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Deck +++ Neue Welten +++ Warten auf den Elite-Prinzen
Mittwoch, 09.03.2011
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Kommentare (2) Drucken
 
Online Dating
 

Warten auf den Elite-Prinzen

Der Frühling steht vor der Tür und die Jecken liegen in den letzten Zügen. Doch das wahre Kostümfest findet im Internet statt, wo Firmen wie ElitePartner und Parship das Fleisch der Einsamen feilbieten. Der moderne Traumprinz reitet nicht, er richtet ein Profil für sich und sein Pferd ein.
Geschrieben von:   
Wenn der Frosch nicht zum Prinzen wird, sondern zum alten, geilen Sack © flickr SketchThisOut


Am Wochenende, wenn ich gemütlich am Frühstückstisch sitze und in der Lokalzeitung schmökere, nehme ich mir gerne auch ein wenig Zeit und durchstöbere die Kontaktanzeigen. Oh, nicht dass ich auf der Suche wäre, aber das Unterhaltungspotential dieser Seite ist einfach zu hoch, als dass man sie ungelesen liegen lassen dürfte. Und vor allem die Er sucht Ihn Anzeigen haben es mir angetan. „Er, 37 sucht ihn, gerne auch behaart und mollig.“ Ein Schauer läuft mir über den Rücken. „Er, 41 sucht reiferen älteren Mann zwischen 60 und 70, bitte kein Opatyp“, aber auch „Wir 11 und 13 suchen für unsere Mama endlich wieder jemanden, der sie so richtig glücklich macht“ bereitet mir große Freude. Wer schreibt da hinein, frage ich mich nicht zum ersten Mal. Selten sind sie unter 30, meist wesentlich darüber, ich lese Witwe, ich lese Neuanfang und Kinder kein Problem. Partnersuche über die Zeitung hat eher den Ruf etwas für „Reste“ und „Ü-30iger“ zu sein, als für die Durchschnittsjugend, die einfach nur zu faul ist, ihren Allerwertesten in die Disko zu bewegen und es gefälligst mit einem dummen Anmachspruch zu versuchen. Aber auch dieses Klientel ist bestens versorgt, seitdem Partnervermittlungen wie Parship und ElitePartner den großen online Markt erschlossen haben, auf dem man von frischem bis welkem Fleisch, von edelstem Kobekalb mit Adelstitel bis zum Standardbockwürstchen alles erwerben kann.

Karneval und online Kostümierung, ein Selbstversuch

Wir leben in einer seltsamen Zeit, in der die Menschen das Gefühl haben, neben der Arbeit nicht genügend Zeit zu haben, um sich im realen Leben nach einer besseren Hälfte umzusehen. Aber es ist ja in der Tat auch sehr viel einfacher, wenn man  sich gar nicht erst die Mühe machen muss, Interessen, Musikgeschmack und Beruf mühsam zu erfragen, sondern alles auf dem Präsentierteller dargeboten bekommt. Mich selbst faszinierte der Gedanke und so gönnte ich mir den Spaß und legte meinen eigenen Account bei ElitePartner an: Ich bin Senior Partnerin im Anwaltsbüro, 25 Jahre alt, Adelstitel, ich bezeichne mich als durchaus gutaussehend. Und ja, ich lege auch Wert auf Äußerlichkeiten, Erotik find ich auch nicht unwichtig. Tja, aber besondere Merkmale? Nun ich bin des Bayrischen mächtig und ich kann fließend sächseln. Zwei Tage hielt ich es aus, dann kündigte ich mein Profil wieder auf. Das war dann doch genug Spaß fürs Erste gewesen. Gut 30 Emails mit hoher Profilübereinstimmung, Münchner Unternehmer, sächsischer Polizeibeamter, kleiner glatzköpfiger Anwalt, ich hatte genug gesehen.

„Lästere du nur!“ mögen mir die Tausenden zurufen, die ihr Glück im Internet gefunden haben und ich zweifele auch gar nicht daran, dass es möglich und dass es vielleicht sogar sinnvoll sein könnte. Und trotzdem scheint es fast so, als verlernten wir es, real zu kommunizieren. Da chattet eine junge Frau mit dem anscheinenden Traumpartner über ein halbes Jahr lang, ja behauptet sogar, man führe schon ein Beziehung und ist dann nach dem ersten Treffen enttäuscht, weil das virtuelle eben doch nicht haargenau mit dem realen Bild übereinstimmte. Schlussendlich ist es mit der online Identität eben wie beim Fasching, jeder kann sich verkleiden wie er will: Da gibt sich der 60 Jahre alte Sack als 13-jähriges Mädchen aus, um mit Kindern dieses Alters in Kontakt zu treten oder der hagere kleine Mann als vollbusige Blondine. Alles ist möglich, ob nun aus Gründen des Selbstmarketings oder aber, um den eigenen perversen Neigungen zu frönen.

Instinkte vs. Fortschritt?

Doch auch mal ganz abgesehen von diesen „Ausnahmefällen“, was ist mit all diesen kleinen Dingen, die einen Menschen vom biologischen Standpunkt aus betrachtet, ausmachen? Schließlich treffen wir doch unsere Partnerwahl trotz unserer verkümmerten Instinkte nicht allein aufgrund einer Übereinstimmung von Interessen, sondern vielmehr aufgrund eines großartigen Zusammenspiels von Geruch, Stimme, Mimik, Gestik, Symmetrie auf der einen und attraktivem Makel auf der anderen Seite. Doch wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis so umsehe, erscheinen mir meine Ansichten so offensichtlich überholt und altmodisch zu sein. In der Generation Facebook, in der jeder zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugang zum Internet hat, um eine Glücksnuss zu öffnen oder andere mit FarmVille Anfragen zuzuspammen, scheint es ganz natürlich zu sein, dass man sich zuerst auf elektronischem Weg beschnuppert. Aber einen Moment. Ich glaube ich muss erst mal gerade meine Mails abrufen – zum zweifellos hundertsten Mal an diesem Tag. Warum ich das tue? Weil ich es kann. Weil ich nicht anders kann, so wie wahrscheinlich der größte Teil der zivilisierten Welt.
Dabei scheint es manchmal gerade diese andauernde Präsenz sein, die alles zum Scheitern bringt. Die die Faszination schnell zum Absterben bringen kann, wenn sich nutz- und aussagelose Phrasen aneinanderreihen, noch bevor man sich überhaupt richtig kennenlernen konnte. Aber das ist der Weg der Zukunft und vielleicht lagen Orwell, Bradbury und Huxley eben doch gar nicht so weit daneben oder hätten die Realität sogar noch als haarsträubender empfunden, als die Fiktion.

So what? Die Zeiten ändern sich. Wir leben in einer Welt, in der Fernbeziehungen über hunderte von Kilometern geführt werden und das Bedürfnis, einander zu sehen und von einander zu hören nicht geringer geworden sind. „Zero Drag“, absolut flexibel, völlig ohne Reibungspunkte und familiäre Verpflichtungen, das ist der ideale Mitarbeiter, der nie krank, depressiv oder gar schwanger wird. Die globale Vernetzung löst Probleme, die wir ohne sie wahrscheinlich nicht hätten. Es zieht uns in die weite Welt hinaus, um nicht so spießig zu enden, wie die alten Klassenkameraden, die es gerade mal bis in den Nachbarort geschafft haben, bevor sie geheiratet und sich den Klotz einer dauerhaften Wohnstätte ans Bein gebunden haben. Doch der eine oder andere wird es sicherlich manchmal bedauern, wenn er allein in irgendeinem Hotelbett liegt und das Internet der einzige Fixpunkt bleibt, der ihn noch mit den Vertrauten verbindet. Wir Menschen haben es glänzend gelernt, uns zu beherrschen, all den Trieben zu entsagen, die überholte Forderungen und Instinkte mahnen und derer wir uns schon lange überdrüssig fühlen.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Mathies, März 09, 2011

...
Für die komplette Desillusionierung kann ich empfehlen: http://blog.okcupid.com/
Insbesondere http://blog.okcupid.com/index.php/page/9/ ist "schön", denn in dem Artikel kommt praktisch herum, dass Männer mit zunehmendem Alter (relativ gesehen) auf immer jüngere Frauen stehen.

Disclaimer: Ich habe nichts mit Dating-Seiten am Hut.
geschrieben von Starfox, März 14, 2011

bitte mehr recherchieren
Kontaktanzeigen sind immer gut, wenn man unterhalten werden will. Und sicherlich sind die guten alten Stellenanzeigen in der Zeitung recht unbedeutend im Vergleich zu einer Onlinebörse. Eine kleine Statistik bezüglich des Marktvolumens für beide Medien wäre hier jedoch interessant gewesen, um die Diskrepanz zu zeigen.

Es wäre interessanter gewesen, wenn sie ein Profil angelegt hätten, was mehr ihrer Person entsprochen hätte (und nicht eines aus Spaß) und sie sich wirklich mit echten Menschen getroffen hätten um den Vergleich zu ziehen zwischen dem realen Dating und dem virtuellen Dating. Denn in diesem Artikel kommt der Vorteil der Online Börsen etwas zu kurz. Im echten Leben sucht man sich seinen Partner für gewöhnlich nach dem Aussehen aus und lernt ihn dann erst kennen. Im Internet kann man schon von Anfang an sehen, ob jemand überhaupt zu einem passen würde (und dafür muss man wissen was man will). So hat man doch viel größere Auswahl und außerdem trifft man auf Menschen, die aktiv nach einem Partner suchen (wenn sie es denn nicht aus Spaß machen). Es wird immer schwarze Schafe geben, die sich als etwas anderes ausgeben. Die Onlineidentität ist kein Fasching, denn wenn man auf einen anderen interessanten Menschen in der realen Welt trifft, dann betreibt man auch eine Maskerade und versucht sich in ein besseres Licht darzustellen, seine Schokoladenseite zu zeigen (weswegen benutzen Menschen denn Makeup, hübsche Kleidung, Schmuck, Statussymbole etc...).

Unsere Partner suchen wir nach ganz einfachen Überlegungen aus:
Er sucht eine hübsche attraktive gesunde Frau, die gesunde Kinder gebären kann.
Sie sucht einen starken, wohlhabenden und liebenswerten Mann, der sie selbst und ihre Kinder versorgen kann.
Quellen:
1. http://www.focus.de/wissen/wis...47395.html
2. http://www.spiegel.de/wissensc...01,00.html
Wie eine gesunde ausdauernde Beziehung geführt werden kann, das ist eine ganz andere Sache. Seinen Freundeskreis als repräsentative Stichprobe zu nehmen ist für gewöhnlich keine gute Idee. Selbst Zeitredakteure machen diesen Fehler immer wieder.

Ich verstehe nicht so ganz, was die permanente Internetpräsenz mit der Partnerwahl zu tun hat. Es ist doch eher die AUSWAHL die man im Internet hat und in der man sich verlieren kann (dies wird sehr schön im Spiegel, Ausgabe 45, 2010, beschrieben).
Das sind meine 2 cents wie man so gerne im Interjargon sagt.
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