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Mein Philibuster
Deck +++ Neue Welten +++ Das Netz
Mittwoch, 30.09.2009
(20 Bewertungen)
Kommentare (2) Drucken
 
Internet-Manifest
 

Das Netz

Was ist eigentlich dieses Netz, mit dem wir uns tagtäglich beschäftigen und uns sogar ein Stück weit darin verlieren? Rainer Langhans hat sich Gedanken gemacht und ein eigenes Internet-Manifest verfasst.
Geschrieben von:   
Das Netz als globale Ekstaseerfahrung © flickr Intersection Consulting


Der Text beschreibt die Entstehung des Internet, seine Gegenwart und Zukunft. Wie sehr wir schon virtuell sind, ohne es wahrzuhaben. Mir hilft er zu verstehen, wie wir leben und was wir tun können. Ich finde, dass er auch dem Philibuster-Projekt zugrundeliegt. Und dass aus ihm unser noch zu erfindender "Liquid Journalism" stammt. Es sei aber, wie mir vorgehalten wird, zu unverständlich, dieses Manifest über das Netz. Außerdem wollen die Jüngeren in unserem Projekt keinesfalls etwas "Esoterisches".

„Spinnst du, alter Knacker? Du „Spiri-Eso-Faschist (NDR), du eitler Erotomane (taz), du Ex-Hippie mit deinem Harem und der schönen Uschi." - das höre ich oft. Und doch sehen auch die jungen Philibuster ein: Der Langhans hat tatsächlich nah am Zeitgeist gelebt. Nun hat er sein eigenes Internet-Manifest niedergeschrieben. Eines, auf das es sich einzulassen lohnt:

Was ist es?
Es ist ein geistiger Raum, der mit elektronischen
Mitteln zunehmend Allen zugänglich wird.

Geistiger ist er als der bisherige Materialismus,
vor allem des "Westens": Vorherrschend ist in
ihm nicht mehr der Mangel, sondern die Fülle.
Entsprechend vermindert sich das Kämpfen um
das immer zu Knappe. Die Tendenz zur Liebe
verstärkt sich. Wir nennen dieses "Geistige"
heute Information, Kommunikation.

Warum entwickeln wir uns dahin?
Weil wir überwiegend geistige Wesen sind, nicht
Überlebenstiere nur.

Was wollen geistige Wesen?
Erkenntnis, Sinn, Liebe.
Was ist diese Erkenntnis?
Die unserer selbst.
"Erkenne Dich selbst", das ist die Grundfrage
unserer Philosophie.
Sie ist zugleich die Erfahrung unserer höchsten
Möglichkeit: was wir Gott nennen.
Wenige konnten bisher Schritte in Richtung
dieser Erfahrung machen.
Nun sind es viele.
Dieses Netz ermöglicht das erste Mal in der uns
bekannten menschlichen Geschichte Allen,
geistige Wesen zu werden.

Wie kam das?
Wir glauben, dass wir uns von tierischen
Ursprüngen zu Sinn und Glück suchenden
Wesen entwickelt haben. Beides wollte das so
genannte Patriarchat durch sinnliche und
materielle Befriedigung erlangen. Dabei stellte
sich heraus, dass den Vielen der Mangel blieb
und wenigen der Überfluss. Der
Überlebenskampf prägte das Leben der Meisten.
Erst jahrtausendlange Akkumulation ermöglicht
heute Vielen, gut zu überleben.
So gut, dass sich Allen zeigt, dass das nicht
glücklich macht. Da fehlt was.

Was ist das?
Wer ist glücklich?
Glücklicher waren Menschen, die ihren Geist
entwickeln konnten.
Wirklich glücklich war der vergeistigte Mensch.
Dahin streben wir - von allem Anfang an.

Wie taten wir das?
Ekstatisch.
Ekstasen ermöglichten Menschen zu allen
Zeiten, zeitweise ihren Körper, die Materie, zu
verlassen und eine erweiterte, ja die Wirklichkeit
zu erfahren. „Ja, das bin ich. So ist es.“

Daraus wurden manche Male Religionen,
Volksschulen der Wahrheit.
Doch auch sie ließen nur wenige nur kurze Zeit
ahnen, was Glück ist. Was sie wirklich sind.
Alle Versuche, das Himmelreich auf Erden zu
holen und damit unser Recht auf Glück materiell
zu verwirklichen, scheiterten blutig.
Nun beginnen wir, dies aufzugeben und
stattdessen es im "Geist" zu realisieren.

Im Netz.

Wie entstand das Netz?
Das Netz entsprang einer einzigartigen und
beispiellosen globalen Ekstaseerfahrung oder
Vision, die sich "1968" nennt.
Alle bisherigen Ekstaseerfahrungen blieben
personal und regional, äußerstenfalls national:
"Männer machen Geschichte".
Diese letzte Ekstaseerfahrung ist global und
überwältigend wie nie zuvor. So stark, dass keine
Religion daraus entstand, sondern eine
Erfahrungsfamilie neuer Menschlichkeit. Woher
kam diese "Verrücktheit"? Niemand weiß es.
1968 ist unbekannt bis heute. Aber wirksam.
„Der Geist weht, wo er will - niemand weiß, von
wannen er kommt und hinnen er geht.“
Es war ein rätselhafter Erleuchtungsschub, den
jeder durch sein Verständnisfenster verschieden
wahrnahm. Gemeinsam wussten alle, dass wir
ganz anders sind, als wir bisher glaubten: "Liebe,
nicht Krieg". Freunde, nicht Fremde. Oder
Feinde.

Woraus besteht das Netz?
Aus einem Rohstoff, der nicht mehr materiell,
sondern feinstofflich ist: Information.
Dieser Rohstoff ist das erste Mal in der
Geschichte im Zentrum der Gesellschaft: das
Ergebnis einer langen Akkumulation unserer
Vorfahren.
Wir ermessen noch nicht, was das bedeutet. Wir
glauben uns noch kämpfend und leidend - in
unserer Vergangenheit.
Doch wir schreiten fort: Wir vergeistigen den
Stoff durch Technik. Ein winziges Stück Materie
wie ein Handy ist "smart", überaus intelligent.
Doch all diese Vergeistigung des Stoffes, diese
"Technik", hat uns nicht glücklich genug
gemacht. Sie scheint zudem sich selbst zu
zerstören.
Weniger Stoff und mehr Geist, dahin gehen wir
zwar. Aber erst der heute sich vollziehende
Schritt in das Überwiegen des Geistes stellt einen
qualitativen Sprung dar ins Glück.
In den Sinn.

Was ist das für ein Schritt?
Der ins Netz, die bislang smarteste Technik.

Diese Ekstase oder Erleuchtung heißt:
nicht im Körper.
In ihm versuchten das verzweifelt auch 1968
noch Einige: Der körperliche Kampf für eine
bessere materielle Welt.
Und verloren.
Aber es floss weniger Blut als je zuvor.

Das Netz entstand aus dieser Erfahrung: Das
Glück ist nicht zu haben in dieser Welt. 
Daher der zunehmende und andauernde Trip in
den Geist, die neue Welt. Mehr:
Eine Völkerwanderung.
Vor allem der Jungen, auch wenn sie es ungern
zugeben. Die Älteren beschweren sich über die
Restkörper, die sie uns zurücklassen: lasch, lahm.

Was tun die Jüngeren dort?
Zuviel, finden die Älteren und versuchen, das
Netz zu ihrer alten und vertrauten Mangelwelt
zu machen.
Wär’ ja noch schöner ...!

Also was tun sie?
Sie erweitern ihr Bewusstsein.
Letztlich erkennen sie sich selbst.
Nennt sich Kreativität, zahllose Freunde oder
communities, irre Bilder und Töne.
Wissen.
Liebe.

Sie verwenden das Netz als Trainingsmaschine
zur Vergeistigung. Üben, üben, üben.
Wir sind noch ganz am Anfang.
Denn so recht glauben, dass das Virtuelle die
Realität und das Materielle ein Traum ist - das
können auch die Jüngeren noch nicht. Das sitzt
so tief - das Fleisch.

Kommt noch, sagt die Morgenröte, die 1968 war.
Wir wussten damals nicht, wie uns geschah.
Es war zwar alles, was wir heute wissen - und
doch noch viel mehr, was wir noch herausfinden
werden.

Es war eine Singularität: alles verschlingend,
alles hervorbringend.

Nicht nur Zukünfte wie das Netz bildete es,
sondern auch Halos um die zu ihm hinführenden
"Vorläufer". Denn nachträglich erklären wir uns
ängstlich, dass 68 ganz folgerichtig entstanden
sei. Weil da doch schon so viel vorher war. Das
musste so kommen. Nichts Besonderes.
Lieber nicht wissen.

Warum nicht?
Weil das Bewusstsein nachhängt, weit nachhängt
der Gegenwart. Das muss es, weil es Distanz zu
seinen Gegenständen braucht, räumliche und
zeitliche. Es weiß daher immer nur das Entfernte,
Vergangene. Leben aber tun wir im Jetzt. Diese
Differenz empfinden wir leidvoll.

Und es dauert scheinbar so lang. Macht nichts.
Läuft rasant.

In Wirklichkeit hat die unendlich vielgestaltige
Fülle des Netzes längst den Kapitalismus
verlassen, das effektive Verteilersystem des
ewigen Mangels. Und nicht nur ihn!
Der bleibt: im Körper. Das ist sein Kennzeichen.

Wie kann ich das "wissen", sehen?
Und glücklich sein?

Yes, you can.
Themen: Ekstasen Geist Glück Netz Recht Welt
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von mfr77, Oktober 23, 2009

Nicht nachvollziehbar.
Das Netz ist "zunehmend Allen zugänglich"? Bis dato haben Zugang zum Netz doch hauptsächlich die Bevölkerungen der sogenannten Industrie- und Schwellenländer - oder einfacher ausgedrückt: wer nichts hat, hat auch keinen Zugang zum Netz. Das ist die Digitale Kluft.

Das Netz "entsprang einer [...] Vision, die sich "1968" nennt"? Abgesehen von der zeitlichen Koinzidenz, daß die Ursprünge des Netzes in dieser Zeit liegen - wo ist bitte der Zusammenhang?

Der Schritt ins Netz ist ein "Schritt in das Überwiegen des Geistes"? Das Netz ist doch nur ein weiteres, wenn auch besonderes, Medium. Trotzdem ist und bleibt der Mensch, was er ist: ein Wesen aus Fleisch und Blut.

Auch wenn der Text ein Manifest, also eine Absichtserklärung sein soll - den Thesen fehlen Argumente und Beispiele.
geschrieben von mt, April 28, 2012

...
"Wer nichts hat, hat auch keinen Zugang zum Netz." Was hat nun der, der Zugang hat? Also, hier gefällt der Text. Ein anderer Ansatz, aber schön, wenn auch nicht für jeden. Piratenphilosophie. Sehr angenehm. Danke, Rainer!
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