Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck +++ Neue Welten +++ Rückkehr zur alten Ordnung?
Donnerstag, 10.05.2012
(79 Bewertungen)
Kommentare (5) Drucken
 
Neue Deutsche Medien
 

Rückkehr zur alten Ordnung?

Blogs sind in Deutschland auf dem absteigenden Ast, wenn man Netz-Propheten wie Sascha Lobo glaubt. Und wer die zunehmende Präsenz der großen Medienhäuser im Social Web beobachtet, kommt nicht drum herum, sich zu fragen, ob die Zeit der neuen, alternativen Medien vielleicht schon wieder vorbei ist.
Geschrieben von:   
Deutschlands neue, alte Medienlandschaft © Gerardo Obieta - @G_Obieta / Philibuster


Noch vor ein bis zwei Jahren konnte man kaum einem Panel zum Thema „Neue Deutsche Medienlandschaft“ beiwohnen, das nicht in kürzester Zeit in einen unerträglichen Schlagabtausch „Blogger vs. Journalisten“ ausartete. Unabhängigkeit war das Credo der aufbegehrenden Blogger-Neobohème, Qualität das Totschlagargument der ehrwürdigen Journalisten-Zunft. 

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Während Blogger landauf, landab ihren einstigen Tatendrang langsam verlieren (weil a) nach wie vor kein funktionierendes Geschäftsmodell für ihr zeitintensives Hobby erkennbar wird und b) sie ihre Zeit, Gedanken und Inhalte laut Sascha Lobo lieber an die Social-Web-Mafia verschenken), schwänzelt die Mainstream-Journaille immer erfolgreicher um die Netzgemeinde herum. Besetzt nach und nach Themenbereiche, für die sich noch vor kurzem nur Blogs zu interessieren schienen.

Die neuen, alten Herrscher über die Inhalte

Sehr schön ist diese Entwicklung am Beispiel des einstigen Blogaggregators Rivva zu verfolgen. Gestartet, um die Debatten innerhalb der deutschen Blogosphäre abzubilden, ist Rivva nach seiner Wiedergeburt jetzt ein News-Aggregator für das Social Web. Zwar schließt das AUCH Blogs mit ein, doch in letzter Zeit dominieren immer mehr die Online-Ableger des klassischen Mainstream-Journalismus. Ob „SPIEGEL Online“, „WELT Online“, „Sueddeutsche.de“, „ZEIT Online“, „FOCUS Online“, gebührenfinanzierte Blogs wie das „Hyperland“ des ZDF oder die von Bloggern verschmähte Online-Ausgabe der „BILD“: immer häufiger sind diese Namen bei Rivva zu lesen und verdrängen mit ihrem wachsenden (und oft eingekauften) Social-Know-How die verbliebenen Blogger. Weil Rivva die Relevanz von Artikeln heute hauptsächlich an social shares festmacht, wird es für klassische Nachrichtenanbieter zunehmend einfacher, allein durch die größere Reichweite und die daraus zahlenmäßig größeren Gefolgschaften bei Twitter, Facebook und GooglePlus, bei Rivva aufzutauchen. Ob das nun relevante Inhalte sind, oder wie das kürzlich von FOCUS lancierte und lauwarm inszenierte Medienskandälchen zur zensierten E-Paper-Variante des eigenen Heftes durch Apple: Weil man wieder einmal auf einen nackten, barbusigen Frauenkörper setzte, um das Titelthema „Schöne Haut“ auf dem Cover zu illustrieren.

Frank Westphal, Entwickler und Betreiber von Rivva erklärt Philibuster gegenüber dieses Phänomen wie folgt: „Mir liegt schon sehr am Herzen, mit Rivva auch eine Brücke zwischen den partizipativen und noch nicht so partizipativen Medien zu schlagen. Eine Trennung finde ich nicht mehr zeitgemäß. Wenn Verlagsangebote bei Rivva landen, dann eigentlich nur, weil sie einen Kristallisationspunkt bilden für besonders häufige Nennungen in Blogs oder auf Twitter. Dieses Stimmenmeer aber ist meist viel wichtiger als die Schlagzeile selbst (vgl. wirres.net) und ein Alleinstellungsmerkmal des Dienstes ist es ja immer noch, möglichst viele verschiedene Perspektiven zu einer Geschichte einzusammeln, um sie dann wieder auf einer Seite gebündelt auszuspielen. Blogs müssten sich eigentlich nur häufiger gegenseitig verlinken. Es ist wirklich sooo einfach.

Trage ich mit Rivva auch Mitverantwortung dafür, welche Außenwahrnehmung Blogs in Deutschland genießen? Zum Teil bestimmt, je nachdem, wen man wohl fragt. Dazu: Ich arbeite an einem für meine Verhältnisse riesig großen Update, dass Rivva komplett auf den Kopf stellen wird, die erwähnte Balance herstellen und die Schätze heben soll, die in Blogs noch schlummern. Tut mir leid, dass es nicht schneller geht/ging, doch so langsam habe ich alle Bausteine dafür zusammen.“

Imagepolitur für Mainstream-Medien

Ein Stück weit bestätigt Westphal damit Lobos Bild vom aktuellen Zustand der deutschen Blogosphäre, die durch ihr nach wie vor nicht existierendes Miteinander echte Chancen verschenkt. Doch nicht nur diese Tatsache und die schiere Reichweite ermöglicht es „den Großen“, sich immer größere Stücke vom Kuchen des Social-Web zu sichern. Vielmehr verleiben sich die Medienhäuser immer öfter auch gleich das entsprechende Personal mit ein. Sascha Lobo, der ja auf der kürzlich zu Ende gegangenen re:publica seinen Bloggerkollegen heftig ins Gewissen redete und ihnen eröffnete, dass ihr Internet ja zunehmend nur noch geborgt sei, dient selbst als gutes Beispiel für diesen Fall. Lobo ist – das darf man ruhig neidlos anerkennen – ein gnadenlos guter Selbstvermarkter, der den Sprung vom Blogger zum allseits gefragten Social-Media-Experten geschafft hat. Er selbst steht aber seit einiger Zeit in Lohn und Brot von SPIEGEL Online und verhilft durch seine wöchentliche Kolumne „Die Mensch-Maschine“ dem gefühlt stetig an Relevanz einbüßenden SPON zu einer Image-Politur im Social Web.

Und Lobo ist dabei nur das populärste Beispiel einer immer größer werdenden Zahl von Autoren, die ihre Web-Reputation gegen Geld und eine noch größere Reichweite eintauschen. Ich will an dieser Stelle keinem dieser Autoren unterstellen, das eigene Herzblut erkalten zu lassen oder den ursprünglichen Idealismus an den Nagel zu hängen, denn das wäre schlicht vermessen. Und trotzdem irritiert mich, dass Autoren im Dienste großer Medienhäuser locker flockig über Themen wie das geplante Leistungsschutzrecht für Verlage palavern, während ihre neuen Auftraggeber für genau diese Ideen stehen und sie rücksichtslos und bis an die Zähne bewaffnet durchsetzen wollen.

Frank Westphal sieht im Leistungsschutzrecht übrigens noch keine ernsthafte Bedrohung für Rivva, für ihn erscheint das Vorhaben noch immer „recht nebulös“. Und was die steten Unkenrufe zum „Sterben der deutschen Blogosphäre“ angeht, verlässt sich der Programmierer lieber auf Fakten: „Laut meiner Datenbasis entstehen mindestens genauso viele neue Blogs wie alte wegsterben. Tatsächlich abgenommen hat die Linkliebe untereinander und die Publikationszahl pro Tag. Den Blogs geht es gut. Wirklich."

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von hase, Mai 10, 2012

...
das glaub ich nicht. ich beziehe meinen nachrichten ausschließlich aus privaten blogs. den mainstream lehne ich vollkommen ab. dazu zählt auch sascha lobo. und: ich bin damit nicht alleine.
geschrieben von Daniel Florian, Mai 10, 2012

Weiterbloggen!
Ich habe Lobos Artikel anders gelesen und zudem zum Anlass genommen, endlich einmal eine Blogroll auf meiner eigenen Seite einzurichten (fast nur mir "richtigen" Blogs, also keinen kommerziellen Angeboten). Und dass alternative Medien wie Blogs kein Potential haben scheint mir auch vor dem Hintergrund der gerade wieder aktuellen Debatte um "Wir in NRW" wenig plausibel.

Auf diesen Artikel bin ich übrigens via Rivva gestoßen - auch das funktioniert also! Blogs sind meiner Ansicht nach (da Sie wie z. B. http://www.thinktankdirectory.org/) oft Nischenthemen abdecken per definition nicht so "groß" wie klassische Medien - bieten aber für die Leser hoffentlich mindestens ebenso viel Mehrwert.

Also: weiterbloggen!
geschrieben von Tobias, Mai 10, 2012

...
War jemals die "alte Ordnung" in Gefahr? Ich denke nicht.
Diesen ganzen Blogs vs. Journalismus-Quatsch haben wir nun endlich hinter uns. Ich finde das gut. Es können gut beide Dinge nebeneinander existieren. Und wenn einige Blogger jetzt für die Zeitungen bloggen? Warum denn nicht, wenn sie weiterhin gut schreiben, ist doch nichts gegen zu sagen. Wenn dadurch Zeitungen interessanter werden, umso besser.
Für alles andere, für die ganz vielen kleinen Themen, für das Erzählen aus erster Hand gibt es weiterhin Blogs. Und natürlich für die ganz vielen Meinungen da draußen.
Ein Problem sehe ich allerdings auch: die Verlinkung der Blogs untereinander ist zu schwach. Könnte man ja mal drüber diskutieren, woran das liegt. :)
geschrieben von Sven, Mai 11, 2012

...
Deutschland war nie ein Blog-Land. Blogs sind hier in der breiten Masse leider nie wirklich über den Online-Tagebuch-Status hinausgekommen. Schade, denn gerade im englischsprachigen Raum gibt es genügend Beispiele die zeigen, dass es auch anders geht.
geschrieben von Musenrössle, Mai 11, 2012

...
Früher haben es halt manche mit bloggen versucht, weil es nichts anderes gab um ganz einfach was im Web schreiben zu können.

Heutzutage gibt es ja für Facebook & Co. für alle, die eigentlich nichts zu sagen haben. ;-)

Wer nur Videos verlinken und "Bin gerade auf dem Klo" posten will für den reicht das, der braucht heute kein mehr Blog dafür. ;-)
Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden

Meistgelesene Artikel

Ähnliche Artikel


Neueste Beiträge

Meistgelesen