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Mein Philibuster
Deck +++ Strömungen +++ Porno killed the Indie-Star
Montag, 22.11.2010
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Kommentare (22) Drucken
 
Amy and Pink
 

Porno killed the Indie-Star

Die Terrorwarnungen der letzten Woche inspirierten jüngst die Kollegen von “Amy&Pink” zu einem viel beachteten Artikel über die Gefühlslage der „Generation Cool“ im Angesicht der Angst. Wir stocherten darin herum und fanden nichts als die Überreste der Indie-Kultur, begraben unter einem Haufen Porno.
Geschrieben von:   
Indie is dead © tenshi-no-hikari via deviantart.com


Guten Tag. Mein Name ist Nadia, und ich bin keine Expertin was den Mehrwert massenkompatibler Meinungsmache betrifft. Auch nicht, wenn es um das Thema „Terror“ geht. Ich habe mich auch noch nie sonderlich damit beschäftigt, ob und welche Auswirkungen junge Medien haben, die unter dem Deckmantel der Progressivität nichts anderes als die Porno-Geilheit der Krisenkinder bedienen und dadurch das, was sie einmal als „Indie“ pflegten, töteten.

Terror und die Qualität unserer Gesellschaft

Ich bin Bürgerin, wenn auch mit Migrationsgeschichte in der Familie. Ich würde mich nicht als grundlegend informiert bezeichnen, was die Lage in Deutschland angeht, aber ich gehe trotzdem davon aus, dass man die Qualität einer Gesellschaft nicht an Ethikdebatten in meinungsbildenden Online-Medien oder Feuilletons oder Talkshows erkennt, sondern nur am Umgang mit Menschen. Ich kann lesen. Und manchmal denken. Und so habe ich auch den Text „Ich habe Angst – Terror in Deutschland“ von Ines Kuchler auf „Amy & Pink“ gelesen, denn daran kam in den letzten Tagen eigentlich niemand vorbei. Und ich habe darüber nachgedacht.

Ich habe keine Angst, auch wenn man mir sagt, ich soll die Augen offen halten und von seltsam aussehenden Menschen berichten. Wen sollte ich denn sehen? Vielleicht mich selbst? Auch die Ansage, ich solle nicht in Panik verfallen, juckt mich nicht. Angst um meine Familie, Freunde, die Menschen, die ich liebe? Die sollte man jeden Tag haben, denn jeder kann sich irgendwann einfach verabschieden, gehen, sterben, krank werden. Ohne Terz, denn so ist das Leben. Und die Wohnung kann jederzeit abbrennen, weil man vergisst, den Herd auszumachen. Auch um all das andere Zeug, das ich mir mit nicht besonders großer Mühe aufbauen musste, weil ich zufällig in die richtige Gesellschaftsschicht hinein geboren wurde und völlig unverdient vom Privileg der Statusvererbung profitiere, habe ich keine Angst – auch wenn das vielleicht nicht verhältnismäßig ist. Um mein Leben fürchte ich schon mal gar nicht – denn ich bin weder dumm, noch begriffsstutzig, noch geistig behindert. Ich bin in einem relativ sicheren Land geboren, während ein Großteil meiner Familie in einem Kriegsgebiet im Nahen Osten lebt. Ich bin behütet und komfortabel aufgewachsen, immer mit einem Auge auf diesen anderen Teil der Welt, in dem Krieg und Terror und Not zur Tagesordnung gehören. Ich weiß, was Krieg bedeutet, auch wenn ich ihn nur in seltenen Urlauben mit eigenem Auge gesehen und am Telefon oft davon gehört, jedoch glücklicherweise nie am eigenen Leib erfahren habe. Und ich kann mir jederzeit vorstellen, wie es ist, wenn einem der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Denn nichts anderes erleben Menschen, an jedem Tag, in jeder Sekunde, an so vielen Orten der Welt – das erleben sogar Menschen, die mit mir verwandt sind.

Bis zum Anschlag vollgestopfte Krisenkinder

Aber natürlich bin ich genauso gepampert, gepudert und bis zum Anschlag vollgestopft aufgewachsen wie alle anderen Krisenkinder Deutschlands – immer auf der Hut, mir bloß nicht die Ladung Nutella vom Brot nehmen zu lassen. Coolness ist und bleibt unsere Währung, und selbst wenn man nicht cool ist kann man mit Hinweis auf den Glanz-Status des Nerds Reputation einfordern. Wir pflegen unseren Narzissmus und unsere Selbstverliebtheit bis aufs Letzte, und seit einigen Jahren – Breitband sei Dank – können wir in sozialen Netzwerken und Blogs das Ganze noch weiter auf die Spitze treiben. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man versucht, sich bestimmten Phänomenen anzunähern, denn auch wenn man sich einbildet, das, was sich im „Affenkäfig Menschheit“ abspielt, nur aus der Distanz zu beobachten, ist man immer auch selbst Affe in diesem ganzen Dschungel.

Wertlosigkeit als Preis der Coolness

Wenn ich also Angst habe, dann davor, dass wir uns selbst vormachen, wir wären eine Generation frei denkender und aufgeklärter junger Menschen, die irgendwie begriffen haben, worum es geht. Denn wahrscheinlich haben wir nichts begriffen. Wir haben Coolness gegen alles andere eingetauscht, und der Preis den wir dafür zahlen, ist Austauschbarkeit und Wertlosigkeit. Wir pfeffern Salven kluger Sprüche hinaus, ohne für irgendetwas aufzustehen. Wir sind eine Generation des Wortes, nicht der Tat.

Ich lese also diesen Text von Ines, um den es heute geht, dem ich mich annähern möchte, den ich in den oben verfassten Passagen bereits „gesampelt“ habe, der trotz allem irgendwie sogar gut geschrieben ist, immer wieder, und sehe zum Beispiel diesen Satz: „Ich habe plötzlich sogar ein bisschen Angst vor Männern mit Turban.“ Ich, liebes Mädchen Ines, habe ehrlich gesagt Angst, dass Leute wie Du irgendwann noch in die Politik gehen. Aber das wirst Du vielleicht nie anstreben, da Du dich nicht sonderlich für Politik interessierst, denn Du befasst dich nur „hin und wieder damit, um beim Smalltalk mit sexy Anzugträgern nicht völlig bescheuert auszusehen.“ Das merkt man auch, beispielsweise dann, wenn Du in einem Moment lobenswerterweise die absolut fragwürdigen Forderungen zur Vorratsdatenspeicherung von CDU-Sprecher Hans-Peter Uhl kritisierst, um im nächsten Moment keck hinterher zu werfen, dass es Dir „scheißegal“ ist, ob das Foto deines Hauses bei Street View verpixelt ist oder nicht, denn es könne jeder ruhig herausfinden, dass Du „unverhältnismäßig oft bei Google nach japanischen Lesbenpornos“ suchst. „Ist ja gut, kleines Mädchen,“, möchte da die alte Frau rufen, die ich im Vergleich zu dir wahrscheinlich bin, „wir haben es ja verstanden, Du bist süß und witzig und frech und clever und ein bisschen versaut, und Dein Leben ist ein glitzernder Haufen Zuckerwatte, den Du ab und zu mit ein paar klugen Gedanken adelst, die dann tausende Menschen konsumieren!“ Und man kann es Dir auch nicht vorwerfen, denn das ist unser Zeitgeist; und wir alle müssen dieses Spielchen vielleicht mitspielen, um gehört zu werden.

Porno tötet Indie

Ich sehe mir die Seite, „Amy & Pink“, auf der Du veröffentlichst, an. Sie ist genauso süß und witzig und frech und clever wie Du. Allerdings mit vielen Schönheitsfehlern, denn ich sitze davor und denke: „Tittenmagazin. Porno-Click-Rating. Paternalisten-Sex-Page für Gebildete.“ Ich sehe Fotos von einer nackten Französin - ich hätte das Mädchen wahrscheinlich auf 14 geschätzt, aber sie muss hoffentlich volljährig sein, wenn sie sich so ablichten lässt. Ich weiß jetzt dank Eurer ausgiebigen Fotoserie, dass sie sich unten komplett rasiert und eine Tätowierung knapp über der Scham hat und dass zu ihren Hobbys „ganz viel Sex“ gehört, aber ich weiß nicht, ob mich das interessiert – viel eher plagt mich die Frage, wie viele ältere Herren beim Anblick solcher Lolita-Bilder auf ihren Computer-Bildschirm wichsen. Dank Euch weiß ich jetzt auch, was ein Cumshot ist, obwohl ich auch ohne diese Information bisher ein sehr gutes Leben führte. Sex, das könnte ich von Euch lernen, ist so, als gäbe man jemandem die Hand. Zu politischen Phänomenen, das könnte ich von Euch lernen, kann jeder was sagen – Hauptsache, im Text wird auf die klickwichtige Dosis Porno geachtet. Das Geschriebene als Cumshot, die Idee des Alternativen herunter gebrochen auf das Stammtisch-Niveau alter Männer, die Wertlosigkeit des menschlichen Körpers, Coolness als Rückständigkeit und die Inhaltslosigkeit der Information: All das sehe ich, wenn ich Eure Seite betrachte. Und ich danke Euch von ganzem Herzen dafür, denn ich weiß jetzt: Ich möchte nicht mehr cool sein.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Ines, November 22, 2010

Großartig :)
Liebe Nadia,

Mit einem Artikel wie diesem habe ich ja eigentlich schon viel früher gerechnet. Ich musste beim Lesen Deines Textes mehrmals breit grinsen. Hin und wieder fühlte ich mich ein wenig ertappt. Ich stehe zu meinem Text, denke nicht, dass ich mich für etwas verstecken muss, dass so viel positiven Zuspruch bekam. Zum Inhalt des Textes und zu unserem kleinen Pornowunderland AMY&PINK haben wir uns an anderer Stelle ja schon oft genug geäussert. Aber ich bedanke mich wirklich aufrichtig für deine harte, aber dennoch gerechte und irgendwie liebenswürdige Kritik und die Mühe, die du dir damit gegeben hast.
Chapeau!

Herzlichst Ines
geschrieben von Nadia Shehadeh, November 22, 2010

...
Liebe Ines,

danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, meinen kleinen Text zu lesen.
Und Du musst Dich selbstverständlich nicht verstecken, denn es ist wichtig und eine gute Sache, dass man seine Gefühls- und Denksysteme mit anderen teilt - und der Erfolg gibt Dir ja letzten Endes Recht.

Das Gefühl des "Ertapptseins" von dem Du schreibst, kennt jeder von uns - letzten Endes sind wir die Generation, deren Aufmerksamkeitsspanne an manchen Tagen nur noch dazu ausreicht, bei facebook den "Gefällt mir"-Button zu betätigen (und das wissen wir manchmal auch). Auch wenn wir es vielleicht halbherzig verdrängen - die McDonaldisierung und Gleichschaltung hat uns in weiten Teilen längst erfasst, und das macht uns vielleicht rückständiger, als unsere Eltern es je waren. Wir leben aktuell in einer Zeit, in der es keine großen Denker mehr gibt, und ehrlich gesagt sehe ich auch kein Potential und niemanden, der diesen Job übernehmen könnte. Tun wir also das, was wir schon immer getan haben: Ein bisschen Popcorn, ein bisschen Bubblegum, ein bisschen Showtime. Denn am Ende werden wir sowieso alle sterben - und die meisten von uns nicht durch Terroranschläge. Machen wir es uns bis dahin also weiterhin kuschelig, flauschig, gemütlich und rosa. Prost!

Herzlichst, Nadia
geschrieben von Felix Beinlich, November 22, 2010

...
Liebe Nadia,

ich habe deinen Text gerade gelesen, sowie vor einigen Tagen den Text von Ines. Das Problem unserer Generation, zu der ich Ines, mich, die meisten Leser von Amy&Pink zähle, ist, dass wir in einer absolut behüteten Umwelt aufgewachsen sind. Ängste vor Terror, klare abgegrenzte Feindbilder, Angst vor Krieg, Hunger, Gewalt, Armut sind uns fremd. Wir leben in unserer kleinen behüteten Welt, die wir gerade erkunden und erleben.

Mir macht die Warnung von Terror in Deutschland keine direkte Angst, vielleicht weil ich einfach nicht die Nähe dieser Gefahr spüre. Ob sie nun Gerechtfertigt ist oder nicht, möchte ich hier nicht weiter diskutieren.

Was mir Angst macht ist die Reaktion der Politiker und der Medien auf diese Warnung, wie du in deinem Artikel kurz angerissen hast. Man warnt uns plötzlich vor unseren Mitmenschen, die nicht wie wir oder auch gerade wie wir, aufgewachsen sind und mit uns in unserer Gesellschaft leben. Es wird vor keiner klaren Gefahr gewarnt, unser Feindbild ist ein Schatten von Grau.

Wie sollen wir uns jetzt entscheiden? Sollen wir wie Ines über unsere Ängste reden, Angst empfinden oder unterdrücken wir diese Angst, empfinden gar keine. Ich finde, dass wir beides tun sollten. Wir sollten eine Angst empfinden, aber eine begründete Angst und keine von Medien und Politik aufgebauschte Angst, wie sie zur Zeit überall geschürt wird. Dies kann und wird nicht zu einem besseren Deutschland, zu einer besseren Welt führen. Das Streben des Menschen nach Feindbildern führt uns vielleicht dorthin, doch dieses Aufbauen von Feindbildern, dass zur Zeit durch die Politik und Medien verstärkt wird, führt auch zu Abgrenzung und Isolation von Mitmenschen, die plötzlich in einem Feindbild auftauchen, ungeachtet dessen, dass sie gar nicht mit diesen Gruppen sympathisieren.

Diese aktuelle Tendenz macht mir Angst. Man nimmt unserer Generation die vielleicht einzige und beste aller Eigenschaften - nämlich die Abwesenheit von Feindbildern. Wohin dies führen kann, wurde in der Geschichte schon oft genug bestätigt.

Das macht mich traurig und wütend zugleich. Denn dies behindert Integration und Offenheit gegenüber Fremden. Ein Feindbild mag einer Gesellschaft vielleicht eine Richtung und Zusammenhalt geben, aber es grenzt uns ab. Diese Entwicklung wird kommen, sie wird nicht von heute auf morgen stattfinden aber sie kommt. Und das stimmt mich sehr, sehr traurig.

Wir hatten die Chance eine relativ vorurteilsfreie Gesellschaft aufzubauen, jetzt wurde sie uns genommen, von Menschen, die der Meinung sind für dieses Land, für diese Gesellschaft nur das Beste zu wollen, Menschen, die überwiegend mit Feindbildern aufgewachsen sind und sich ein Leben ohne diese nur schwer vorstellen können. Jetzt gehören wir dazu. Vielen Dank.
geschrieben von Magda, November 22, 2010

schöne Watte
Supertext, schöne Ausdrücke. Es stimmt, dass diese Generation eine ganz Besondere ist. Unsere auch. Ich mag Amy&Pink gern, weil sie sich so schön austoben und weil sie uns ablenken. Sie haben sicher auch mehr Publikum als diejenigen jenseits der rosabanalen Watte. Also machen sie das schon gut und verdienen Respekt. Aber es stimmt auch, dass Amy&Pink nicht von außen draufschaut und analysiert, sondern selbst ein Teil des Stroms ist, der bloß mitschwimmt. Und leider nicht die Welt verändert. Ohne Rebellion. Mist.

Liebe Grüße!

PS: Ich finde das Terrorthema auch überdiskutiert. Es lenkt doch nur von dem anderen Quatsch wie den Reformen ab. Zum Kotzen.
geschrieben von Trotzendorff, November 22, 2010

...
Lieber Felix,

glaubst Du wirklich, was Du da schreibst? Dass es "ein Problem" ist, "in einer absolut behüteten Umwelt aufgewachsen" zu sein? Dass Ines wirklich über ihre Angst geschrieben hat? Und an das Gerede von der vorurteilsfreien Gesellschaft, die "Ihr" hättet aufbauen können? Wenn ja, dann solltest Du eher darüber "sehr, sehr traurig" sein ...
geschrieben von Sascha, November 22, 2010

...
'Man nimmt unserer Generation die vielleicht einzige und beste aller Eigenschaften - nämlich die Abwesenheit von Feindbildern.'
Der Satz hat mich gerade richtig hart getroffen. Darüber hatte ich bisher noch gar nicht nachgedacht und doch ist es so wahr und so erschreckend. Danke.
geschrieben von Felix Beinlich, November 22, 2010

...
Lieber Florian,

ich hätte meinen Text vielleicht noch einmal genauer gegenlesen sollen. Ich empfinde es nicht als Problem in einer "absolut behüteten Umwelt aufgewachsen" zu sein. Das ist eine Eigenschaft unserer Generation, über die wir uns sehr glücklich schätzen können. Mit der Aussage über die "vorurteilsfreie Gesellschaft" meinte ich, dass wir eine Gesellschaft hätten bilden können, die relativ vorurteilsfrei gegenüber Ausländern, neuen Ansichten sein könnten. Das der Mensch und somit die Gesellschaft niemals frei von Vorurteilen sein kann, alleine durch die Erziehung durch die Eltern, den Staat und der Gesellschaft ist mir durchaus klar. Ich habe den Text vorhin auch relativ unbedacht einfach runter geschrieben. (wahrscheinlich auch eine schlechte Angewohnheit meiner Generation ;) )

Gruß Felix
geschrieben von Michael Stepper, November 22, 2010

...
Ein Meinungsaustausch unter Genltewomen auf allerhöchstem Niveau. Ich ziehe meinen Hut vor meiner Mitstreiterin und diesem Text! Aber auch Ines' Leistung soll nicht unerwähnt bleiben. Als ich Deinen Text vor ein paar Tagen gelesen habe, dachte ich zuerst: "Fuck, was für ein arrogantes Stück Blindtext! Welche Botschaft trägt der Artikel denn außer "Der Terror kann ruhig kommen, solange mein Kokon davon nicht betroffen ist."?

Aber ich war nach mehrmaliger Lektüre hin- und hergerissen. Das Argument mit der schleichenden Unterwanderung unseres Grundgesetzes und deine ehrliche Angst vor den Konsequenzen haben mich dann doch ins Grübeln gebracht. Warum aber zur Hölle, fragte ich mich, muss sich eine 20-Jährige, die anscheinend eine Menge auf dem Kasten hat, hinter der ein oder anderen - sorry - saudummen Phrase verstecken? Soll das die vielbeschworene Coolness sein, die wir uns durch unendliche Stunden der Anpassung und des Customizing teuer erkauft erhaben?

Zugegeben, der Schock blieb aus. Irgendwie war das für mich nur die Bestätigung, dass unsere Generation vielleicht einfach nicht anders kann, dass aber auch ein Stück weit Hopfen und Malz verloren scheinen. Wir schreiben uns die Welt, wie sie uns gefällt - so lange nur sichergestellt ist, dass unser Konsum-Ökosystem weiterhin stabil bleibt. Umweltverschmutzung, Steuerverschwendung, wirtschaftliche und politische Manipulation. Wir lassen das alles mit uns machen, weil wir ohne diese Wattewelt gar nicht existieren können. Weil wir sofort in den nächsten Laden rennen, wenn uns Marketingheinis vormachen, dass dieses oder jene Produkt unbedingt auch in unseren Besitz übergehen müsse. Für das gute Gewissen nehmen wir dann im Supermarkt noch rasch ein paar Fairtrade-Bananen mit. Soll ja alles seine Ordnung haben.

Und doch habe ich das Gefühl, wenn ich die Kommentare hier und unter Ines' Geschichte lese, dass doch jede Menge Hirnschmalz in unserer Generation steckt. Man müsste es nur mal freischaufeln und wieder auf Vordermann bringen. Wir sind vielleicht als Generation träge, doch wer uns das Grundgesetz zerfasert oder unser Weltbild ins Wanken bringt, der weckt Urinstinkte in uns, von deren Existenz wir bislang wenig wussten. Porno-Overkill hin oder her - danke an Amy&Pink, dass Ihr diese Diskussion angestoßen habt. Lasst Sie uns gerne auf diesem Niveau weiterführen.
geschrieben von FrankWhiter, November 22, 2010

Ein Wort ein Mann
Ines,DU bist cool, und scheisst auf jedes Tabu ?. Ihr wisst ihr seid alles bitches. Komm zeig mir deine Titten. Ja ich bin ein Mann, 20 Jahre alt, und besser als dein Schwuchtel-Life-Style. Komm beweis du kannst mehr in deinem leben, jeder deiner Freier ist schwul und lässt dich reden. Aber bei mir bist du leise denn ich hab kein bock auf deine femenine Drama-Scheisse.
Deine Sätze sagen mir nichts, geh spiel Drama mit deinen Schwuchtels.




geschrieben von Michael Stepper, November 22, 2010

...
@FrankWhiter: Wenn Du schon dissen willst, dann nimm Dir ein Beispiel an Nadia. Ansonsten verweise ich gerne freundlich auf unsere Nettiquette, die Du zusammen mit unseren Kommentarregeln akzeptiert hast. Die einzige Bitch ist doch das Leben!
geschrieben von Andrea, November 22, 2010

...
„Ihr lacht über mich, weil ich anders bin.
Ich lache über euch, weil ihr alle gleich seid!“ (Kurt Cobain)

Ich bin beiden Seiten dankbar, für die Debatte die angestoßen wurde.
geschrieben von elv, November 22, 2010

Zwischen die Augen
Wirklich eine interessante Diskussion und auch wirklich ein toll geschriebener Artikel. Noch besser ist, dass wir das langsam schaffen kristisch im Netz zu sein, ganz ohne Hasskommentare und unsachliches Kindergartengestammel. Ich sehe Amy&Pink gern an, stempel es aber wirklich als Pop-Erscheinung ab, die gern vieles überzeichnet, aber trotzdem weiß, was in vielen Köpfen derzeit los ist. Ich denke Porno funktioniert bei denen eben so gut, weil uns alle nichts mehr schockt und weil wir alle keine langen nachdnekenlichen Artikel mehr lesen können/wollen. Wir haben Aufmerksamkeit bis zur Scrolllinie und da jeder Otto-Witz erzählt wurde, brauchen wir schlimme böse Wörter, um überhaupt noch einen Flash zu bekommen. Sehr Schade, aber umso toller, wenn so ein Artikel wie deiner Nadia es trotzdem schafft von so vielen gelesen, geliked und kommentiert zu werden.
***
geschrieben von Michael Stepper, November 22, 2010

...
"Wir haben Aufmerksamkeit bis zur Scrolllinie und da jeder Otto-Witz erzählt wurde, brauchen wir schlimme böse Wörter, um überhaupt noch einen Flash zu bekommen." - Danke dafür!

"Noch besser ist, dass wir das langsam schaffen kristisch im Netz zu sein, ganz ohne Hasskommentare und unsachliches Kindergartengestammel."- Liebe elv, unsere Blogs sind unsere Talkshows und langsam sollten wir vom Kerner-/Beckmann-Ross herabsteigen und uns in einen heiteren Diskurs à la "Live aus dem Alabama" verstricken.

Dazu werden wir mal mit uns und den Amys & Pinks dieser Blogwelt in Klausur gehen und hoffentlich immer mal wieder gemeinsam Themen beleuchten. Es wäre uns ein innerer Reichsparteitag. Herrgott, hat da jetzt jemand Autobahn gesagt?
geschrieben von hannah, November 22, 2010

--
hallo nadja,

hier ist hannah. auch eine autorin von der titten, penis, cumshot seite amy&pink.
wir schreiben über das was uns beschäftigt und was uns im kopf rumschwirrt, wie wir uns fühlen und mit was wir uns gerade beschäftigen.

im letzten absatz kann man ja ganz deutlich lesen dass wir dich irgendwie verärgern :( versteh ich nicht wirklich. das hat nichts mit gegen und/oder mit dem strom schwimmen zu tun oder um cool zu sein oder nicht. wir sind doch wohl in einem alter wo so was doch echt mal schnuppe sein sollte.

wir haben vielleicht eine andere schreibe, sind von natur aus so und haben keine angst auch mal böse wörter in den mund zu nehmen. ist doch kack egal. jeder so wie er mag. und ausserdem wenn du dich zu einem so erfolgreichen text äußerst dann könnte man dir genauso gut unterstellen: heeej da hat jemand den braten gerochen und schreit jetzt mal kräftig dagegen und möchte so wieder "indie" sein? hmm..weiss ja nicht...da wiedersprichst du dir wohl mit deinem ganzen gegen den trendgelaber. du bist doch auch mitten drin.

aber ist gutes marketing so wie du das machst und du hast ja schließlich auch was zu sagen, find ich toll und soll auch jeder machen. kritik ist super...nur den text von ines zu kopieren und dann durch ein paar wörterchen zu ersetzen find ich nicht besonders kreativ.

naja.
ich bin eher für friede, freude käsekuchen anstatt auf irgendetwas rumzureiten und jemanden oder etwas hier gleich anzprangern. wenn du dich mit unserer seite ein bisschen besser beschäftigst könnte ich mir gut vorstellen dass da dir der ein oder ander artikel auch gefällt.

geschrieben von Nadia Shehadeh, November 22, 2010

...
Liebe Hannah,

lieben Dank für Deine Rückmeldung. Wie Du vielleicht gemerkt hast, geht es mir nicht darum, stumpf auf irgendetwas rumzuhacken. Ich denke, dass wir durchaus in der Lage sind, reflektiert über das, was wir tun, nachzudenken. Und ich denke, gerade unsere Netz-Generation lebt in dem Widerspruch, einerseits massiv zu verneinen, irgendeinem "Gleichschrittsgedanken" zu folgen, um dann wieder auf der anderen Seite Stereotype zu bedienen (ich übrigens: auch - und ja: mittendrin). Unseren Habitus können wir nicht abschütteln, und das, was wir wählen, ist niemals individuell, sondern immer nur an kollektive Dispositionen gekoppelt. Und das spiegelt sich im Moment nirgends so glasklar wider wie im Netz.

Die Samples - es sind im Übrigen nur einige - nutze ich im Übrigen als Referenz an Ines: Sie hat einen sehr guten Stil. Und sie ist clever. Und es macht Spaß, sich ein bisschen mit ihr zu kabbeln.

Liebe Grüße! :)
geschrieben von Carsten Spenge, November 22, 2010

Der Text, der mir auf die Finger haut. Grandios!
Ich lese diesen Text schon den ganzen Tag, und wir haben Montag! Ich ertappe mich, dass ich denke, dass ich selbst ein Facebook-Internet-Selbstdarsteller-Spinner bin, und gerade deswegen sage ich: GEFÄLLT MIR!
geschrieben von Hans, November 23, 2010

...
Wie denk man denn reflektiert über etwas nach? Beide Hühner kommen sich wesentlich toller vor als sie sind. Beide denken, sie hätten was schlaues zu sagen, aber da ist einfach...nichts.
geschrieben von Nadia Shehadeh, November 23, 2010

...
Wie sollten wir das auch können? Nachdenklichkeit bleibt letzten Endes auch nur eine Pose, die wir uns antrainiert haben, lieber Hans. Und morgen werden wir uns wieder die Fingernägel lackieren. So ist das Leben - und es nicht mal hart.
geschrieben von Kathrin, November 28, 2010

...
Vielen Dank für diese wertvollen Worte. Es war eine Freude, das zu lesen.
geschrieben von CFCK-UI, November 29, 2010

...
Hallo Nadia Shehadeh. Das du keine Angst hast sehe ich als Selbstverständlichkeit.

"viel eher plagt mich die Frage, wie viele ältere Herren beim Anblick solcher Lolita-Bilder auf ihren Computer-Bildschirm wichsen."

Das allerdings nicht. Warum: Spielt das eine Rolle ob das einer oder hundert machen? Wäre es besser wenn die Herren jung wären? Wäre es besser wenn sie Frauen wären? Wäre es besser wenn sie beim Anblick von Hardcorebildern wichsen? Beim Anblick von Hochzeitsfotos? Plagt es dich so sehr wie die Frage wie viele Menschen heute verhungert sind, oder so sehr wie die Frage wie viele Menschen heute auf Toilette waren? Machst du dir solche Gedanken auch über andere Kunst?

Ich finde du solltest so etwas nicht schreiben nur weil du irgendwie auf die Autoren der Site eintreten willst. Du hast doch genug Argumente die sich nicht über onanierende Menschen, Menschen die Kunst machen, Ältere oder Männer lustig machen. Die Meinung die du in deinem Text vertrittst steht und fällt doch nicht mit der Antwort auf diese Frage.

Und die Bilder dieses Künstlers als Lolita-Bilder abzuwerten ist so sinnvoll wie die blondierten Haare einer Frau als Schlampenfrisur zu bezeichnen. Wirklich, denk da mal drüber nach was du über den Fotografen und die Models gesagt hast. Du denkst bestimmt ich will dich nur anpissen, aber mich verletzt es einfach nur. Es ist zwar nicht meine Kunst, aber - naja, ich störe mich halt nicht nur an einer Respektlosigkeit wenn sie mich betrifft.
geschrieben von Nadia Shehadeh, November 30, 2010

...
@Kathrin: Danke ;)

@CFCK...: Spielt natürlich keine Rolle, machen wir schließlich alle - kann aber vielleicht doch nicht schaden, wenn wir ab und zu mal über die Dosierung nachdenken. Verletzen wollte ich weder Dich noch andere - wie gesagt, ich zähle auch mich selbst mit zur Hubba-Bubba-Kultur, und deswegen pinkel ich mir auch gern mal selbst ans Bein.
Kompliment übrigens zum Nick! Hübsches Buchstabenspielchen!
geschrieben von Dilek, März 19, 2012

Hurra! Offenbarung!
Liebe Nadia,
lange nicht so einen guten Artikel gelesen. Was ich jahrelang nicht ausdrücken konnte, hast du mit nur einem einzigen Artikel zusammen gefasst.
Danke
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