Freitag, 22.04.2011
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Rebecca Black
 

Ein ganz schwarzer Freitag

Das US-Püppchen Rebecca Black bricht mit ihrem belanglosen Liedchen "Friday" gerade sämtliche Klickzahlen-Rekorde und wir fragen uns: Wie erfolgreich kann Trash sein und warum zur Hölle ist ausgerechnet dieser Track in unserem Land verfügbar?
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Ja was nun, Rebecca Black? © ArkMusicFactory / Philibuster


An Tagen wie diesen ist es gut, wenn wohlgesinnte Geister uns noch mal an die Hand nehmen, um uns intellektuell ein bisschen aufzupäppeln. Deswegen freuen wir uns über Rebecca Black. Und über ihren Track „Friday“, der bereits jetzt sämtliche Rekorde sprengt und die YouTube-Rampensäue Lady Gaga und Justin Bieber mit einigen Millionen Klicks prätentiös auf die hinteren Plätze verweist. Und das wahrscheinlich zu Recht, denn nichts spiegelt die unberechenbaren Launen der Netzuser so sehr wider wie der Erfolg dieses sinnlosen Tralalas.

Rebecca Black: Kinderdisko vom Hinterhof-Label

Die Geschichte von Rebecca Black ist zunächst Mal die eines 13jährigen amerikanischen Mädchens, das bei einem Hinterhof-Label einen Track eingesungen hat und zum Selbstkostenpreis noch ein dazugehöriges Video zusammenkleistern ließ. Das alles für schlappe 2000 Dollar, die Mami und Papi auf den Tisch legten. Und vielleicht wäre das ganze eine Aktion, die auch viele von uns mit 13 genauso gebracht hätten. Wobei. Insgesamt sind die Lyrics von „Friday“ so hohl, dass man naturgemäß vielleicht doch erstmal zurückschrecken würde. Wie dem auch sei, es lohnt sich dennoch ungemein, den Text- und Video-Output dieses unfassbaren Opus Magnum etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Video-Intro besteht aus einem Comic-Strip, in dem die Bleistiftvariante von Rebecca Black aussieht wie die jüngere, jedoch bereits von Drogen stark gekennzeichnete Version von Ozzy Osbourne. Und dann geht es auch schon direkt los, der Real-Movie beginnt, der Wecker schlägt sieben, Prinzesschen schlägt die Augen auf, steht Sekunden später mit schiefem Seitenscheitel unten im elterlichen Hausflur und faselt etwas von Cornflakes. Dann muss Rebecca natürlich ganz schnell zur Haltestelle, weil, da muss sie nämlich auf den Schulbus warten, damit ihre Freunde sie mit dem Auto abholen können (Hä? Ja!). Und dann geht es auch schon los: „Der Sitz vorne oder der Sitz hinten, ich muss mich entscheiden, wo soll ich mich jetzt hinsetzen?“ Puh. Darauf muss man erstmal kommen. Aber es geht natürlich noch besser, denn kurz darauf verblüfft Rebecca mit einer epistemologischen Paraphrasierung des Phänomens „Wochentag“: „Gestern war Donnerstag, heute ist Freitag, morgen ist Samstag und danach kommt Sonntag.“ Unbeatable.

Der dialektische Umschwung des Trashs

Rebecca Black erscheint in ihrer Gesamtleistung so haarsträubend idiotisch, dass die Internet-Nation Sturm läuft: Verarschungsvideos en masse, kübelweise Gelächter, Hohn und Spott und – mittlerweile, genau aus diesen Gründen – über hundertzehn Millionen Klicks bei YouTube. Die musikalische Master-Spalterei eines Kindes sprengt sämtliche Rekorde, und mit jedem neuen Aufreger über diesen unzulänglichen Track werden neue Klicks generiert. Und genau das ist das Paradoxe an der ganzen Erfolgstory von Rebecca Black: Dass ihr Video genau deswegen so oft konsumiert wird, da ein Grossteil der Netzgemeinde befindet: „So einen Schrott kann man sich doch gar nicht ansehen und gut finden!“ Man könnte das ganze als großen Unfall bezeichnen. Oder aber auch als ganz klassischen dialektischen Umschwung. Wie dem auch sei, heute ist Freitag, morgen ist Samstag. Und hier zum Abschluss noch mal eins der witzigsten Friday-Bash-Videos - nicht von Rebecca Black, aber von Simon Desue, und der ist fast genauso witzig.

Überzeugt Euch selbst! Rebecca Black - Friday: