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Farmville
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Gärtnern ist der neue Sex |
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| Gärtnern ist der neue Sex, sowohl real - 2008 gaben die Deutschen 600 Millionen Euro mehr für ihre Gärten und Balkone aus, als 4 Jahre zuvor - als auch virtuell in der Facebook-Applikation FarmVille. Ein Trend und seine Hintergründe. |
| Geschrieben von: Brigitte Streubel |
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FarmVille - der Trend zur Selbstversorgung © farmvilleneighbors.com
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Ersetzt Gärtnern zunehmend den Sex? Sex als Ausgleichssport: Die Frau wurde „bepflügt" und auf ihr „rumgeackert", damit sie empfängt und gebärt. Reicht das heute nicht mehr als Erdung zu den geistigen Bestrebungen der Menschen? Haben diese Bestrebungen zugenommen? Könnte man so sehen: Die Virtualisierung des modernen Lebens erfordert stärkere Erdungen? Denn auch FarmVille, ein Online-Spiel, das Gärtnern im Netz simuliert, erdet nicht.
Es ist ein virtuelles Spiel mit positiven Effekten, weil es räumliches Denken und Teamgeist fordert. Somit ist es sozialer als normales einsames Gärtnern, denn ich kann Nachbarn (Freunde bei facebook) virtuell akquirieren, betreuen und beschenken (Bäume und Tiere), säen und ernten, Land, Traktoren, Ernte/Sämaschinen und Häuser dazu kaufen, d.h. Geld verdienen und das auf einem immer höheren Niveau. Und es ist schön, sich mitteilen zu können, was man geschenkt bekommen mag oder im Chat daran zu erinnern, jetzt unbedingt zu ernten, damit man keine coins verliert oder gefährdet, sein Level zu erhöhen. Ich habe zwar mein reales Gärtnern erheblich zurückgefahren, auch meinen früheren Sex, aber ganz ohne geht es nicht. Früher hatte es sich unter meinen Freunden/Innen herumgesprochen, dass ich den so genannten ‚grünen Daumen’ habe. Letztes Jahr wurde mir angeboten, im Englischen Garten einen Schrebergarten zu mieten. Ich habe mich tatsächlich einige Wochen damit beschäftigt, die Idee aber dann doch verworfen. Das würde ja richtig in Arbeit ausarten, so wie ich es schon von meinem Balkon her kenne: täglich das Verblühte abschneiden, kontrollieren, ob Pflanzen von Schädlingen befallen sind, ob sie Wasser, Dünger, neue Erde oder mehr Schatten bzw. Sonne brauchen. Jetzt zusätzlich noch in der Erde zu graben und richtig anzubauen, um dann allen stolz meine prallen Kürbisse, Tomaten, Gurken und Äpfel zu zeigen, würde mich vielleicht doch zu sehr vor den eigentlichen Herausforderungen des Älterwerdens - der Verfeinstofflichung - und meinen zunehmenden Falten ablenken. Bloß nicht zu viel Materie und wenn, dann doch lieber ein neues MacBook oder ‚GUERILLA GARDENING’: irgendwo heimlich in der Stadt ein Blümchen pflanzen. Der Schrebergarten als letzter Schrei Dieses Jahr ist mein 10 Meter langer Balkon so prächtig wie nie. Da ist kein Platz mehr zum Sitzen, nur noch zum Giessen und Staunen: über die vielen Blüten an den drei Rhododendrenbüschen und dem Akazienbaum, die fünf Rosenstöcke mit hunderten von roten, rosa und weißen Blüten hat der Regen schnell niedergemacht, dafür die Hortensien größer als sonst werden lassen, die Walderdbeeren, der Borretsch, die Zitronenmelisse und der Lavendel sind geerntet oder getrocknet, außerdem gibt es noch Rosmarin, Salbei, Basilikum, Pfefferminze, Brombeeren, Sternblumen und einen Gingkobaum. Irgendwann begann ich zu fotografieren und die schönsten Bilder auf facebook zu laden. Unter Freundinnen zeigten wir uns bei Besuchen in den letzten Jahren gegenseitig als Erstes unsere Pracht auf Balkon oder Terrasse und verabreden uns eher zum gemeinsamen Ausflug ins Gartencenter als ins Café oder Kino. Immer wieder fällt mir auf: Der ‚grüne Markt’ boomt. Es entwickelt sich ein neues Gartenbewusstsein in Deutschland! Schon einige Jahre zuvor sprach ich mit jungen Paaren mit und ohne Nachwuchs in Berlin über ihre Schrebergärten. Sie berichteten mir begeistert von ihren Wochenenden, die sie dort verbringen. Immer mehr junge Leute würden die Gärten der aussterbenden älteren Generation übernehmen und das fühlte sich gar nicht spießig an, sondern eher nach neuen Treffpunkten. Vor zwei Wochen lese ich in der letzten ‚EMMA’-Ausgabe von der in London lebenden Naturdesignerin Gabrielle Pape: „Gardening is the new sex“. EMMA meint weiter: In England hätte sich der Boom, den das Kochen die letzten Jahre erlebt hat, nach draußen fortgesetzt und Schrebergärten seien in London unter jungen Leuten der letzte Schrei. Die Gartenschau der Royal Horticultural Society ist für Blumen das, was Ascot für Pferde und Wimbledon für Tennis ist: das Höchste der Gefühle! Selbst die Queen und Prinz Charles kamen vorbei. Gabrielle Pape, eine gebürtige Hamburgerin, hat in Berlin-Dahlem einen Platz gefunden, um die Gartenkultur in Deutschland wiederzubeleben. Im Mai 2008 eröffnete sie ihr Zentrum für Gartenkultur mit einer Gartenschule für Laien, Design-Center und Schaugarten. 1992 gründete sie mit ihrer belgischen Partnerin Isabelle van Groeningen die Firma „Land Art“ bei Oxford. 2009 legten sie gemeinsam auf der Chelsea Flower Show einen deutschen Staudengarten an, und zwar nach dem Vorbild von Karl Förster, dem berühmten Gärtner aus Potsdam. Von 1959 an waren Sibylle Kreuzberger (stammt aus Königsberg) und Pamela Schwerdt über Jahrzehnte verantwortlich für Vita Sackville-Wests Paradies auf Schloss Sissinghurst, das sie bewirtschafteten und zum meistbesuchten Garten Englands machten. Dem Rosengarten widmeten die Gärtnerinnen ihre besondere Aufmerksamkeit. Viele Besucher bestaunten die üppig blühenden und betörend duftenden Schönheiten mit Namen wie: „Cardinal de Richelieu“, „Nuit de Young“ oder die Gallica- und Damaszenerrosen; als Seltenheit galt die Bourbonrose „Mme. Lauriol de Barny“ und „Baron Girod de l’Ain“. Englische Gartenkultur galt und gilt als klassisches Vorbild für private Hausgärten. Nicht nur in Bezug auf die Gestaltung und Kultur von öffentlichen Gärten und Parks, wie etwa die Entwicklung des Landschaftsgartens, hat England eine gewisse Vorbildfunktion, auch bei Ideen für den bürgerlichen Garten waren es oftmals Engländer, die Neuem in der Gartenkunst zum Durchbruch verhalfen, z.B. der Garten von Hidcote, der von der Gartenkünstlerin Gertrude Jekyll kreiert wurde. Kommentare zu diesem Artikel:
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