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Deck -> Strömungen -> Das Superstar-Debakel
Mittwoch, 24.02.2010
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DSDS
 

Das Superstar-Debakel

Jahrelang hat "Deutschland sucht den Superstar" in höchst dramatischen Akten erfolglose Sternchen hervorgebracht. Im siebten Jahr gilt Menowin Fröhlich bereits nach wenigen Wochen als Gewinner - ein Dilemma.
Geschrieben von: Michael Stepper   
Der Kampf um den DSDS-Titel sollte entschieden sein © Flickr visual.dichotomy
 
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echs Staffeln lang hatte es funktioniert. Das Konzept von "Deutschland sucht den Superstar", im Volksmund DSDS genannt. Sechsmal wurde aus tausenden Bewerbern ein mehr oder weniger musikalisches Talent gecastet, das dann - mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen - eine kurze Phase des Ruhms durchleben durfte.

Futter für die Massen


Doch das verflixte siebte Jahr scheint nicht nur für Ehepaare eine kritische Schwelle zu markieren, sondern auch für Lizenzproduktionen ohne Anspruch auf Originalität. Jahrelang duellierten sich in den DSDS-Mottoshows Kandidaten, die sich zumindest vom gesanglichen Niveau kaum unterschieden. Den Ausschlag, wer am Ende das Rennen machte, gaben fast immer die Sympathiepunkte, die die Protagonisten von ihren Fans kassierten. Und weil dieses System sich nach und nach erschöpfte, setzte RTL immer mehr auf Kandidaten, die neben einer einigermaßen sicheren Intonation auch über ein persönliches Schicksal verfügen mussten. Ob in Scheidung lebend, vom eigenen Ehemann körperlich misshandelt oder offen zur eigenen Drogenvergangenheit stehend. Die Story musste Futter sein für die Massen, deren Hunger nach Sensation größer geworden und mit leichter Kost nicht mehr zu stillen war.

Nun zur siebenten Staffel der Sendung scheinen die Dinge aus dem Ruder zu laufen. Denn nach sechs Gewinnern, denen - von Alexander Klaws bis Daniel Schumacher - stets das Etikett „mittelmäßig“ anhaftete, mischt ein junger Mann im Reigen mit, der bereits jetzt - gleich nach der ersten Mottoshow - den Titel Superstar für sich beanspruchen kann: Menowin Fröhlich.



Der 22-Jährige vereint alles, was für RTL den idealen Superstar ausmacht: Er verfügt über eine charakteristische Stimme, tänzerisches Talent und außerdem eine beeindruckende, von Gewalt geprägte Biographie, die ihm bereits 2005 den Sieg bei DSDS vermasselte und ihn stattdessen ins Gefängnis brachte. Kurz gesagt: Der perfekte Superstar. Wäre er nicht zu perfekt.

Denn wie will RTL seinen Zuschauern die Entwicklung eines Gossenjungen zum Superstar plausibel erklären, wenn dieser bereits in der ersten Mottoshow seine Konkurrenz zu Sprösslingen aus der musikalischen Früherziehung degradiert? Zudem kann keine Jury ihrer Aufgabe gerecht werden, wenn es schlicht nichts zu bemängeln gibt. Wie soll Dieter Bohlen seine derben Sprüche an den Mann bringen, wenn ihm das „Geiiiiil!“ schier im Halse stecken bleibt? Seinen blassen Kollegen Eichinger und Neumüller bleibt ohnehin nichts anderes übrig, als dem brav zuzustimmen.

Krasser als Bushido

Für RTL gleicht es einer Katastrophe, wenn die restlichen Kandidaten zur Staffage geraten, deren Auftritte nur den Boden bereiten für den Mann, der ausnahmslos und zum ersten Mal in der Geschichte von DSDS jeden einzelnen Ton trifft. Was helfen da noch erfundene Leidensgeschichten gegen einen Jungen, der bereits als Kind seine Mutter zum Dealer begleitete, der prügelte, seinen Sohn auf der Flucht vor der Polizei zeugte und jetzt öffentlich und aus vollem Hals und Herzen um Leuterung fleht?

Vor einigen Wochen sorgte Rapper Bushido mit seiner verfilmten Biographie „Zeiten ändern Dich“ für reges Medienecho, das sich vor allem auf Bernd Eichinger, den Produzenten hinter dem Hip-Hop-Märchen, entlud. Eichinger wollte uns den selbsternannten Gangster als Paradebeispiel für einen Deutschen mit Migrationshintergrund verkaufen, der sich vom Bordstein bis zur Skyline hochgearbeitet hat. Mit Respekt und Ehre und all dem Gedöns, auf das sich Ghettokids gerne berufen. Blöd nur, dass der wahre Bushido mit diesem Idealbild so gar nichts gemein hat. Doch auch Eichinger, der Vater von Jury-Mitglied Nina, hatte nicht mit Menowin gerechnet, der sich erst gar nicht auf seine Ehre beruft oder das Establishment „ficken“ will. Der Junge mit dem beinahe zynischen Nachnahmen Fröhlich beweist schlicht durch sein Talent, dass er zu höherem geboren wurde und dass er locker im Stande ist, ein Konstrukt wie DSDS  und einen verlogenen Film durch blanke Ehrlichkeit vorzuführen. 

Deutschland sucht seine Vorbilder schon lange in den USA, wo erst gefallene und dann geläuterte Helden zu wahren Superstars avancieren und die zweite Chance zur richtig großen erwächst. Jetzt scheint dieses Vorbild endlich gefunden - und es ist authentisch. Das Ende von DSDS scheint besiegelt.

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Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Michael Stepper, Februar 26, 2010

Re: Geht's noch?
Lieber Chris,

es geht gar nicht darum, Menowin auf ein Podest zu stellen. Trotzdem ist er bislang der einzige Kandidat, der das Prädikat "Superstar" im Sinne der Sendungsmacher wirklich verdient - und das bereits nach wenigen Wochen.

Vielleicht sollte man sich grundlegend die Frage stellen, was RTL eigentlich mit dem Begriff "Superstar" überhaupt meint? Superstars nach amerikanischem Vorbild sind Leute, die sich ihren Weg an die Spitze über Jahre hart erkämpft haben, dabei nicht selten einen psychischen Sumpf durchqueren mussten, dessen Morast ihnen nicht selten ein Leben lang an den Schuhen klebt. Stars werden entdeckt und über Jahre aufgebaut. Warum aber sollte man überhaupt Geld in blasse Persönchen stecken, deren Nachfolger bereits in den Startlöchern stehen, um sich ebenfalls für ein paar Monate melken zu lassen?

Auch was das Mindesthaltbarkeitsdatum angeht, widerspreche ich Ihnen. Während Klaws, Regner, Medlock und Co. vielleicht gute Sänger sind, fehlt ihnen doch die Einzigartigkeit, von der gespielten "Ich liebe Euch alle, Ihr Arschgeigen"-Mentalität eines Mark Medlock mal ganz abgesehen.

Gute Musiker gibt es in Deutschland zuhauf, diese zu entdecken bedarf es allerdings mehr, als einer schlichten Sendung, die sich auf das Nachsingen bekannter Titel beschränkt. RTL sucht mit DSDS nicht nach Musikern, sondern nach Markenbotschaftern auf Zeit. Von daher macht auch Stefan Raabs Oslo-Konzept für mich keinen Sinn. Am Ende steht dann doch nur wieder eine Kopie eines Stars auf der großen Bühne, die schon in wenigen Monaten in der Versenkung verschwinden wird.

Als positives Gegenbeispiel dieser Entwicklung könnte man vielleicht Jasper März nennen, der alleine durch seinen YouTube-Kanal und einen eigenen Stil zum Plattenvertrag kam ...

Menowin hingegen bietet Potenzial, das für Plattenfirmen auch außerhalb von DSDS von Interesse sein dürfte. Einfach durch die Tatsache, dass sein Lebenslauf bereits eine gute Marketinggrundlage sein dürfte. Ich werfe nur das Stichwort "Autobiographie" in den Raum ...
geschrieben von Chris, Februar 25, 2010

Geht's noch?
...wenn dieser (Menowin) bereits in der ersten Mottoshow seine Konkurrenz zu Sprösslingen aus der musikalischen Früherziehung degradiert?
...wenn es schlicht nichts zu bemängeln gibt
...Sechsmal wurde aus tausenden Bewerbern ein mehr oder weniger musikalisches Talent gecastet, das dann - mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen - eine kurze Phase des Ruhms durchleben durfte...
...beweist schlicht durch sein Talent, dass er zu höherem geboren wurde
...usw., usw., usw....

Sind das nicht ein bisschen viel Superlative, lieber Michael Stepper? Ich kann jedenfalls nicht sehen, dass das 'Mindesthaltbarkeitsdatum' eines Herrn Fröhlich länger sein sollte, als das seiner Vorgänger. Bis auf einen, vom Titan gepushten, sieht man natürlich selten einen von ihnen im TV - aber sie sind ja auch keine Wetterfrösche. Fast alle haben ihren Weg in der Musikbranche gemacht. Wenn sie hier in Deutschland nicht so erfolgreich sind wie die Kollegen von American Idol, liegt der Grund m.E. weniger am Fehlen von Talent, als eher im Ansehen eines DB und dem Ausbleiben von gezieltem Marketing durch die Plattenfirma. Ein bisschen mehr Recherche, mehr Neutralität und weniger Polemik hätten Ihrem Artikel gut getan.
geschrieben von maike, Februar 24, 2010

...
Man kann auch jemand von vorneherein überhöhen. Auch ein Menowin ist nicht fehlerlos und auch er wird noch seine Täler durchlaufen müssen. Außerdem hat es bei DSDS sehr gute Stimmen gegeben, die durchaus mithalten können, insbesondere bei den Frauen Judith Lefeber, Elli, Sarah Kreuz. Den perfekten Musiker oder Musikerin gibt es nicht. Auch Menowien wird das nicht sein, obwohl er eine klasse Stimme hat. Mal sehen, ob es ihm genauso geht wie den anderen Gewinnern, die kaum von den Radiosendern gespielt werden, wenn sie nicht gerade Bohlen selbst als Mentor haben. Momentan erfolgreich sind abseits von den Castings der Hirte mit seiner Mundharmonika (Supertalent) und die Vanessa Neigert (DSDS). Deren Auftrittskalender für dieses Jahr ist bereits gut gefüllt und weit ab vom Castinggeschehen, machen die erfolgreich ihren Weg, ohne dass sie nur ansatzweise in die Diskussion um die Qualität der Casting geraten. Man braucht einfach eine Nische, in der sich wenig andere tummeln. Mit Timberlake, Bushido, Gaga und der ganzen Popwelt zu konkurieren, ist ein weitaus härterer Weg.
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