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Deck -> Strömungen -> Das Böse lauert im Mülleimer
Freitag, 01.04.2011
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Hygiene in Deutschland
 

Das Böse lauert im Mülleimer

Sagrotan will uns in einem neuen Werbespot einen berührungslosen Seifenspender verkaufen. Zum Plus an Hygiene erhalten wir kostenlos ein neues Weltbild, das den Kampf gegen den Keim ein wenig wie den Kampf gegen den Terror erscheinen lässt.
Geschrieben von: Michael Stepper   
Hygiene - für Oscar ein Fremdwort © Flickr bixentro


Der April ist da und Deutschland liegt flach. Was mit Heiserkeit, Husten und Schnupfen anfängt, endet meist in einer handfesten Grippe mit Fieber, Gliederschmerzen und einem Zwangsurlaub im Bett. Wer den Jackpot knackt, darf sich wahlweise auch mit den weitaus unangenehmeren Folgen einer Ansteckung mit dem Norovirus herumschlagen. Prost Mahlzeit, so fängt der Frühling gut an.

Während Mediziner diese Seuchen-Saison gerne auf die unbeständige Wetterlage (Schnee, Sonne, Schneematsch, Regen, Sonne), trockene Heizungsluft und ungesunde Ernährung schieben, manifestiert sich in der Gesellschaft langsam eine abweichende Meinung: Der Mensch ist per se ein Dreckspatz, dem die Regeln der Hygiene auch nach hunderten von Jahren noch nicht so recht geläufig sind. So ähnlich versuchen uns das zumindest Werbung und Medien einzuflößen. Wie sonst erklärt man die Einführung eines Produktes wie den neuen Seifenspender No-Touch von Sagrotan?

Touch oder No-Touch?

Als ich die Werbung neulich zufällig beim Zappen entdeck habe, blieb ich hängen. Wie immer bei Spots von diesem „Wir stoppen die Ausbreitung von Bakterien und Sie sollten uns dabei gefälligst unterstützen“-Unternehmen. Es mag wohl am surrealen Familienbild liegen, das die Faszination dieser Werbefilmchen ausmacht: Mami Mitte 30 beschützt Kind im lauffähigen Alter vor den Gefahren der Umwelt, sprich: fiese Keime, Fleckenteufel und wen man sonst noch zu dieser Alltags-Al-Quaida zählen mag.

Korrigiert mich, wenn ich da einem Logikfehler aufsitze, aber: Welchen Sinn macht es, einen Seifenspender auf den Markt zu werfen, der mir eine Berührung mit den Keimen auf dem Drücker des Spenders erspart? Wo ich doch ohnehin danach den Wasserhahn zudrehen muss. Oder geht das heute auch schon per No-Touch? Hat ja sicher jeder Sensoramaturen in Küche und Bad. Die Biohème ganz sicher. Spart ja Wasser und so. Vom Türgriff im Bad wollen wir erst gar nicht reden, der Papiertuchtrick sollte aber bekannt sein.

Jetzt aber mal im Ernst. No-Touch? In Zeiten der Touch-Revolution, in der Gagdgets aller Art zunehmend per Touch(!)screen bedient werden. Wo Tablets wie das iPad und Smartphones unter Freunden herumgereicht werden und man nie weiß, ob sich auch ein jeder vorher brav die Hände gewaschen hat. Eine Welt ohne Berührung, soll das das Ziel sein?

Der Kampf gegen den internationalen Keim

Eigentlich unfassbar, in welcher Welt die Kinder vor heute aufwachsen müssen. Zu unserer Zeit in den seligen 80ern mussten wir uns gegen Nachbarshunde und Wüterichen auf dem Schulhof zur Wehr setzen, dagegen halfen oft schon ein Holzstock oder ein paar flinke Beine. Kinder von heute ziehen dagegen in eine Schlacht gegen ihre Umwelt:  Zum Frühstück ein Actimel, dann schnell den Mundschutz nach japanischem Vorbild überstreifen und nach jedem Schritt bitte (!) immer (!) die Hände desinfizieren. Resistente Keime, hypochondrische Störungen und Allergien sprechen für sich.

Was bezweckt man mit dieser Art von Erziehung? Man trichert Kindern und kindgebliebenen Erwachsenen ein, dass das Böse überall lauert: im Internet, im Mülleimer, unter der Klobrille und an öffentlichen Auflageflächen aller Art. Das Böse sind in diesem Fall noch Bakterien, später dann Terroristen oder sonstige Systemfeinde. Wie diese mediale Panikmache in Perfektion aussieht, lässt sich immer wieder am erschreckenden Beispiel der USA nachvollziehen. Think about it.



Themen: Fernsehen Hygiene Sagrotan Terror Umwelt Werbung
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Mella, April 01, 2011

Sagromamis
Also hier im Prenzelberg gibt es sicher genug Mamis, die GENAU diesem Bild aus der Werbung entsprechen. Für die kommt so ein Produkt gerade recht. Kann ja nicht steril genug sein. Und wenn die kleinen Racker schön krank sind, dann wird es wenigstens nicht lanweilig. Just my two cents ... Mella
geschrieben von Inge, April 02, 2011

...
Es grenzt an ein Wunder, dass wir alle früher ohne dieses ganze Zeugs überlebt haben... Grins.
geschrieben von ich, April 02, 2011

Nur Dreck macht Speck
Also mein 18 monatiger Sohn hat die dumme Angewohnheit beim Essen immer was fallen zu lassen. Macht nix, er isst es später sowieso vom Boden auf. Macht auch nix, den fegen wir nur. Komplett feucht gewischt wurde er noch nie, schon gar nicht mit Sarg-ro-tan. Komisch, dass mein Sohn noch nie richtig krank war - im Gegensatz zu den anderen Kindern die wir kennen.
geschrieben von Christian-Dieter Wilm, April 03, 2011

...
Ich weis auch warum, einer meiner Gedanken war "Warum ist dies bei mir als Schamanen möglich?" weil auch ich in dieser schwachen Ebene Mensch bin, mit diesem dunklen Anteil behaftet. Hygiene die wir vergessen, ignorieren, denken es wird mit einfachen Reinigern sauber, denken der Müll kann nicht so schlimm sein. Aus der astralen Sicht leben wir im Dreck bis es richtig hell wird in der Luft, anders gäbe es keine Fliegen, Motten, Silberfische und andere Insekten wie Milben. Wir müssen Täglich alles beachten: den Abwasch, den Herd richtig reinigen, die Fliesen des Herdumfeldes, Schränke in der Küche die alles abbekommen des Kochdrecks und Geruchs, Wohnungen die mit Boden und nicht Teppich sind reinigen Täglich,den Müll im Sommer sofort raus bringen wenn er voll und wenns richtig warm ist halb voll, die Gerüche werden sehr schnell stark.
Zum Thema Krank durch zuviel Hygiene kommt dies durch chemische Reiniger die alles an wertvollen Bakterien töten und, noch wichtig, es ist auch die Ernährung, ist diese vollwertig oder eine geringwertige Industriekost durch die wir kaum versorgt werden?! Ich nutze durch meine MCS Geruchsempfindlichkeit nur möglichst natürliche Reiniger aus dem Biohandel. Wer das normale reinigen mit feinen Sinnen riechen kann weis wie das stinkt.
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