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Mein Philibuster
Deck +++ Strömungen +++ Da geht doch noch was!
Montag, 04.04.2011
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Kommentare (7) Drucken
 
Gazelle-Magazin
 

Da geht doch noch was!

Ist es machbar, gemeinsam das Print-Magazin „Gazelle“ vor dem Aus zu bewahren? Wir sagen: Es ist unbedingt einen Versuch wert! Denn: Vielleicht ist man gemeinsam ja doch etwas stärker.
Geschrieben von:   
Vom Aussterben bedroht: die Gazelle © Flickr Dany PiG / Philibuster


Wir haben uns auf Philibuster ja schon oft darüber beschwert, dass sich unsere Gesellschaft in letzter Zeit besonders dadurch auszeichnet, dass an vielerlei Stelle verteidigungswürdige Kernnormen massiv wackeln und Tendenzen der Entsolidarisierung immer mehr unser Denken einnehmen – Facebook-und Twitter-Aktivismus hin oder her. Man hat den Eindruck, dass einiges nicht mehr so klappt. Vielleicht hat einiges aber auch einfach noch nie geklappt, und vielleicht wird dieses „Früher war alles besser“-Lamentieren auch nur aus dem Wunsch geboren, dass vielleicht doch mal was passiert. Irgendwie. Dass man sich ein bisschen intensiver die Hand reicht, dass man etwas genauer zuhört, dass man Dinge einfach mal wahrnimmt und dass man dann beschließt, mit den bescheidenen Mitteln, die man so hat, mal etwas zu tun. Für eine gute Sache. Weil, vielleicht geht ja noch was. Klar, man kann nicht immer überall sein, und die Welt retten geht schon mal gar nicht, aber so etwas wie ein bisschen mehr Achtsamkeit schadet ja nicht. Vor allem nicht hinsichtlich der Themen, die jeden Tag so untergehen, weil irgendwo wieder die Hölle los ist. Und manchmal ist es so, dass das „Machbare“ ja quasi direkt vor der Haustür liegt. Wie im aktuellen Fall vor unserem Philibuster-Törchen.

Volle Power Non-Profit

Worum es heute also geht: KollegInnen von uns haben ein Problem, und zwar ein ausgewachsenes. Eins, das in diesem Zusammenhang quasi existenziell ist. Es geht um die „Gazelle“, ein Print-Magazin, das seit 2006 eigenfinanziert herausgegeben wird und bis heute ein reines Non-Profit-Projekt ist. Im Feuilleton wird die „Gazelle“ oft und gern als „Magazin für Migrantinnen“ angepriesen, was natürlich völliger Quatsch ist. Abgesehen davon, dass der Terminus „MigrantIn“ im öffentlichen Diskurs als klassifizierende Kategorie mittlerweile zum dümmlichsten gehört, was Schubladendenken zu bieten hat, ist die „Gazelle“ nämlich nicht mehr und nicht weniger als der langfristige Versuch, geltende Print-, Presse- und Rezipienten-Regeln mal ordentlich aufzusprengen – einfach, indem hier mal konsequent anders gedacht und geschrieben wird, und zwar: Für alle. Und das ist ein anstrengender Schweineritt, der dazu führt, dass jede Ausgabe das bestehende Team bis an die Grenzen der Belastbarkeit treibt. Jeder, der neben seinem Hauptjob ein Projekt aus Herzensgründen betreibt, der sich schon mal mit Verlagsagenturen, Risikokapitalgebern und Businessplänen auseinander setzen musste, der sich Nächte und Wochenenden um die Ohren schlägt, nur um „die Sache“ am Leben zu erhalten, weiß, was das heißt: Stress, Schlafmangel, Erschöpfung. Kalte Finger auf der Computer-Tastatur, weil nachts um zwei der Kreislauf eigentlich schon nicht mehr will. Kaffee bis zum Exodus, der im Extremfall solange in sich reingeschüttet wird bis die Magenschmerzen anfangen. Gespräche, Termine, Mails und Netzwerkarbeit bis der Arzt kommt, und nebenbei der ganz normale Budenkoller mit seinem Team, mit dem man quasi schon verheiratet ist. Das alles begleitet von der Frage, wie lange man sich das alles eigentlich noch geben kann, weil unsicher ist, wie lange so etwas überhaupt noch machbar ist.

Kann man die 1000 knacken?


Und all das nehmen die Gazelle-MacherInnen seit Jahren in Kauf, um auf dem Print-Markt ein längst überfälliges Medium zu platzieren, das einen genaueren Spiegel auf unsere pluralistische Lebenswelt wirft. Um uns ein Crossover-Produkt anzubieten, das beispielsweise gegen die betulichen und teilweise positiv-rassistischen Multi-Kulti-Versuche der etablierten Blätter anstinkt – zuletzt übrigens zu bewundern unter anderem in der „Brigitte“ beim Galore-Fail „Migrantinnen zeigen Sommertrends“. Und über all das wollen wir mal sprechen. Vor allem jetzt, da es so aussieht, dass der bisher recht einsame Kampf der „Gazelle“ bald jäh verloren sein könnte. Das ganze Ausmaß des Marathon-Endspurts lässt sich auch genau beziffern: Tausend neue Abonnenten braucht es, um das endgültige Einstellen des Magazins zu verhindern. Tausend neue Leser, die auf der einen Seite vier Mal im Jahr einwandfreien Lesestoff frei Haus geliefert bekommen und auf der anderen Seite damit dazu beitragen können, ein wichtiges Projekt in Deutschland am Leben zu erhalten.

Einfach mal ein bisschen Welle machen

Klar kann man nun einwerfen, dass die ganze Sachlage auf Marktstrukturen rückführbar ist, man kann auf die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage hinweisen oder auch darauf, dass die Zeit vielleicht noch nicht reif ist für ein derartig gelagertes Produkt, aber hey, letzten Endes könnte man vielleicht auch sagen: Man kann es ja mal versuchen. Weil es um ein gutes und bewährtes Produkt geht, das von einer kompetenten Mannschaft auf die Beine gestellt wird. Weil man mal wieder und vielleicht zumindest im Kleinen die Möglichkeit hätte, auch alternative Kanäle zu unterstützen. Und weil man nicht warten muss, bis irgendwo Unsummen Marketing-Budget reingepumpt werden, damit man sich angesprochen fühlt. Insofern würden wir uns wie Bolle freuen, wenn Ihr mit uns ein bisschen auf den aktuellen „Gazelle“-Fall aufmerksam macht und wir gemeinsam Bewegung generieren könnten. Einfach, weil man multikulturelle Presseaktivitäten vielleicht nicht immer nur den allgemein bekannten Altherren und –frauen überlassen sollte und es schade wäre, wenn die „Gazelle“ allein als Achtungserfolg in die Annalen eingehen müsste. Und weil wir wie gesagt denken: Da geht doch noch was!

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Marvin, April 04, 2011

...
Für den einen ist es Philibuster, für den anderen der manchmal netteste Blog, seit es das Internet gibt. Schöne Aktion. Ich kaufe!
geschrieben von Nadia Shehadeh, April 04, 2011

...
Och. Danke! --> Für den einen ist es Marvin, für den anderen einer der nettesten Leser seit es Blogs gibt! ;)
geschrieben von Nadia Shehadeh, April 04, 2011

"GIRLS CAN BLOG"-Credits
Dank gebührt an dieser Stelle auch schon mal der vortrefflichen Truppe von "GIRLS CAN BLOG":

[...] Gazelle steht vor dem Aus - nur ein Schwung von 1000 neuen AbonnentInnen kann das Blatt noch retten. 18€ für vier Ausgaben sind ein fairer Preis, den man selbst bei persönlichem Desinteresse einfach mal spenden kann, um ein gutes Projekt am Leben zu halten. (Wenn die finanziellen Möglichkeiten das erlauben, klar.) [...]

http://girlsblogtoo.blogspot.com/2011/04/for-german-readers-solidaritat-mit-der.html
geschrieben von Nadia Shehadeh, April 04, 2011

"Ninia Lagrande"-Credits
Same here
geschrieben von Nadia Shehadeh, April 04, 2011

...
[...] Die Gazelle ist vom Aussterben bedroht. Nicht das Tier, sondern das sehr gute Printmagazin aus Berlin. Um die Gazelle zu retten, geht ein Aufruf durch alle Blogs: Werdet AbonnentIn! [...]

http://ninialagrande.blogspot.com/2011/04/zwischenruf-rettet-die-gazelle.html
geschrieben von ally, April 07, 2011

Schade....
Schade, Abonnieren geht gar nicht, und wenn ich ein Einzelexemplar bestellen will, bekomme ich Fehlermeldungen. Schwierig, das mit der Solidarität :-(
geschrieben von Nadia Shehadeh, April 08, 2011

...
What? Wieso geht abonnieren denn nicht? :/
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