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Deck +++ Strömungen +++ Frau Berg, ich habe es satt!
Freitag, 27.05.2011
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Kommentare (15) Drucken
 
Sexismus
 

Frau Berg, ich habe es satt!

Um welchen Drang handelt es sich da wohl? Autorin Sibylle Berg will Gutes für alle Geschlechtsgenossinen – und muss dabei immer wieder stumpf pauschalisieren und auf verschleierten Frauen rumhacken. Ich will das alles nicht.
Geschrieben von:   
Die ewige Front: Frau gegen Mann © Flickr x-ray delta one


Sibylle Berg ist scharfzüngig, sprachlich gewandt und erfolgreich. Dafür bekommt sie keinen Puff-Besuch spendiert – auch, wenn sie zu den Besten ihres Fachs gehört. Aber sie ist ja auch kein Versicherungsvertreter der Hamburg-Mannheimer. Sie schreibt. So auch über die salzgeschwängerte Bordell-Party des Versicherungskonzerns.

Ein Sachverhalt, der eigentlich keine Meldung wert ist. Genug Menschen haben die Geschichte der Hamburg-Mannheimer-Orgie mitbekommen, und viele haben auch Sibylle Bergs Pamphlet gelesen. Die meisten werden wahrscheinlich alles abgenickt, einige andere halbbefriedigt die Meckereien aufgenommen und vielleicht nicht alles unterschrieben haben. Und dann darf man natürlich die ganzen Sponks nicht vergessen, die das komplette Bauwerk mit den üblichen Dummargumenten abwatschen: Frau Berg ist frustriert, Frau Berg verkraftet den Wettbewerb mit jüngeren Frauen nicht, Frau Berg spinnt halt.

Die hegemoniale Welt, wie sie ihr gefällt

Und jedem, der nun sagt: „Mensch! Spitze! Die Berg, die traut sich immer was! Die redet Tacheles und kritisiert Sexismus und patriarchalische Machtgefälle, und zwar richtig! Und die sagt den Menschen da draußen mal so richtig was mit unserer Gesellschaft nicht stimmt!“, jedem einzelnen sage ich heute: „Schnauze!“

Okay. Frau Berg will anscheinend irgendetwas bewegen, wenn es um die Lage der Frauen und den Kampf gegen den Sexismus geht. Das ist ja an und für sich eine gute Sache, und noch besser wird sie dadurch, dass Frau Berg zum erlauchten Kreis der privilegierten Sprachrohre gehört. Und jemandem, der es schon zu etwas gebracht hat, dem hören die Menschen eher zu. Selbst, ha, selbst wenn es sich dabei um eine Frau handelt. Dafür gibt es ja das Konzept der „Hegemonie“, das heruntergebrochen aufs Wesentliche soviel bedeutet wie: Der namhaften Autorin Sibylle Berg, der glaubt man oftmals eher als dem Amateur-Blogger Mohammed Shariatmadari.

Ewiggestrige Pauschalisierungen

Das mit der Hegemonie interessiert Frau Berg aber nicht. Die hantiert nämlich lieber mit ewiggestrigen Pauschalisierungen: „Wollen Männer Geschlechtsverkehr haben, dann kaufen sie sich Sex - und finden das normal.“ Aha. Und es geht weiter: „Egal ob hetero oder homosexuell, da muss immer was gehen, da müssen Pornos geschaut werden, Prostituierte gekauft, da muss gefummelt werden und einer weggesteckt, darum, liebe Frau, musst du dich entweder verhüllen, um ihnen zu entkommen, oder dich zurückhaltend kleiden, oder dich in einen Sack stecken.“ Und natürlich, wenn man da nun sagt, dass das pauschalisierend, heteronormativ, homogenisierend, kolonialrassistisch eingefärbt und essenzialistisch sei, dann werden einem mit Sicherheit die nächsten Dummargumente um die Ohren gehauen: „Bist du doof, ey? Boah, hast du noch nie was von Satire gehört? Hast du noch nie davon gehört dass man auch mal übertreiben muss? Um auf soziale Missstände wie eben Sexismus aufmerksam zu machen und so?“ So, oder so ähnlich. Und falls man dann bekloppt genug ist und auf so etwas wie „westliche Hegemonie“ hinweist, geht es natürlich weiter: „Ey, hallo?! Dieses akademische Geschwafel ist doch nix! Man muss die Menschen da abholen, wo sie sind!“ Ja, aber wo sind sie denn, die Menschen? Das kann niemand so genau sagen. Aber wo Frau Berg sich befindet, das ist auf jeden Fall lokalisierbar: Kleben geblieben in einem Denken, das „alle Kämpfe der letzten Jahrzehnte um Unterdrückungen jeglicher Form komplett ignoriert.“ So fasste es auf jeden Fall meine liebe Freundin Nadine Lantzsch von der Mädchenmannschaft zusammen, und ich kann mich dem nur komplett anschließen.

Dämliche Stereotypien


Frau Berg, wissen sie was? Ich hatte es eigentlich aufgegeben, einigen der privilegierten Menschen erklären zu wollen, warum ich ihr dümmliches Geschwafel über „Kopftücher“ und „Unterdrückung“ nicht mehr ertrage. Dabei wäre es noch nicht einmal eine Demütigung für mich, in Bezug auf die Kopftuchfrage auf die Studien zur sozialen Identitätsbildung hinzuweisen, deren Ergebnisse ihr Alltagswissen vermutlich massiv erschüttern werden: Dass das Kopftuch vor allem ein Zeichen von Forderung nach Teilhabeberechtigung trotz Differenzmarkierung ist. Und dass es auch – Überraschung – Kopftuch tragende privilegierte Frauen gibt. Ich bin müde, ständig erklären zu müssen, dass muslimische Frauen keinen tumben Mob bilden, der außer hinterwälderischem Denken, das ihnen von bösen  Männern mit Bart ins Gehirn gepumpt wurde, nichts in der Birne hat. Ich habe die Nase gestrichen voll von den diskursiven Versuchen, künstliche und imaginisierte Solidargemeinschaften auf dem Papier zu erschaffen, nur, um die eigenen Vorurteile befriedigen zu können. Und wahrscheinlich werde ich ihnen nicht begreiflich machen können, dass es mir ist, als würde mein Kopf in einen Haufen stinkenden Müll gesteckt, während sie auf meinem Hintern stehen und auf Kosten anderer Frauen versuchen, im Feuilleton eine große Sause ihrer Pseudo-Selbstbefreiung zu veranstalten.

 „Ach Gottchen, sie dummes, dummes Ding!“ werden sie wahrscheinlich sagen und mit den Achseln zucken. „Ich bin eben so. Ich muss auch mal polarisieren, das ist mein Job. Da muss ich auch mal auf die Pauke hauen.“ Aber wissen sie was? Das interessiert mich alles nicht. Weil es mir stinkt, wenn privilegierte Sprachrohre willig bereit stehen, um dämliche Stereotypien zu befeuern. Wobei das ja wahrscheinlich auch – um ihrem Wortlaut zu folgen – „gesellschaftlich so akzeptiert ist wie der Verzehr eines Becherchen Kaviars“. Keine Ahnung, wie sie das Gefühl entwickeln konnten, verschleierte Frauen würden sie demütigen. Glauben sie wirklich, dass diese Genossinnen keinen Sexismus erleben, weil sie keinen „geilen Blicken und Händen ausgesetzt sind“? Und fühlen sie sich durch den Anblick dieser Frauen wirklich emotional verletzt? Auf welchem Planeten leben sie eigentlich? Beziehungsweise: Geht`s noch?!

Wie dem auch sei, ich weiß, durch meine Worte werden sie kein bisschen entspannter. Ihr Denken wird sich auch nicht verändern. In den Schulen lehren, dass man im Falle der Erlangens eines Privilegien-Sprachrohr-Status nicht jedem Drang nachgeben muss, man muss nicht ständig mit der Tastatur Computerbildschirme voll kotzen, wenn es einen überkommt, auch sie müssen den ganzen Mist nicht mitmachen. Ich für meinen Teil, ich habe es nicht nur satt, ich habe die Schnauze voll. Bismillah.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von walhalla, Mai 27, 2011

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Sehr interessant, aber bei einer Sache habe ich Verständnisschwierigkeiten:

"Dass das Kopftuch vor allem ein Zeichen von Forderung nach Teilhabeberechtigung trotz Differenzmarkierung ist."

Wie ist das gemeint? Eine kurze Erklärung wäre much appreciated :)
geschrieben von sibylle berg, Mai 27, 2011

...
liebe nadia. du kannst kopftücher, hüte, hunde , schuhe auf dem kopf tragen. feel free. darum geht es in meinem text nicht. auch nicht um den islam, denn mich öden fundis jeder glaubensrichtung an. vielleicht legt sich meine abneigung gegen die verhüllung , darum ging es, wenn Männer UND Frauen Jeden Glaubens sich verkleiden, verschleiern, zuhängen, meintwegen in bärenkostümen--die gleichen beschränkungen für alle.
geschrieben von Nadia Shehadeh, Mai 27, 2011

...
Klar, gerne: Das heißt, die Verbreitung von Kopftüchern, die man bei muslimischen Frauen - und eben auch bei den gut ausgebildeten - beobachten kann, ist in diesem Sinne vor allem auch ein Zeichen von Selbstbewusstsein, weil Frauen damit den Anspruch erheben, teilhabeberechtigt zu sein, ohne sich dem üblichen Kleidungsstil der Mehrheitsgesellschaft bzw. dem kleidungssemiontischen "Common Sense" (--> Hegemonie) anzuschließen.
geschrieben von walhalla, Mai 27, 2011

...
ah, verstehe! macht sinn, vielen dank.
geschrieben von MunichsBest, Mai 27, 2011

runter mit den textilien
@sybille:
...lese ich aus ihren worten ein mehr oder minder verstecktes plädoyer für das nudistentum? und sind menschen muslimischen glaubens gleich fundis? und vor allem: mögen sie verkleiden nicht? wie wäre es mit einer milieustudie im kölner karneval-kommen sie mit, begleiten Sie mich! HABEN SIE SPASS!?...gerne auch im bärenkostüm...
geschrieben von christine, Mai 27, 2011

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Ich finde deine Kritik nicht überzeugend. Sie geht ziemlich an dem Artikel vorbei, würde ich sagen. Er ist flapsig und polemisch und eben nicht differenziert, dadurch sehr erfrischend. Und das mit der Verhüllung ist nur ein winzigkleiner Nebensatz. Es hat nicht viel mit dem eigentlichen Thema des Artikels zu tun. OK, vielleicht hätte sie sich den Halbsatz sparen sollen. Vielleicht findest Du, dass das Thema so heikel ist, dass man da keine flapsigen Nebensätze zu schreiben darf, aber deine Kritik hat das nicht kommuniziert. Auch zu dem, worum es in Frau Bergs Artikel geht, finde ich bei dir keine Gegenargumente, sondern nur oberflächiges Schimpfen. Ich verstehe nicht, warum dieser in meinen Augen wenig Substanz enthaltende Blogartikel so oft verlinkt wird. Und umgekehrt vermisse ich Artikel, die sich kritisch positionieren gegenüber der Benutzung des weiblichen Körpers als Objekt.
geschrieben von lantzschi, Mai 27, 2011

...
@christine

Eigentlich ist es ganz einfach: Berg kritisiert in ihrem Artikel eine richtige Sache, allerdings auf falschem Wege und auf Kosten anderer. Der Teil vor dem Komma wird anerkannt (was wohl klar sein dürfte), der Teil nach dem Komma hingegen nicht. Aus diversen Gründen, die oben im Artikel stehen. Also versteh' ich nicht, was du eigentlich sagen willst. Hmm vielleicht sowas? "Sexismus mit Rassismus und Orientalismus und anderen Sexismen zu bekämpfen ist okay?!" Finde ich nicht.
geschrieben von Simon Köhl , Mai 27, 2011

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Ich möchte den Kommentar von lantzschi ausdrücklich unterstützen. Nadia, die Verallgemeinerungen, die Du Frau Berg vorwirfst, hast Du erst vorgenommen. In Ihrem Artikel war nie die Rede von einem "generellen" oder "weit verbreiteten" Frauenbild, Frau Berg hat schlicht und meiner Meinung nach berechtigt, Phänomene aufgezeigt und kritisiert, deren Existenz auch Du wohl kaum bestreiten kannst. Und sollte es sich dabei um Randerscheinungen halten, liegt gerade der Verdienst darin, trotzdem auf Missstände hinzuweisen. So lange Frauen noch in Prostitution aller Art getrieben werden, bin ich dankbar um jeden Weckruf, der uns die teilweise Rückständigkeit unserer als so fortschrittlich gepriesenen Gesellschaft aufzeigt. Danke Frau Berg!
geschrieben von Buena-"Olf"-ventura, Mai 27, 2011

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Gerade im Geschlechterkampf gilt: "Gut gemeint ist ...." oder war es, "nett ist der kleine Bruder von..." Na, Du/Ihr wisst schon. Emanzipation der Geschlechter darf nicht auf Kosten einzelner Gruppen unter den Geschlechtsgenossen und -Genossinnen. Das wäre mal ne Erkenntnis, die eine alte Vorkämpferin wie z.B. Alice Schwarzer publizieren müsste. Geht aber wohl nicht in BILD Kolummnen. Tja, das war's dann mit der Erschliessung neuer Zielgruppen.
geschrieben von Buena-"Olf"-ventura, Mai 27, 2011

...
nicht auf Kosten einzelner Gruppen unter den Geschlechtsgenossen und -Genossinnen [gehen].

Entschuldigt die Hastigkeit meiner Post. Da geht dann mitunter mal was verloren. Peace Out.
geschrieben von lantzschi, Mai 27, 2011

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@Simon

wenn du meinen Kommentar unterstützt, versteh ich nicht, warum du so einen Bockmist verzapfst. Oder du hast mich mit christiane verwechselt. Sollte ersteres der Fall sein: Spar dir deine Aneigung, ich will nicht für dein Schwachsinnsargument herhalten.

WAS NADIA SAGT!
geschrieben von Simon Köhl , Mai 27, 2011

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Oh tatsächlich, ich habe die Namen verwechselt - tschuldigung. .. Bockmist .. Das kann man jemandem natürlich mal ohne Begründung an den Kopf werfen - muss man aber nicht wenn man sich nicht als dickköpfig outen möchte.

Trotzdem schönes Wochenende!
geschrieben von Chris, Mai 27, 2011

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Frau Berg? Frau Berg! @Frau Berg: http://www.tape.tv/vid/125301
geschrieben von goldene nickelbrille, Juni 01, 2011

mehr mehrheit
weil Frauen damit den Anspruch erheben, teilhabeberechtigt zu sein, ohne sich dem üblichen Kleidungsstil der Mehrheitsgesellschaft bzw. dem kleidungssemiontischen "Common Sense" (--> Hegemonie) anzuschließen.

sie schließen sich durchaus dem kleidungsstil einer mehrheit und einem common sense an, nur nicht dem deutschen. diese frauen gehören ja keiner individualistischen avant garde an, sondern praktizieren den kleidungsstil aus religiösem gruppendruck heraus.
geschrieben von photon, Juni 02, 2011

...
mit der verschleierung unterdrücken eher frauen die männer

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