet in diesem Bereich seit knapp einem Jahr heroisch und effektiv seinen Beitrag. Stellt sich nur die Frage: Warum? Und für wen? |
| Geschrieben von: Nadia Shehadeh |
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Blogger sind keine Cerealien-Sorte! © Flickr Kuribo
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Feynsinn.org lieferte kürzlich den Denkanstoß: "Gibt es Blogleser unter 30, und wenn ja, warum lesen sie Blogs?", fragten die Kollegen, und wir nahmen uns direkt vor, diese Feldfrage zu beackern. Auch interessierte uns, warum es denn überhaupt Blogger gibt, die für ebensolche Leser schreiben. Leicht verunsichert begaben wir uns auf die Suche und stießen (selbstredend im Netz) auf eine sehr wertschätzende Definition unserer Zunft, die wir ertragen konnten: Blogger seien, so fand der Medienwissenschaftler Ansgar Zerfaß heraus, „investigative Multiplikatoren“, also Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen weitergeben und gut vernetzt sind. „Juhu, so sei es!“, entfuhr es uns da, und elegant übersprangen wir die Passagen, in denen von Blogger-Narzissmus, Selbstdarstellung und Aufklärungswahn die Rede war. Wir doch nicht! Um ganz sicher zu gehen warfen wir auch noch einen Blick auf ein Interview (selbstredend im Netz) mit dem anbetungswürdigen französischen Theoretiker Gilles Deleuze, das er vor knapp zwei Jahrzehnten gab. Da ging es unter anderem um Publikationsformen und die böse Möglichkeit, unter all den Talenten heutzutage vielleicht nie die neuen Genie-Literaten zu finden. Denn, so Deleuze: Kopfjägern im Verlagswesen gehe es beizeiten weniger um das Aufspüren von Talenten als eher um das Auffinden von Werbeflächen. Ein Volk kann unmöglich so leben „Ist aber piepegal!“, entgegnete Onkel Gilles dann frei übersetzt, weil, wäre Kafka nie veröffentlicht worden, würde das ja auch keinen groß jucken. Was man nie hatte, vermisst man nicht. Vielmehr Sorge machte ihm der Sachverhalt, dass sich anscheinend langsam die Vorstellung durchgesetzt habe, dass jeder schreiben kann, da das Schreiben Jedermanns kleine Privatsache sei. Jeder würde rumlaufen und sich bald denken: „Ich hatte mal eine kranke Großmutter, ein schwieriges Techtelmechtel, eine laufende Nase und sonst was – das gibt doch einen Roman!“ Dabei, so Deleuze, ergäbe das doch am Ende eben gar nichts! Kurz wurde uns bleich um die Nase, da wir uns irgendwie ertappt fühlten, doch dann kam die Rettung: Aus dieser Dürrezeit, verursacht durch pappenheimige Verleger, würde irgendwann der Ausweg gelingen. Deleuze prophezeite nämlich: „Es werden parallele Zirkulationsformen entstehen, ein ganzer Schwarzmarkt. Ein Volk kann so unmöglich leben. Das renkt sich alles wieder ein, auf arme Zeiten folgen reiche.“ Schwein gehabt, entfuhr es uns, und als parallele Zirkulationsformen identifizierten wir selbstredend das Netz mit seinen Milliarden von Blogs. Auch wir würden dafür Sorge tragen, dass das Volk „so“ nicht mehr leben muss! Chapeau! Jetzt musste nur noch herausgefunden werden, wer denn da draußen von uns gerettet werden wollte! Das Ei des Bloggers Wir rieben uns die Hände und recherchierten weiter, und nach einigen archäologischen Grabungen im Datenmüll des World Wibe Web stießen wir auf erste Tendenzen der Erkenntnisgewinnung: Der typische Blogleser sei oftmals jüngeren Semesters und in der Regel gut ausgebildet, gerne auch selbständig tätig. „Donnerzack!“, dachten wir uns, „das ist doch mal schön jetzt endlich nach fast einem Jahr zu wissen, wen wir denn überhaupt mit unseren fragwürdigen Inhalten anlocken können! Dann können wir uns darauf einstellen und dann liest vielleicht auch mal irgendjemand unsere Print-Eskapaden!“ Noch mehr freute uns das Forschungsresultat, dass Blogs vor allem deswegen genutzt werden, da man glaube, in ihnen Hintergrundinformationen zu finden, die man bei klassischen Medien nicht vermutet. Hintergrundinformationen gab es nämlich bei uns bisher recht selten! Doch sei es drum, darum kümmern wir uns demnächst auch! Ein bisschen mulmig wurde uns, als wir erfuhren dass zwei Drittel der jungen Blogleser in Blogs neue Themen entdecken und – um Gottes Willen – sich hieraus eine Meinung bilden. Deswegen sagen wir an dieser Stelle auch: „Liebe Kinder, zuhause bitte nicht dasselbe denken wie wir, es könnte schaurig enden!“ Aber - und auch das lernen wir - absolute Rohrkrepierer seien allerdings Firmenblogs (ätsch!). Die würden alle schnurzlangweilig finden und darum auch gar nicht erst lesen, weswegen sich Unternehmen eher um Kontakte zu Meinungsmachern bemühen sollten (an dieser Stelle sei der subtile Hinweis erlaubt, dass unsere Kontaktdaten selbstredend im Impressum zu finden sind). So dann, liebe Leserinnen, Leser und potenzielle Stammleser, wir hoffen unser kleiner epistemologischer Exkurs in die Welt der Blogger und ihrer virtuellen Kundschaft hat Euch erfreut. Wir haben auf jeden Fall dazu gelernt und schenken uns selbst zum Philibuster-Geburtstag in dieser Woche den ehrgeizigen Befehl, noch besser zu werden. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Tom,
September 27, 2010
Re: Bloggen ist Politik
@Margareth: Ich habe selbst über zwei Jahre selbst gebloggt und weiß, wie schwierig es ist gleichaltriges Publikum zu erreichen. By the way, ich bin 24 Jahre alt. Manchmal hat man einfach das Gefühl, dass unsere Generation, denen man gerne das Label "Krisenkinder" anheftet, einfach übersättigt ist. Diese Generation leidet nicht unter der Krise, wie immer angenommen, sondern ist selbst Ursache. Warum soll man sich mit Dingen beschäftigen, die einen ja doch nur peripher tangieren? Was interessiert mich das Elend auf der Welt, wenn es mir doch gut geht und sich dieses Elend per Fernbedienung in seichte Unterhaltung verwandeln lässst? Warum sich überhaupt Gedanken zum Geschehen im eigenen Land machen, wenn wir doch "unsere Leute" haben - da in Berlin. Gerade diese Tendenzen machen mir mehr Angst, als die angeblichen Drohungen irgendwelcher Schurkenstaaten, atomar aufrüsten zu wollen.
Oft hatte ich meine Geschichten Freunden per Facebook oder E-Mail weitergeleitet und das wenige Feedback auf meine Arbeit waren dann Sätze wie: "Ey, Du Nerd, lass doch mal den Weltfrieden stecken, komm lieber feiern!" Dann feiert doch, bis es irgendwann nichts mehr zu feiern gibt. Ich habe das Bloggen inzwischen aus Frust an den Nagel gehängt, wünsche Euch aber trotzdem alles Gute!
geschrieben von Bless Pascal,
September 27, 2010
Denken strengt an
Ja mei, was erwartet ihr? Lesen, verstehen und kommentieren bedeutet: ARBEIT: Felder bestellen, Fische füttern und Mafioso spielen zwar auch, aber denken muss man dabei in den wenigsten Fälen. Wozu auch? Denken strengt nur an. Und Anstrengung braucht nach einem arbeitsreichen Facebook-Tag niemand mehr. Vielleicht hatten Eure Hippies ja doch recht, irgendwann lebt die Menschheit komplett in Zuckerbergs Paralleluniversum. Dumm vielleicht, aber unendlich glücklich ,,,
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Ja, liebe Politik-Verdrossene: Bloggen ist Politik! Aufbau Gegenöffentlichkeit !
Hier und in den Millionen Köpfen der "Menschgebliebenen" steckt eine enorme Macht, der ihr euch mal bewusst werden solltet. Ganze Quantensprünge der Erkenntnis sind möglich, des Umdenkens, des Umgestaltens! Und ihr alle habt es in euren Händen!
Seid ihr euch dessen bewusst?
IHR seid Politik!!!