Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck -> Strömungen -> Und ewig lockt der Zirkus
Mittwoch, 06.04.2011
(130 Bewertungen)
Kommentare (6) Drucken
 
DSDS und GNTM
 

Und ewig lockt der Zirkus

Die Einschaltquoten sinken und trotzdem: Sender wie RTL und Pro7 krallen sich an ihren Shows wie Deutschland sucht den Superstar und Germany`s Next Topmodel fest, wie der Teufel an der armen Seele. Skandale und Krawall ersetzen im Fernsehen das, was andere einstmals mit Inhalt füllten.
Geschrieben von: Violetta Schäfer   
Dieter Bohlen - Herr über die DSDS-Manege © Flickr Playingwithbrushes / Philibuster


Wie lange kann oder will man die Lebensdauer von Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar oder Germany`s Next Topmodel noch verlängern? Die Shows sind der immer wieder neu hochgewürgte und gefressene Abfall unserer Gesellschaft, Repräsentanten der naiven Hoffnungen Minderjähriger, die sich von einem tuntigen Catwalk-Trainer auf High Heels beeindrucken lassen und sich für einen Moment des vermeintlichen Ruhmes für nichts zu schade sind. Es scheint dabei weniger darum zu gehen, ein unentdecktes Talent zu identifizieren, als vielmehr darum die Menschen vorzuführen, die das komplette Gegenteil repräsentieren. Das gleiche Prinzip funktionierte übrigens auch schon, als Zirkusse noch Elefanten- und Wolfsmenschen zur Schau stellen durften. Die Auflagen sind härter geworden, aber das Fernsehen hat längst festgestellt, dass Teenager ein guter Ersatz für die Tiermenschen sind, denn sie sind zum Glück auch nicht so selten.

Germany`s Next Toptrottel

Ob nun DSDS, Germany's Next Topmodel, das Supertalent oder Popstars, die Shows funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip. Die ersten Folgen präsentieren uns eine ganze Reihe von Menschen, deren dringendes Geltungsbedürfnis sie dazu zwingt, sich vor aller Augen von einer selbsternannten Jury verbal verprügeln zu lassen. Das alles verpackt in eine ordentliche Portion Zynismus und mit einer schönen Endlosschleife zum Immer-wieder-genießen garniert. Wenn man diese ersten Folgen dominanter Idiotie endlich überstanden hat, verbleibt eine Auswahl von Menschen mit zumindest rudimentär ausgeprägtem Talent. Reichten in dieser Phase in den Anfängen von Deutschland sucht den Superstar noch ein bisschen Zickenkrieg und ein von quäkend bis heulend stufenlos verstellbarer Daniel Küblböck aus, braucht es heute schon mehr, um die Zuschauer zur achten Staffel von DSDS vor den Fernseher zu zwingen. Hier punktete die Sendung jedoch weniger durch die Teilnehmer, als vielmehr durch ihre Pannen und Skandale. Aber was bleibt einem bei fallender Quote auch anderes übrig? Zusammenbrechende Teenies, aufgerollte Knastvergangenheiten wie bei Menowin Fröhlich und dann auch noch eine Panne beim Telefon-Voting von Annemarie Eilfeld und eine Massenpanik bei einer Autogrammstunde in Oberhausen. Charlie Sheen macht es vor: Negative Schlagezeilen scheinen immer noch besser zu sein als gar keine. Die Dakota Indianer würden in diesem Fall wohl sagen: „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ Aber im wahren Leben behaupten die Leute lieber, dass kein Pferd so tot sein könne, dass man es nicht mehr reiten kann: Und selbst mit einem toten Pferd kann sich RTL offensichtlich immer noch so vortrefflich die Taschen vollmachen, dass die Investition in die künstliche Beatmung und die stärkere Peitsche durchaus gerechtfertigt erscheinen. Die Leidtragenden sind die Teilnehmer, die sich vor der Jury erst ausziehen und sich dann nach der Seife bücken müssen.

Recall?!? Bitte nicht!

Manchmal muss man noch einmal hinterfragen, was das Fernsehen einmal war und was daraus geworden ist. Diente es ursprünglich noch als Informationsmedium mit Unterhaltungscharakter, geht der Trend der letzten Jahre zusehends in Richtung oberflächlicher, kostengünstiger Shows ohne jeglichen Inhalt oder Anspruch. Zur besten Sendezeit laufen keine Spielfilme mehr, sondern Big Brother, Popstars und das Dschungelcamp. Dazu kann man sich auf Pro7 Heidi Klum ansehen, wie sie fünfzig junge Frauen dazu bringt, sich auf High Heels eine Stunde lang auf einem Laufband blutige Füße zu holen. Auch ein tuntiger Jorge Gonzales trägt dabei nicht unbedingt zur Aufwertung der Sendung bei. Aber die Einschaltquoten beweisen, dass die Leute trotzdem nicht wegschauen können und damit den Sendern die Taschen füllen. Aber was bleiben auch für Alternativen? Französische Dokumentationen auf Arte? Nachrichtensender wie ntv oder N24, die die Tagespolitik bis auf die Knochen ausweiden und anlässlich von Fukushima noch alle zwei Stunden eine Sondersendung über das Reaktorunglück in Tschernobyl zeigen? Will man nicht gänzlich aufs Fernsehen verzichten, frisst man, was einem vorgesetzt wird.

Man wird die Entwicklung nicht mehr rückgängig machen können, aber wer die Grütze schaut, unterstützt sie zwangsläufig auch. Drückt Euren Kids lieber eine CD von Justin Bieber oder Tokio Hotel in die Hand, aber nehmt ihnen bitte die Fernbedienung ab. Am besten auch das Handy, denn die Anrufe für den Liebling bei DSDS sind nicht unbedingt kostengünstig. Während Gesetze und mediale Kindersicherungen "Killerspiele" und jugendgefährende Webseiten von den Zöglingen fernhalten sollen, sickert dieser Müll ungefiltert ins Programm. Es wird es dringend Zeit, die Toten ruhen zu lassen und den potentiellen Teilnehmern und Zuschauern diesen geistigen Durchfall zu ersparen.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Teleskop, April 07, 2011

Bauernfängerei
Superstars.... oralphonetische Finalrettungsschüsse, die man nach nem halben Jahr - Gott sei Dank- wieder vergessen hat.
Gut, die ein oder andere Stilblüte will ja dabei sein.
Doch Kunst kommt immer noch von können.
Es gibt schon genügend hohle Hupen grenzüberschreitend im Kunst-, Kultur- und Unterhaltungssektor.
Von anderen Berufssparten mal ganz abgesehen.
Künstler, die ihren Job von der Pike auf gelernt haben, handeln allerdings mit einem Bildungsauftrag.
Achja, dank Pisa und Dummgedaddele vorm Egoshooter brauchts ja keine Bildung mehr, wenn man sich seinen Sonderschulabschluss ja auf ebay ersteigern kann oder sich vielleicht sogar das Abi zusammen ge-googlet hat.
1914 sind viele junge Menschen, damals vor allem Männer, hochmotiviert zum Barras gepilgert, um sich dann fürs Vaterland erschießen zu lassen.
Denn jeder wollte nach der Monarchie endlich ein Held sein. Ein Star.
Im Westen nichts Neues.
Wie mögen die damals an der Front geschrien haben: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus...".
Heute will jeder "Depp zu Deutschland sucht den Superspasst" um dann, nach der jahrelangen Vergessenheitsnirvana und atonalen Hitnullingern, Drogen, Alkohol und Gesprächstherapien, nach Hartz zwölf Periode fünf, dann ein Anrecht drauf zu haben, sich bei "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" von dem Rest der Schlangesteher, B und C Sternchen, den H&M-uniformen Möchtegernsangesdiven ohne Brustansatz noch mal gesehen zu werden und sich ein paar Cent für die Frührente dazuzuverdienen.
Es hat sich außer ein paar sozialpolitischen Parametern nichts zu 14-18 verändert.
Dato liegen sie im gesangstechnischen Schützengraben, einem Ausschuss von zielgruppenmusterungsorientierten Chefcastern gegenüber und lassen sich garbenweise zum Kanonenfutter auf den Bohlenbrettern, die die Welt bedeuten, verarbeiten.
Dem Verdun der Hitcontests, die letzte Hoffnungsschmiede auch ohne Hirn, Ausbildung, Talent, Durchhaltevermögen und die Eier für das Buiz, noch nen Job in diesem Billigramschland zu bekommen, das sowieso zum Ausverkauf steht.
"Alles muss raus" - Hurra, der Almauftrieb zum notierten Circus Maximus ist wieder eröffnet.

Ich finde, Umweltschutz fängt schon da an.
Macht endlich mal wieder für fünf Minuten die Glotze aus.
Spart Strom und Lebensenergie und schärft den eigenen Verstand. Es ist wieder soweit.
Bald ist er/sie/es gekürt. Der klavsche, kübelböcksche Lorenzomutant, der mal einen Traum im Leben hatte.
Und er war grad so kurz davor sein Ziel, seine Bestimmung, in seiner eigenen Lebensgeschichte zu erreichen.
Ob nun Minnesängeräffchen fürs Pressluftschuppendurchschnittspublikum oder einfach nur Gurkenlastererwischer.
Es wird langsam wieder Zeit für A-Stars, für echte Diven, für echte Dramen im Showbuiz.
Richtige Stars, die über den roten Teppich flanieren und nicht B-Z Sternchen, die sich am Festivalbuffett den Magen vollschlagen, damit sie getrost behaupten können: "Ich war nie magersüchtig." Da freu ich mich schon auf Alzheimer im Alter, endlich nur noch vergessen. Vergessen.
geschrieben von Michael Stepper, April 07, 2011

Großartig!
@Teleskop: Was soll man dazu noch sagen? Vielen Dank für diesen geistreichen Kommentar, den man eigentlich schon als "Gastbeitrag" kennzeichnen sollte :) Gerne mehr davon!
geschrieben von Teleskop, April 08, 2011

Bauernfängerei, die Zweite
Danke für die Blumen.
Es ist leider nicht von der Hand zu weisen, dass solche Formate eine Teilschuld haben an dem Verfall der Kunst und Kultur.
Wenn man mal bedenkt, dass über 80 % der deutschen Schauspieler am Rande des Existenzminimums leben und das ganz bestimmt nicht, weil sie zu faul sind.
Kreative Menschen, die ihren Beruf lieben und die in ihren Ausbildungen eine Menge an Schweiß, Blut und Tränen gelassen haben, damit sich ihre Bestimmung, ihr natürlicher Spieltrieb in die Tat umsetzen lässt.
Menschen, die einfach nur ihre Arbeit machen wollen.
Arbeit, die nach langen Jahren der Ausbildung scheinbar auf sie wartete.
Dank sinnleerer Formate, die nur auf Quote abzielen und mit Kunst, Kultur und letztendlich auch Identität und Identifikation sowie einer gewissen Bildungsmessage nichts zu tun haben.
Jeder, der noch ein wenig Grips im Oberstübchen hat, macht das Fernsehen oder das Radio gar nicht mehr an oder hat es schon längst auf den Müll geschmissen.
Denn da gehört dieser Intelektuelle Sondermüll längst hin.
Knipst man das TV an, dann wird man entweder durch mantramäßige Dauerwiederwiederwiederholungen, nerv tötende Werbebotschaften und Formate ohne jeglichen Sinngehalt penetriert.
Das ist so, als ob man sich einen Hamburger reinzieht.
Er füllt zwar den Magen, macht aber nicht satt und irgendwann hat man sich an den Zustand gewöhnt.
Das ist auch das Ziel.
Ein damaliger Boss aus einer Privatsendergruppe gab bei einer internen Konferenz im Januar 1986 ganz klar und offen bekannt:
"Das Ziel unserer Sendepolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation der Bevölkerung in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken. Dadurch soll sogenanntes kritisches Denken unmöglich werden. Durch die neue Sprache, bzw. Sprachregelung, soll der deutschsprachige Fernsehzuschauer so manipuliert werden, dass er nicht einmal an Konsumverzicht denken kann, weil ihm schlicht und einfach die Worte dazu fehlen. Damit erfüllen wir den Auftrag der Konzerne, der Industrie, bzw. der Regierung, was ja dasselbe ist. Dieses Ziel müssen wir in den nächsten 10 Jahren erreichen und manifestieren, und zwar im Zusammenschluss mit den gleichgeschalteten Kollegen der anderen Sendeanstalten und der für uns produzierenden Firmen!"

Es ist nach wie vor ein offenes Geheimnis, dass Medienanstalten einfach nur manipulieren und eine Menge Geld scheffeln wollen.
Der Endverbraucher, für den das Programm eigentlich sein sollte, der interessiert nur als zum Schwachsinn erzogener Konsumsklave.

Wie taten da die Worte des Herrn Reich-Ranicki gut, als er 2008 den deutschen Filmpreis ablehnte.
Er hat im vollen Umfang recht.
Das Mainstream-Mediengewerbe ist von vorne bis hinten durchtrieben und eine Mördergrube.
Man darf gar nicht dran denken, wie viele Arbeitsplätze vernichtet wurden im Rahmen der Quotengeilheit.
geschrieben von Teleskop, April 08, 2011

Bauernfängerei, die Dritte
Nur ein Beispiel:
Für die Tätigkeit als Journalist oder auch Redakteur bedürfen einer Ausbildung und ein Studium an einer Hochschule und Universität.
Fachkräfte entstehen.
Fachkräfte haben allerdings auch einen Preis. Wie jede Arbeit ihren Preis haben sollte. Einen angemessenen Preis.
Im Rahmen der Billigprogramme kommt es nur allzu oft vor, dass diese Fachkräfte in der Kosten und Nutzenrechnung eines Senders einen zu hohen Anteil haben.
Man senkt die Preise.
Bei Billigproduktionen ist es an der Tagesordnung, dass diese ausgebildeten Redakteure nach und nach entlassen wurden und durch angelernte Kräfte ohne entsprechenden Background ersetzt wurden und werden.
Will sagen:
Zum Beispiel bei den Nachmittagsproduktionen der Privatsender sitzen nun Zuarbeiter in eigenen Büros, die damals als Bestboy oder Gästebetreuer nebenberuflich gearbeitet haben.
Schön kann man sagen, dass man einfachen Menschen einen Job gegeben hat.
Der Hintergrund ist allerdings grausam.
Diese Quotenerfüllungsgehilfen verfügen allerdings über kein fundiertes Wissen sondern gehen einfach einer Tätigkeit nach, von denen sie wenig oder keine Ahnung haben.
Sie konstruieren Baukastenförmig Themen, die sie aus der Yellowpress sorgfältig recherchieren. Themen für Talkshows, fragwürdigen Gerichts und Billigkommissariatssendungen, angeblichen Dokutainmentprogrammen etc.
Alles nach amerikanischem Vorbild.
Die Medienlandschaft aus Übersee will ich gar nicht erst erörtern, sonst nimmt der Horror gar kein Ende.
Fernsehen ist heute nur noch Propaganda und emetisches Narkotikum für die breite Masse, der ein völlig falsches Gesellschaftsbild vermittelt wird.
Um das zu begreifen muss man wenigstens ein klein wenig Ahnung von den Mechanismen haben, die dort herrschen.
Noch heute sind Lektüren wie von Hans Domitzlaff „Propagandamittel einer Staatsidee“ (dieses Heftchen war schon Göbbels Lieblings-Bettlektüre) Pflichtlektüre in großen Medienhäusern.
In Domitzlaffs Werk beschreibt er mit ganz klaren und eiskalten Worten, wie die Masse zu manipulieren ist.
Gibt’s doch nicht? Ist doch alles nur Verschwörungstheorie?
Weit gefehlt.
Grade hier in diesem Land darf und soll keine Kunst und Kultur mehr entstehen und wirkliche Talente haben es immer schwerer, sich gegen den Mainstream durchzusetzen.
geschrieben von Teleskop, April 08, 2011

Bauernfängerei, die Vierte
Schon Mitte der 60 er Jahre, zu Zeiten des kalten Krieges, arbeitete ein namhafter Schriftsteller und ein größeres Verlagshaus mit dem CIA (damals noch Sitz in Frankfurt am Main – Haus IG Farben) zusammen, um die deutsche Kulturlandschaft soweit zu unterwandern, dass sie an die Formatvorschriften und Visionen der Amerikaner angepasst werden sollten.
Amerika kann man da wohl eigentlich keinen Vorwurf machen, denn sie sind in der Gesamthistorie eine noch sehr junge Nation und schreiben wir ihr ständig in überschwänglichem Endloskonsumverhalten und Selbst-Belügung und Verschleierung der Tatsachen einfach mal ihrem noch pubertierendem Größenwahn zu.
Das Zwischenergebnis der Medienlüge ist heute alltägliches Programm.
Der Markt wird überschüttet mit amerikanischen Billigproduktionen auf der einen Seite und geistlosen inländisch produzierten Formaten, die durch Produktpräsentationen dauernd unterbrochen werden.

Den psychologischen Sinn und Zweck der Werbepausen sollte man nicht außer Acht lassen.
Wenn nun ein Film, für den man sich interessiert, dauernd durch andere Botschaften unterbrochen wird, dann wird auf Dauer die Konzentration des Endverbrauchers stark leiden, da er sich mit der Zeit auf zusammen hängende Dinge nicht mehr konzentrieren kann.
Dafür sind wir schließlich auch gedacht. Wir die Konsumenten, die Endverbraucher.
Der Endverbraucher, quasi das Endausscheidungsorgan (Darm) der medialen Nahrungskette.
Konzentration ist jedoch sehr wichtig für die Entwicklung des Selbstwertgefühls, der Authentizität, der Selbsteinschätzung, Sozialisierung und Perspektiven.
Will man den Mensch einfach nur zu einem unkritischen und willenlosen Konsumsklaven erziehen, setz ihn ständig vor einen Bildschirm!
Hatte man früher noch einen Blick aus dem Fenster, so reicht heute die Perspektive des modernen Multimedialmenschen nur noch von den Augen bis zum Bildschirm.
Das war es dann. Andere Ansichten bekommt man gar nicht mehr mit.
Man merkt auch irgendwann nicht mehr, wie man um seine Lebenszeit gebracht wird, in dem man Menschen einfach die Perspektiven nimmt.
Das ist aber das was uns Menschen ausmacht. Perspektiven.
Welche haben wir denn noch?
Kurze persönliche Perspektiven resultieren aus den immer kürzer werdenden Produktzyklen unserer Konsumgesellschaft.
Keine Perspektiven heißt Verödung des angeborenen Neugiertriebs und des Agens des Menschen und Hineinzwängen in eine Masse der hörigen Befehlsempfänger, die den Leitmedien folgen und unwissend ihr spärlich in den Mainstreammedien vermitteltes Halbwissen schon für ausreichend halten.
geschrieben von Teleskop, April 08, 2011

Bauernfängerei, die Fünfte
Um es nun kurz zu machen.
Diese Formate tragen einen großen Teil zum Werteverfall unserer Gesellschaft bei und kosten tausenden von arbeitswilligen Menschen den Arbeitsplatz.
Immer mehr Theater und andere Kunst und Kulturstätten müssen geschlossen werden, weil kein Geld mehr da ist.
Schaut man sich einmal die Stellenangebote allein für Schauspieler an.
Entweder gibt es keine Vakanzen oder nur noch zu einem Lohn, von dem man nicht leben kann. Es sein denn man gehört zu der kleinen Gruppe der Schauspiel-elite, die sich nun auch schon um die Besetzung in den allerschlechtesten in Deutschland produzierten Filmen a la Kein Hirn Nasen (oder so ähnlich) streiten müssen, damit sie mal wieder vor die Kamera kommen dürfen.
Ein Chefproduzent eines Privatsenders ließ vor drei Jahren verlauten, dass ein erfolgreiches Comedyformat wieder zum Leben erweckt werden solle.
Sein O-Ton: „Unser Sender Sowieso hat die Gesichter der heutigen Comedians einfach alle satt. Wir können sie alle nicht mehr sehen. Angefangen von Appelt bis runter zu Mario Barth, über den sich die gesamte Branche wundert, wie und wer den so aufgebaut hat. Die sind alle mittlerweile unerträglich. Wir brauchen nun Frischfleisch. Wir casten für das und das Format, weil wir uns damit eine große Wiederbelebung erhoffen. Aber mit den alten verbrauchten Gesichtern wollen wir nicht mehr. Die müssen nun weg.“

Wenn man als Schauspieler so einen Spruch gedrückt bekommt, geht man ganz anders in das Casting hinein. Man ist hochmotiviert und denkt sich: „Ja, ich bin bald bei einer neuen Formation. Ich schaffe das.“
Nun stellte sich dieses Casting als speziell als Druckmittel für die alteingesessenen Comedians ein.
Der Sender Sowieso wollte gar kein Frischfleisch.
Das Casting diente nur zum Druckmittel auf die bestehenden Leute, um sie nun für billigeres Salär lohnzudumpen und ihnen zu zeigen: Vorsicht Leute! Auch ihr seid nur Mittel zum Zweck und schneller weg, als ihr denken könnt.
Dieses Verhalten kann auf alle anderen Berufssparten übertragen werden.
Ausbildung und Wissen? Einfach zu teuer.
Und warum auch, wenn man dich nur ausquetscht fürs System und dich nach einer gewissen Zeit der Lehre und des Studiums sowieso auf Hartz vier setzt, damit man dich richtig in deinem Selbsterhaltungstrieb und Selbstwertgefühl brechen kann.
Bis es irgendwann in einer Zeitung zu lesen ist:
Casting! Machen sie sich selbständig und finanziell unabhängig als Gehirnchirurg im Nebenerwerb.
Wir bilden sie aus!
Wenn das der Weg in die Freiheit, Demokratie und in eine kapitalistisch geprägte Welt, in der das Leid ein Ende haben soll, sein soll…
Dann sind wir schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg wieder von der Bahn abgekommen.
Also, verehrte Leserin und verehrter Leser.
Seien Sie ihrer Brut wieder ein Vorbild und auch wenn sie über nicht viel Bildung und Möglichkeiten verfügen, schicken Sie ihre Kinder mal lieber wieder in ein Theater, in eine Bücherei oder in eine andere Bildungseinrichtung statt zu DSDS.
Dort werden sie wenigstens nicht zerquetscht in der tumben Masse der pubertierenden und bildungsresistenten Systemsklaven.
Ein Mindestmaß an Bildung und Neugier auf ein eigenständiges Leben schützt Sie und ihre Kinder vor weiteren Krisen, wie wir sie heute schon haben und sie gerne mit Absicht die Augen verschließen.


Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

ANZEIGE

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden

Neue Artikel

Neulich bei Facebook


Neueste Beiträge

Meistgelesen