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Deck +++ Neue Welten +++ The Message is Feierei, Alder!
Dienstag, 21.06.2011
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Trend Facebook-Party
 

The Message is Feierei, Alder!

Facebook-Partys mit Hunderten von Feierwütigen schießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Ist das die neue Generation von Happenings oder einfach nur gemeingefährlicher Unsinn?
Geschrieben von:   
Die Facebook-Party: Polizeigroßeinsätze, erzürnte Eltern und Nachbarn und High-Noon in der Unfallambulanz © Flickr Libertinus


Der Fall Thessa sorgte erst für Furore, dann für reichlich Nachahmer. Thessa wollte eigentlich nur ihren 16. Geburtstag feiern, vergaß aber anscheinend die Einladung als privat zu kennzeichnen. Das Ergebnis dieser Schlamperei waren 1600 feierwillige Jugendliche vor Thessas Elternhaus, die von 100 Polizisten in Schach gehalten werden mussten. Nicht bei allen Menschen führen mehr Jahre auf dem Alterskonto auch zu mehr Verstand. Thessas Eltern rate ich zu einer Kindersicherung am PC. Was für Dreijährige gut ist, muss für Halbwüchsige ja nicht schlecht sein. Obendrein muss die Familie nun damit rechnen, dass die ganzen Bekloppten in einem Jahr wieder vor der Tür stehen, um dann Thessas süße 17 zu feiern.

Bei den Trittbrettfahrern hat der Wahnsinn allerdings Methode. Der Flashmob ist explizit erwünscht; je mehr Leute desto besser. So standen die Polizeikräfte am vergangenen Wochenende in Wuppertal und in einem Kaff bei Nürnberg wieder völlig unvorbereitet vor einer Massenansammlung von Leuten, von denen einige auch gezielt aggressives Verhalten an den Tag legten. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm etliche Randalierer in Gewahrsam.

Der Flashmob ist tot, lang lebe die Facebook-Party

Dass organisierte Partys mit viel Polizei und extra Security nicht zwangsläufig sicherer sind, hat uns die letzte Loveparade gelehrt. Trotzdem sollten Massenbegegnungen nur auf Gelände stattfinden, das dafür auch ausgelegt ist. Die Bilder der Panik von damals haben wir doch wohl noch alle im Kopf. Und wer trägt dann die Verantwortung? In Duisburg konnte man wenigstens vom Oberbürgermeister bis zum Veranstalter auf alle Beteiligten gleichermaßen eindreschen. Was also treibt die "Organisatoren" an? Im Fall von Thessas Facebook-Party einfach nur grandiose Dummheit. Bei den Nachahmern wohl eher eine Mischung aus anarchischem Größenwahn und gedankenloser Ignoranz gegenüber jeder Form von Obrigkeit. Dabei sind solche Partys ja noch nicht mal komfortabel für den geneigten Besucher. Den Alkohol muss man selbst mitbringen und in Tante Käthes Blumenbeet riecht es spätestens gegen Mitternacht schlimmer als in einem durchschnittlichen Parkhaus. Also ist es vermutlich einfach das Mal-auf-den-Putz-hauen, ohne dass die Polizei dem wirklich etwas entgegenzusetzen hätte. Die Feier kann nicht untersagt werden, denn sie wurde ja nicht geplant. Die große Rache für jeden kleinen Strafzettel eines Vorstadt-Vollrolfs. Und wenn ein paar Leute die Nacht im Knast verbringen, ist das auch wurscht. Den Spaß war's wert.

Dabei verbirgt sich hinter dem Phänomen auch jede Menge Feigheit, weil man der Masse die Verantwortung für den Verlauf des Abends überlässt und sich selbst fast anonym aus der Affäre zieht. Es ist ja nicht jeder so doof die große Sause in Muttis Vorgarten abzuhalten. Doch spätestens wenn es um die Beseitigung der Schäden geht, ist die Anonymität dahin. Das Internet vergisst nichts und der Steuerzahler ist auf Dauer auch kein dankbares Opfer dieser Totalentgleisungen. In Thessas Fall wohl schon, weil sie angeblich die Facebook-Party kurz vorher noch abgesagt hat und somit aus der Verantwortung genommen wurde. Wie das allerdings in Zukunft abläuft, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Bis jetzt stehen die Behörden dem neuen Trend noch etwas ohnmächtig gegenüber.

Die Facebook-Party: grandiose Idee - miserable Umsetzung

Nichtsdestotrotz ist die Idee an sich, dass man mit einem einzigen Aufruf im weitverbreitetsten sozialen Netz der Welt ganze Horden von Menschen mobilisieren kann, fantastisch. Wie wir in den letzten Monaten gelernt haben, wurden mit Hilfe von Facebook schon ganze Regime gestürzt, wie Anfang des Jahres in Tunesien und Ägypten geschehen.

Dass diese Möglichkeiten jedoch rein zu Randalezwecken missbraucht werden ist eigentlich schade und hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Die Polizisten in den betroffenen Ortschaften können sich jedenfalls glücklich schätzen, dass bislang "nur" bis zu 1600 Jugendliche an den Facebook-Partys teilnahmen. Es hätten genauso gut auch 10.000 oder eine Million Leute sein können. Wer mal auf einem Musikfestival war, weiß, wie ein paar tausend Leute feiern und was danach noch von der Landschaft übrig ist. Und dann hätte Tante Käthes Gemüsebeet zum Katastrophengebiet erklärt werden müssen.

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