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Mein Philibuster
Deck +++ Strömungen +++ Ein stummer Schrei nach Liebe
Dienstag, 19.07.2011
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Kommentare (29) Drucken
 
Junge Journalisten
 

Ein stummer Schrei nach Liebe

Deutschlands Journalisten-Nachwuchs hat einen offenen Brief an die Verleger des Landes geschrieben - unterstützt von einer Online-Petition für bessere Berufsaussichten. Doch so einfach können wir das Gejammer unserer Generationskollegen nicht hinnehmen.
Geschrieben von:   
Junge Journalisten: Schwere Zeiten für Revolutionäre © Flickr Mahmad.Hammoud


Liebe junge Journalisten,

kürzlich habt Ihr Euch in Eurer Verzweiflung an die Verleger unseres Landes gewandt. Habt Sie höflich gebeten, sich doch an Euch zu erinnern. An Euch, den Nachwuchs, dem Billiglöhne und Tarifflucht den Spaß am Qualitätsjournalismus vermiesen. Eine Passage in diesem offenen Brief lautet wie folgt:

„Journalismus ist schon jetzt für viele ein zunehmend unattraktiver Beruf. An den Universitäten und Journalistenschulen erfahren junge Journalisten früh, wie schlecht die Arbeitsbedingungen im Medienbereich geworden sind. Viele von uns erleben, wie Freunde sich vom Journalismus abwenden. Sie gehen lieber in die PR oder suchen sich andere Jobs mit besseren Zukunftsaussichten. Die Verlage werden schon bald Probleme bekommen, noch genug gute Bewerber zu finden. Sehr geehrte Verleger, ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie im Begriff sind, mit Ihrer Honorar- und Lohnpolitik viele sehr gute Leute vom Journalismus abzubringen? Wer möchte am Ende noch für Sie arbeiten, wenn Sie nun die Löhne nochmals drastisch kürzen?“

Seid mir nicht böse, Ihr jungen Journalisten, aber vielleicht habe ich da auch einfach etwas falsch verstanden: Ihr fordert tatsächlich, dass Euch die Verleger die Hintern pudern, weil Ihr einen Traum vom unabhängigen Journalismus träumt? Nur um das mal klarzustellen: In der Welt der Verleger existiert dieses Märchen vom Qualitätsjournalismus höchstens als Witz, den man sich erzählt, wenn man gerade keine Lust hat, über ein Leistungsschutzrecht für Verlage, dieses gemeine Google oder eine feindliche Übernahme der Medienwelt durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schimpfen.

Eure Worte sollten wohl klingen wie ein feuriger Apell an eine Bastion alter Sturköpfe, die junge Journalisten als Kanonenfutter an der Contentfront verheizt. Die ihnen durch mehrmonatige Praktika die Lust auf das Abenteuer Journalismus austreibt und den gutausgebildeten, studierten Qualitätsgaranten mit Auslandserfahrung am Ende auch noch das Einstiegsgehalt kürzt. Ja, das sehe ich ein. Das sind alles gute Gründe, um sich aufzuregen, um dem Frust über die eigene Situation Luft zu machen. Zur Not in einem offenen Brief. Aber mal ehrlich, was zur Hölle wollt Ihr damit erreichen? Hat Euch die Causa Kachelmann nicht gelehrt, wie weit es mit dem Qualitätsjournalismus in Deutschland gekommen ist? Wie er zur Auslegungssache verkommen ist, die einzig zur Profilierung der einzelnen Verlagshäuser dient?

Ich will Euch ja nicht Eure Illusion nehmen, aber gehört es eigentlich nicht zum Handwerkszeug eines Journalisten, sich zu informieren? In Eurem Fall über die Vorgänge in Eurer Branche? Oder seid Ihr bereits jetzt in dem Stadium angekommen, für das man Eure älteren Kollegen müde belächelt? Diese Damen und Herren, die seit Jahrzehnten an ihren Sesseln klammern, die noch zu den „guten Zeiten“ mollig warm gesessen werden konnten? Zeiten in denen Worte existierten wie „Reiseetat“ oder „Spesenkonto“. Wo man Recherchen noch „vor Ort“ durchführte und nicht via virtueller Google-Earth-Tour. Wo man nicht für jede „Story“ einen Hinterbänkler zum Experten kürte, der einem dann brav die Parteilinie ins Blatt diktiert.

Doch wollen wir zu Euren älteren Kollegen zurückkommen. Immer wieder sehe ich die Bilder in den einschlägigen Branchenmagazinen. Bilder von alternden Journalisten, die mit traurigen Gesichtern vor Ihren Verlagsgebäuden stehen und noch traurigere Transparente in die Luft halten. Pappschilder die Aufschriften tragen wie: „Tarifflucht ist unmoralisch!“ oder „Unsere Arbeit ist mehr wert!“ Und die dann nach der Demo wieder in ihre Redaktionsbüros wandern - die längst Beamtenstuben ähneln - und sich wundern, dass dieses Internet ihren Job so ruhelos gemacht hat. Wenn ich Euren offenen Brief so lese und die Kommentare zu Eurer Online-Petition, dann sehe ich Euch bereits jetzt in der selben Position. Ist das alles, was Ihr zu bieten habt? Jammern über das Unausweichliche?

Gut, Ihr seid da einen Schritt weiter. Ihr werbt mit dem Wissen über das Web 2.0, das Ihr gerne in die Verlage einbringen wollt. Im vollen Bewusstsein, dass ein Großteil der Verlage mit diesem Know-How vielleicht überfordert sein wird.  Schlicht und einfach weil sie gelernt haben, dass sich mit diesem ganzen Webgedöns ja nur „lousy pennies“ verdienen lassen, die einem  Google und bald auch noch ARD und ZDF streitig machen wollen. Wer sich heutzutage für einen journalistischen Beruf entscheidet, muss sich im klaren darüber sein, dass der Journalismus längst ein Luxusberuf ist, den man sich leisten können muss. Katja Kullmann hat das ja in ihrem Buch „Echtleben“ ganz gut dargestellt, allerdings mit demselben Problem: Sie jammert über Tatsachen, die ihr bereits im Voraus bewusst waren. 

Liebe junge Journalisten, ich bewundere Euren Idealismus, der Euch antreibt, aber ich verstehe nicht, warum Ihr jammert. Wenn Ihr die Medienwelt revolutionieren wollt, mit Qualität bereichern wollt, dann tut das – auch ohne Verleger. Das von Euch erwähnte Web 2.0 (übrigens ein inzwischen längst überholter Begriff) bietet Euch alle nur erdenklichen Mittel und Wege. Und wenn Ihr unbedingt kämpfen wollt, dann macht Euch stark für einen unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der auch im Netz präsenter sein darf und Euch damit die erhofften Arbeitsplätze als Qualitätsjournalisten schaffen könnte. Aber bitte hört auf zu jammern. Luke Skywalker hat sich schließlich auch nie beim Imperium beschwert, dass die Umstände für eine Rebellion gerade etwas schwierig seien …

Herzlichst,

Michael Stepper

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Jens Berger, Juli 19, 2011

So einfach ist das leider nicht
Lieber Michael,
ich verstehe Dich - und Deinen Ärger - ja sehr gut. Deine Alternative, das Web 2.0, ist aber für viele "junge Journalisten" keine Alternative, da sie leider immer noch brotlos ist. Wer Kosten hat, vielleicht sogar eine Familie, ist leider auf Arbeit- und Auftraggeber angewiesen, die zahlen - und sei es noch so schlecht. Dein Idealismus in Ehren; die Realität ist härter.
geschrieben von Siegfried Heim, Juli 19, 2011

...
Lieber Michael Stepper,
RedakteurInnen mit Pappschildern sehen auch nicht trauriger aus Automobilarbeiter mit Pappschildern. Der Streik ist halt "so was von retro" - zumindest das hat die Generation "irgendwas mit Medien" im Zusammenwirken mit den Kriegern der kapitalistischen Medienkonzerne (= Chefredakteure, Ressortleiter etc.) der Öffentlichkeit und auch den Berufskollegen eingebläut. Deshalb halte ich es durchaus für einen Fortschritt, wenn BerufseinsteigerInnen dran erinnern, dass Verteilungskämpfe auch was mit Demokratie und Gesellschaft zu tun haben. Dass dabei nicht jedes Argument mitten ins Schwarze trifft, ist bei jedem Streik zu beobachten. Deshalb wird Solidarität ja auch immer nur "geübt".
Herzlichst Ihr
Siegfried Heim (1979-2002 Volontär, freier Journalist, Lokalredakteur, 2002-2009 Betriebsratsvorsitzender in einem Regionalzeitungsverlag, seit 2009 ver.di-Tarifsekretär, u.a. zuständig für Verlagsangestellte und DruckerInnen)
geschrieben von Altredakteur, Anfang 30, Juli 19, 2011

...
Entschuldigung, aber das ist so ziemlich der größte Unsinn, den ich in der aktuellen Diskussion bis jetzt gelesen habe.

Woran die "alternden Journalisten" klammern, sind nicht die guten alten Zeiten, sondern ihr Beruf, den man sich in der Tat leisten können muss. Für komplette Aufgabe von Privatleben und dem Konzept von Feierabend muss man selbstverständlich ein Gehalt bekommen, das eine gewisse Attraktivität hat. Bedenkt man, dass man mit ein bisschen Glück mit 30 nen Redakteursvertrag bekommt und die Zeit davor mit hochwertiger Ausbildung, Praktika und Sklavenarbeit für ein paar Cent verbringt, ist es nur angemessen, ein brauchbares Gehalt zu bekommen.

Das Problem an ihrem Beruf ist, dass er sich zunehmend vom Journalisten zum Content-Lieferanten im Akkord wandelt. Den Verlegern geht es natürlich nicht um Journalismus, das ist völlig richtig. Könnten sie mehr Geld mit Obstkonserven verdienen, sie würden es tun. Das allerdings ist überhaupt nicht der Punkt. Geht man von einer Ware Journalismus aus, so muss auch diese sich durch eine gewisse Grundqualität auszeichnen. Darunter ist sie nicht mehr verkaufbar. Sorgt man aber durch massive Personalkürzungen dafür, dass man extremen Arbeitsdruck auf Journalisten ausübt, lässt man sie dann auch noch mehrere Content-Kanäle zusätzlich befüllen und sorgt dann durch Lohnkürzungen dafür, dass mehr Arbeit für weniger Geld gemacht werden muss, dann nimmt man den Leuten, die das Potenzial haben, gute Arbeit zu machen, schlicht das Interesse am Beruf. PR zahlt mehr. In einer Zeit, in der es um die Qualität des Journalismus aufgrund oben genannter Umstände längst nicht mehr gut bestellt ist, gibt man dem Produkt Journalismus den Rest. Die Qualität sinkt definitiv unter das Niveau von "gerade noch gut genug, um es zu verkaufen". Das verstehen die Verleger nur nicht, weil es sich nicht in den Quartalszahlen ausdrücken lässt. Wenn sie sich wundern, dass ihre Einnahmen sinken, verstehen sie nicht, dass sie selbst daran die Schuld tragen, weil sie die wichtigste Ressource, die sie haben, nicht in ihren Taschenrechner eingeben können: Den qualifizierten Journalisten.


Einen Appell an junge Journalisten zu richten, sie mögen ihren Idealismus doch bitte im Internet für lau ausleben, halte ich für zynisch bis boshaft, jedenfalls für wenig konstruktiv. Für lau recherchieren, irgendwas schreiben und veröffentlichen - das kann jeder. Das erkennt man wunderbar an Ihrem Beitrag. Nur mit Journalismus oder fundierter Kritik am Berufsbild des Redakteurs hat das mal so gar nichts zu tun. Wer behauptet, Redaktionen würden Beamtenstuben ähneln, der hat verdammt lange keine normale Redaktion mehr von innen gesehen.
geschrieben von Michael Stepper, Juli 19, 2011

@Jens
Lieber Jens, ich verstehe Deine Kritik. Natürlich ist das Internet noch immer kein Ersatz für einen bezahlten Redakteursjob, doch darum geht es mir auch gar nicht. Ich will grundsätzlich hinterfragen, ob es sich überhaupt noch lohnt, eine journalistische Laufbahn im klassichen Sinne anzustreben oder ob man als Berufsanfäger nicht doch mal den Idealismus beiseite räumt und einen Job mit mehr Zukunftspotenzial wählt. Den idealistischen Zielen kann man dann wunderbar im Netz nachgehen. Das würde die Medienwelt auf jeden Fall mehr bereichern, als seine Talente den großen Verlagen vor die Füße zu werfen. Wie gesagt, das ist lediglich _meine_ Meinung ..
geschrieben von Claus, Juli 19, 2011

...
Wer aufzeigt, dass irgendwo etwas gewaltig schiefläuft, der jammert rum?

Sicher - ein offener Brief an Verlage wird kaum etwas ändern.

Aber was ist die Konsequenz daraus? Es ist so, du kannst es nicht ändern, nimm es hin, halt die Klappe?

Na klar - das gilt ja auch für so viele andere Sachen. Debatten von Parlamentariern über Gesetzesänderungen - Quatschveranstaltungen. Diskussion über gesellschaftliche Missstände - Zeitverschwendung. Revolutionen gegen Diktatoren - lasst es lieber, bringt ja nix.

Sorry, aber das Totschlagargument von der Unabänderlichkeit der Dinge ist mit eines, das gern Verlagshäuser anführen, wenn sie noch weitere Einschnitte bei den Redaktionen vornehmen und das mit dazu beiträgt, diesen Beruf bald zu beerdigen (vielleicht sogar weit mehr als das Internet)

Und Journalisten, die aufhören, Misstände anzuprangen, die haben ihren Berufsstand schon ganz allein beerdigt. Denn genau das ist eine ihrer ureigensten Aufgaben.
geschrieben von lupe, Juli 19, 2011

...
@ Altredakteur
"Woran die "alternden Journalisten" klammern, (ist) ihr Beruf, den man sich in der Tat leisten können muss."

Wenn das so schrecklich ist, Jounalist zu sein, rate ich dazu, die Tätigkeit zu beenden. Ich habe es so gemacht. Ich habe es mir einfach geleistet, damit aufzuhören.
geschrieben von ute, Juli 19, 2011

Gleiche Arbeit für gleiches Geld ... ;)
Nun ... das stete Jammern ist ja immer ein bisschen ein schwieriges Thema, aber vielleicht könnte man ja mit Jammern einfach mal anfangen und dann weitergehen in einen realen Protest.

Was wäre denn zum Beispiel, wenn konsequent alle (ja, ich weiß, ditte ist jetzt Utopie und so) Nachwuchsjournalist_innen nur so viel Arbeit in ihre Artikel hineinstecken würden, wie sie bezahlt bekommen. Schick dahingeworfene Rotzartikel mittels google-Recherche erstellt, rasante O-Töne mit schnieken Hintergrundgeräuschen oder fein vom Telefon abgelauscht und natürlich mit dem Handy aufgenommene Fotos, auf denen Rohrschachmäßig alles zu erkennen ist ... mal sehen, wie die Diskussion um Qualitätsjournalismus dann weitergehen würde.

Es wäre wirklich Schade, wenn wir alle nur noch, ähm, Lehrer und Eventmanagerinnen werden würden, die so nebenbei in ihrem Blog über die wirklich wichtigen Themen schreiben. Das müssen die Künstler_innen ja schon machen. Dass freier Autor ein echt beschissener Beruf ist, der einen in den häuftigsten Fällen nicht ernähren kann, das ist nun mal im Augenblick so - und so lange wir da nix ändern können, gilt halt: Augen auf bei der Berufswahl. Oder Augen zu und durch. Wahlweise.

Und apropos - was waren doch gleich "zukunftsfähige Berufe" - Bestatter_in?
geschrieben von Michael Stepper, Juli 19, 2011

...
@Ute: Sehr gut und als Bestatter hätte man dann auch bereits Erfahrung darin Dinge professionell zu begraben. Dinge wie zum Beispiel den Qualitätsjournalismus ;)
geschrieben von Michael Stepper, Juli 19, 2011

...
@lupe: Genau das ist der Punkt. Man muss es sich "leisten" können. Heutzutage wird es aber gerne als selbstverständlich angesehen, dass man, nur weil man zum Beispiel Journalismus studiert hat, in diesem Metier auch eine Arbeitsstelle findet. Am besten natürlich gut bezahlt und mit unbefristetem Vertag. Dabei wird aber gerne vergessen, dass es sich - heute - um einen reinen Luxusberuf handelt, der in vielen Fällen mit dem Begriff "Contentproduzent" gleichgesetzt werden kann. Den Qualitätsjournalismus, von dem die junge Zunft träumt, findet man vielleicht noch am ehesten - und deshalb fürchten sich die Verleger auch so vor dieser Konkurrenz - beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wer also Interesse hat, in solch einem Umfeld zu arbeiten, sollte erst einmal sebst dazu beitragen, dieses zu schaffen, anstatt ein bereits totes System zu betrauern ...
geschrieben von BenZol, Juli 19, 2011

So einfach ist das leider auch nicht
@Michael Stepper: "Entschuldigung, aber das ist so ziemlich der größte Unsinn, den ich in der aktuellen Diskussion bis jetzt gelesen habe." Abgesehen davon, dass Journalismus nicht ganz so einfach mit einem Produkt anderer Art verglichen werden kann, halte ich ihren Einlass auch für inhaltlich fragwürdig. Die bessere Vergütung der Produzenten eines Produktes bzw. der am Herstellungsprozess Beteiligten führt zu einer höheren Qualität. Eine Möglichkeit der Qualitätssteigerung in der Warenwelt ist natürlich der Konsument. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass Konsumenten in realen Lebenssituationen nie die umfassenden Informationen erhalten können, die sie theoretisch benötigten, um eine durch und durch rational begründete Kaufentscheidung zu tätigen. Der einzig gangbare Lösungsweg hat sich daher als Anrufung einer dritten Instanz herausgestellt. Die Objektivität dieser vermittelnden Instanz wird dabei vorausgesetzt, zumindest jedoch die Objektivierbarkeit und Transparenz ihrer Infornmationen. Gütesiegel versuchen diese Informationslücke für den Konsumenten zu füllen, indem sie quasi arbeitsteilig an der Kaufenstscheidung (und damit der kapitalistischen Qualitätsforderung schlechthin) indirekt beteiligt sind.
Dies ist jedoch für den Journalismus kaum zu leisten und ich bin mir auch nicht sicher, ob man sich in diesem Fall als aufgeklärter Konsument überhaupt darauf ver- bzw. einlassen sollte. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Watchblogs versuchen diese Mechnismen auf journalistische Produkte zu übertragen, jedoch immer mit der Gefahr der Stigmatisierung des Labels, was wiederum wenig über die Qualität der Arbeit der beteiligten Journalisten aussagt.

Und noch eine Bemerkung zum Schluss: das Web 2.0 hat es geschafft, Konsumenten und Produzenten näher zusammen zu bringen. Das haben sie richtig erkannt. Die soziale Distanz, die sie hier mit persönlichen Spitzen gegenüber dem Autor wiederherstellen möchten, ist wahrscheinlich genauso echt wie unreflektiert empfundene Ungerechtigkeit. Das Rad zurück zu drehen ist wohl kaum möglich, eine Atmosphäre der Wertschätzung (die übrigens auch zu einer erhöhten Qualität führt) in dieser neuen Medienwelt zu schaffen, ist eine Aufgabe sowohl für unzufriedene Produzenten als auch für diejenigen, die sich beim Konsumieren darüber mockieren.

In diesem Sinne
Lesen Sie wohl!

Ihr BenZol
geschrieben von BenZol, Juli 19, 2011

scheiße mann, keine Korrekturfunktion
"Die soziale Distanz, die sie hier mit persönlichen Spitzen gegenüber dem Autor wiederherstellen möchten" ... Fehler. Gemeint sind wohl alle anderen Meinungsschreiber. lol
geschrieben von Tim Koch, Juli 19, 2011

...
Interessant, wie immer wieder gesagt wird "das Internet ist NOCH nicht so weit, dass man davon leben kann". Wann ist denn dieses NOCH vorbei? Und woran merkt man es, wenn man an alten Modellen festhält? Es gibt ja durchaus schon ein paar Leute, die sich mit Qualitätsjournalismus im Internet über Wasser halten bzw. sich im Internet einen Namen gemacht haben und dann auch für gutes Geld in klassischen Medien gefragt sind. Sicher, das sind Einzelfälle. Aber es versuchen ja auch nur verdammt wenige!

Wenn die Luft in den Redaktionen dünner wird und man dort ja eh Idealist seien muss, um die Bedingungen zu ertragen, dann würde ich mir mehr junge Journalisten wünschen, die auf das Internet setzten. Wenn man sich (zumindest in Dortmund) mit Journalismusstudenten unterhält, dann haben dort aber nur wenige Ahnung von Blogs und Co. Die wollen alle in die Zeitung...

Und das denke ich ist im Blogpost mit
"Ich will Euch ja nicht Eure Illusion nehmen, aber gehört es eigentlich nicht zum Handwerkszeug eines Journalisten, sich zu informieren? In Eurem Fall über die Vorgänge in Eurer Branche?"
gemeint.

Trotz allem hat natürlich jeder das gute Recht für sein Gehalt und ordentliche Verträge zu kämpfen, was die Verleger da mit jungen Berufsanfängern machen ist oft unwürdig.
geschrieben von Nina, Juli 19, 2011

...
Herrlich - fast noch schöner als der Artikel selbst sind die Kommentare darunter, die, wie der Artikel eigentlich recht schon gezeigt hat, auch nur reflektieren, was ohnehin gesagt wurde. Es gibt im Journalismus kein Geld mehr zu verdienen. Die Momente, in denen einer nach jahrelanger Arbeit als Auslandskorrespondent das Gesicht der Tagesthemen wird oder in jeder zweiten politischen Talkshow sitzt und zeigen darf, dass er DER Mann ist, der all das hinterfragen und verstehen kann, was in den Medien sonst nur unsachgemäß angeschnitten wird, sind nun mal vorbei.

Journalismus ist nicht mehr das, was es mal war - um an dieser Stelle etwas weiterzufloskeln. Das Alter der Journalisten spielt da meines Erachtens keine Rolle, sehr wohl aber die Zeit ihrer Ausbildung. Heute sind manchen Häusern selbst die grundlegendsten Volo-Kurse zu teuer, die ihren Sprösslingen wiederum als gute Zusatz-Schule dienen würden. Hier können die "alten Hasen" den "jungen Füchsen" noch einiges beibringen und ihnen das lehren, was Habermas, Funiok und Co. schon seit Jahren von den Medienmachern fordern: Eine Auseinandersetzung mit dem Berufsethos des Journalisten. Mit dem Rechten und Pflichten eines Medienschaffenden, die er gegenüber sich selbst, seines Genres und vor allem gegenüber der Bevölkerung hat.

Natürlich ist es ein Ideal, dass Journalisten das Fenster zu Welt sind, die noch dem unterbelichtesten Bürger erklären, was eigentlich gerade in Politik und Wirtschaft vor sich geht. Und trotzdem wäre es wünschenswert, wenn sich dieses Ideal umsetzen lassen würde. So lange Journalisten aber an Arbeitgeber gebunden sind - und das werden sie immer sein, des Geldes wegen und damit sie ihren Job bei der "Süddeutsche" oder wo auch immer als persönliche Glanzleistung des Lebens postulieren können und sich damit über die Kollegen anderer Medien stellen - wird das nicht möglich sein. Vorgeschriebene Zeichenzahlen und dem Medium angepasste Meinungsfärbungen sind nicht das, was ich unter einem "freien Qualitätsjournalismus" verstehe.

Richtigkeit, Objektivität, Wahrhaftigkeit, Relevanz und Unabhängigkeit - das ist es, was ein jeder Leser und auch jeder Journalist von sich selbst fordern sollte. Aber mal ganz ehrlich - Hand aufs Herz - wer von uns nimmt sich jeden Tag aufs Neue die Zeit und Muse, genau diesen Punkten gerecht zu werden? Na? Keiner dabei, der über Google recherchiert und eine gefundene Quelle dankend annimmt, anstatt sie noch mehrmals auf ihren Inhalt, ihre Quelle und ihre Glaubwürdigkeit hin zu überprüfen? Nein? Seltsam, woher dann all die Richtigstellungen und Unterlassungsklagen kommen, die abgedruckt oder eingesteckt werden müssen. Der Deutsche Presserat rügt auch nicht aus Spaß an der Freude, sondern aus Leid am journalistischen Handwerk.

Wer also nach Qualitätsjournalismus schreit, sollte sich erst mal darüber im Klaren sein, ob er damit versucht, ein Bild von sich selbst zu schaffen, das er entworfen hat, als er mal als Journalist Karriere machen wollte, oder ob er dem Anspruch daran auch wirklich gerecht werden kann. In Zeiten, in denen KommWiss-Studiengänge überlaufen sind, weil jeder Depp - Verzeihung - "was mit Medien" machen will, weil er es sich finanziell von Haus aus einfach leisten kann, egal, ob er dem Ganzen auch fachlich gerecht werden kann, sollte Branchenidealismus in Ehren gehalten werden. In Zeiten, in denen man in Journalistenschulen ausgebildet wird, die bereits den Namen eines Verlagshauses tragen und ihren Zöglingen somit eine bestimmte Arbeitsweise und Einfärbung bereits von der Pike an mit auf den Weg geben, ist meiner Meinung nach zumindest schon mal fraglich, wie unabhängig Journalismus überhaupt noch sein kann.

Der Aufschrei der Jugend - begründet. Die Bedingungen sind aktuell tatsächlich nicht die besten. Wenig Lohn für einen Anspruch an die Ausbildung eines Kandidaten, die mit Geld kaum zu bezahlen ist - nicht fair. Sicherlich. Aber das ist kein Problem des Journalismus. Das ist ein Problem, das es in anderen Bereichen ebenso gibt, in denen die Qualität der Arbeit vermutlich noch mehr zu leiden hat als in einem Berufsstand, in dem man mit eigener Meinung und Aufklärungsbedürfnis doch immer noch etwas bewegen kann. Der Weg ist das Ziel - ich hoffe nur, dass die, die so laut schreien, sich auch die Mühe machen, den richtigen für sich selbst zu finden und ihn zu nutzen. Die Möglichkeiten, die man als Schreiberling oder Reporter hat, sind technisch gesehen größer denn je - und keiner verbietet einem, auch nach dem offiziellen Brötchenverdienen am Tag noch für seine moralischen Vorstellungen zu kämpfen.

Ohne hier jemandem Honig um dem Mund schmieren wollen, aber der ein oder andere Macher von Philibuster hat selbst erfahren, wie sehr man unseren Berufsstand verändern und in ein positives Licht rücken kann, wenn man sich traut, den Mund aufzumachen - und zwar nicht um zu Heulen, sondern um tatsächlich etwas zu verändern und auf echte, wirkliche Missstände in der Welt hinzuweisen. Also, um was geht's dem Nachwuchs, hm? Ums Ego oder um den Qualitätsjournalismus? Diese Frage sollte jeder für sich vielleicht noch mal klären.
geschrieben von Klaus Feldkeller, Juli 19, 2011

Erst kommt das Fressen und dann die Moral - Jammern hilft wirklich nicht weiter
Die Wahrheit tut eben weh - das lese ich aus den teilweise larmoyanten Reaktionen auf den völlig zutreffenden Artikel heraus.
Fakt ist, dass sich die Tageszeitung-Verleger schwer damit tun, von einst zweistelligen Renditen zu verabschieden und nun betriebswirtschaftlich nachvollziehbar handeln: Kosten runter, das Pferd Zeitung totreiten, um demnächst ein neues kostengünstigeres zu satteln (Internet vielleicht).
In diesem Zusammenhang sei auf den WAZ-Konzern verwiesen, der laut Ex-Herz-Jesu-Sozialdemokrat und Geschäftsführer Bodo Hombach bereits die Zukunftsrichtung vorgibt: Zusatzeinnahmen wie Corporate Publishing, auf deutsch PR, und weitere Kostenkürzungen, bis die allerletzten Abonnenten aus Qualitätsgründen entweder gekündigt haben und/oder verblichen sind.
Eine Tageszeitung wie der Bonner-Generalanzeiger hat an Großanzeigen-Kunden fast ausschließlich noch die Lebensmittel-Discounter wie Aldi und Co., die bereits wegen Reichweiten-Verlusten den Rückzug in Erwägung ziehen. Also: die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Verlegern werden schlechter Von den Verlegern wird gerne auf die Notwendigkeit der Rolle als "vierte Gewalt" hingewiesen, Lobbyisten-Druck mit dem "Leistungsschutz-Gesetz" auf die Poltik ausgeübt, die 7-prozentige Mehrwertsteuer für Presseerzeugnisse gerne verschwiegen, mit Gewerkschaften vereinbarte Honorare nicht bezahlt, im Kern also Verhältnisse wie im Manchester-Kapitalismus ausgelebt.
Insofern hilft Jammern wirklich nicht weiter - denn die Verleger verhalten sich zutiefst kapitalistisch - Erst kommt das Fressen und dann die Moral...
geschrieben von Schreon, Juli 19, 2011

Ihr habt mit der Immatrikulation darauf gepfiffen, ob die Gesellschaft einen Platz für euch hat - nun pfeifft die Gesellschaft eben auf euch.
Beim Arbeitsamt gibt es doch diese Liste mit den ganzen möglichen anerkannten Berufen in Deutschland. Ich finde, an die Einträge dort sollte angefügt werden:

* Durchschnittliches geschätztes Einstiegsgehalt
* Grad der Arbeitslosigkeit in % bei leuten mit diesem Beruf

Das würde viele vielleicht mal aus ihren blauäugigen Illusionsträumen holen. Wer sowas wie Journalismus studiert und dann erwartet reibungslos und bequem ins Arbeitsleben übergehen zu können wie ein Elektrotechniker oder Informatiker, der hat einfach die Augen zu. Da muss ich dem Autor 100&#xig; zustimmen. Das gilt übrigens nicht nur für die Journalisten, sondern für sämtliche "Luxus"berufe. Innenarchitekten, Modedesigner, Tontechniker, Musikstudenten, ...

Es ist völlig egal wie gut eure Leistung ist und wie sehr ihr euch (aus welchem Blickwinkel auch immer) verdient habt, damit Geld zu verdienen. Am Ende zählt 1. was der Markt braucht und 2. welche Plätze die Gesellschaft gerade frei hat. Und das sind Dinge, die nicht irgendwelche Konzernchefs oder Personalmanager entscheiden, sondern ist Resultat eines komplexen Ökosystems.

Wer den Umständen zum Trotze in solch einem "Luxus"beruf loslegt und trotzdem Erfolg hat, ist natürlich zu bewundern und hat Respekt verdient - aber eben auch eine Ausnahme!
geschrieben von Stefan, Juli 19, 2011

jämmerlich
Mag sein, dass es dem Verfasser dieses Artikels genügt seine Informationen aus dem Internet zu beschaffen.

Dem großen Rest sollte das aber nicht genügen. Sehr schade, dass in diesem Land Versuche etwas zu verändern immer mit Herrschaftsargumentationen wie jammern, oder besser noch jammern auf hohem Niveau, abgewürgt werden sollen.

Wir bekommen so den Journalismus, den wir verdienen. Jedes dagegen ist jammern? das ist jämmerlich!
geschrieben von Traurig, Juli 20, 2011

ihr Gehalt muss noch angemessen sein
Von diesem Beitrag bin ich als angehende Online-Redakteurin einfach nur enttäuscht...
geschrieben von deha, Juli 20, 2011

...
Es gab vor einigen Jahren mal die Diskussion, dass Künstler zusätzlich BWL-Kurse besuchen sollten, damit sie lernen, sich besser zu vermarkten. Das hat natürlich für spöttische Reaktionen gesorgt, aber letztlich war was dran. Für uns Journalisten gilt mittlerweile dasselbe.

Denn ein guter Journalist ist nicht der, der das Web 2.0 bedienen und Beiträge multimedial aufbereiten kann, das ist einfach nur Handwerkzeug. Ein guter Journalist muss heutzutage die Selbstvermarktung beherrschen, sich verkaufen können, bloggen, Bücher veröffentlichen, seinen Namen viel stärker zu Marke machen, als vielleicht noch vor zwanzig Jahren. Wer das schafft, bekommt nachher auch mehr Kohle, als jemand, dem der Biss fehlt.

Das ist sicher harte Arbeit und benötigt jede Menge Kreativität, aber da die Jung-Redakteure das Web2.0 beherrschen, sollte das ja alles kein Problem sein...
geschrieben von Tim Koch, Juli 20, 2011

...
@Stefan
"Mag sein, dass es dem Verfasser dieses Artikels genügt seine Informationen aus dem Internet zu beschaffen."

Wieso bestimmt eigentlich für sie das Medium den Gehalt einer Information? Wieso sind Informationen im Internet für sie offensichtlich weniger wert als solche, die auf Papier gedruckt sind? Kann man nicht alles, was in der Zeitung steht auch ins Internet stellen? Sicher steht dort auch viel Quatsch, aber erstens kann man das filtern und zweitens steht auch in so mancher Zeitung viel Unsinn. Und im Netz gibt es keine Grenzen wie zu viele Zeilen oder zu wenige Seiten. Man kann also genau die Informationen liefern, die geliefert werden müssen - und nicht die, die gerade passen (in die Zeitung, dem Verleger, den Anzeigenkunden,...).
Natürlich kann es genügen, seine Informationen "aus dem Internet" zu beschaffen...
geschrieben von Ex-Annette-Kolbler, Juli 21, 2011

Nur noch Hon übrig für solche Beiträge
Wenn jede Niete den Journalistenberuf ergreift, dürfen sich die vielen Nieten nicht wundern, wenn sie keinen Job bekommen. Mit ein bisschen Blabla ist es heutzutage nicht mehr getan! Allerdings sollte man sich nur so äußern, wenn man wirklich gute Noten gehabt hat :). Das Problem beginnt ja schon in Deutschlands miesen Gymnasien, ...
geschrieben von F. Walter, Juli 21, 2011

Nur noch "Hohn" übrig für solche Beiträge
Ich kann nur sagen armes Deutschland: Wenn jede Niete den Journalistenberuf ergreift, dürfen sich die vielen Nieten nicht wundern, wenn sie keinen Job bekommen. Mit ein bisschen Blabla ist es heutzutage nicht mehr getan! Allerdings sollte man sich nur so äußern, wenn man wirklich gute Noten gehabt hat :). Das Problem beginnt ja schon in Deutschlands miesen Gymnasien.
geschrieben von Blöde Sabine P. , Juli 21, 2011

Wer im Glashaus
Das kommt daher, dass man den Journalistenberuf nicht "schützt". Es geht doch nur noch darum, linke Klientel unterzubringen.
geschrieben von K.L. , Juli 21, 2011

Kein Wunder!
Je dümmer die Bevölkerung wird, umso weniger besteht der Bedarf nach Qualitätsjournalismus. Auch hier schlägt das Sarrazinphänomen voll durch.
geschrieben von Klaus Jarchow, Juli 22, 2011

...
Mal andersherum gefragt - wozu brauchen gute Journalisten in Zeiten des Internet überhaupt noch die Verlage? Im Sinne guter Berichterstattung scheint mir deren Funktion doch eher überflüssig geworden zu sein: Druckmaschinen - braucht man nicht mehr; Logistik und Vertrieb - braucht man nicht mehr; Kapital - braucht man nicht mehr ... usw. Nur die Gehirne der Schreiber sind unersetzlich.
geschrieben von lupe, Juli 24, 2011

...
@ BenZol

Ich meinte das mit dem Sich-leisten-können, es sich leisten zu können auszusteigen. Was ich mir mit dem Ausstieg leistete, war arm zu sein, Leistungen zu erhalten:
Damals noch zwei Jahre lang Arbeitslosengeld, anschließend über mehrere Jahre Alg 2 (im Volksmund und in Medien "Hartz 4" genannt). Inzwischen habe ich eine andere, sinnvolle Beschäftigung gefunden.
geschrieben von Ulf J. Froitzheim, Juli 30, 2011

Sich auszukotzen ist auch nicht besser als zu jammern
Lieber Michael Stepper,

überhebliche Polemik wie diese...

"Ihr fordert tatsächlich, dass Euch die Verleger die Hintern pudern, weil Ihr einen Traum vom unabhängigen Journalismus träumt? Nur um das mal klarzustellen: In der Welt der Verleger existiert dieses Märchen vom Qualitätsjournalismus höchstens als Witz, den man sich erzählt, wenn man gerade keine Lust hat, über ein Leistungsschutzrecht für Verlage, dieses gemeine Google oder eine feindliche Übernahme der Medienwelt durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schimpfen."

...löst das Problem auch nicht. Okay, wenn man so einen Text rauswürgt, kann man sich in die Tasche lügen, man hätte nicht gejammert. Ja, man hat sich ausgekotzt, nicht gejammert. Weil beides gleichzeitig nicht geht.

Peinlich ist nur, wenn man mindestens ebenso naiv ist wie die, die man angreift. Dass öffentlich-rechtliche Anstalten im Parteienstaat der Quotensucht abschwören und dem Journalismus wieder seinen Stellenwert zurückgeben, ist aus vielerlei Gründen kindliches Wunschdenken.

Ich bin als alter Sack, der frei arbeitet (und daher nicht auf einem der gar nicht so bequemen Redaktionsstühle sitzt; in Redaktionen gibt es keine Chefsessel mehr, in die man pupsen könnte), sehr froh, dass es noch junge Kollegen gibt, die sich nicht alles bieten lassen. Auf absehbare Zeit braucht dieses Land noch Zeitungen. Was es nicht braucht, sind Verleger, die sich einbilden, dass eine Sparspirale aufwärts führt.

Solche Spiralen führen immer nach unten. Das ist der Milka-Effekt: Weil Supermärkte die Kunden jahrzehntelang mit billiger Marken-Tafelschokolade locken wollten, musste der jeweilige Hersteller (erst Suchard, dann Jacobs, inzwischen der US-Multi Kraft) an der Qualität der Zutaten sparen, um bei den gewohnten Schwellenpreisen bleiben zu können. Als Kind habe ich Milka geliebt, heute finde ich sie furchtbar.

So geht es Zeitungslesern auch. Aber anders als bei Schokolade gibt es bei (Regional-) Zeitungen nicht den Effekt, dass Genießer auf edlere Fabrikate umsteigen können, während immer mehr anspruchslose Vielfraße die Produktion doch noch irgendwie wegfuttern. Auflagenschwund kann man nicht wettmachen, indem man Zeitungen im Fünferpack verramscht.

geschrieben von flunky, August 01, 2011

Diamant Prinzessin Toad
Hier ein Video ein lustigen mutigen Katze.

http://www.youtube.com/watch?v=TDKij1hBPJ8&feature=player_embedded

Ist informativer und lustiger als die letzten 10 PB Artikel,die sich nur noch um Motzen und Kotzen beschäftigen...

geschrieben von Sam, August 30, 2011

...
Da gebe ich dir vollkommen recht. In Deutschland muss sich was ändern, aber nicht in den Firmen sondern in den Köpfen der Politikern. Eine Arbeit ist nunmal unattraktiv wenn man dafür den gleichen Lohn wie, der einer Putzfrau erhält. Deutschland fördert Unternehmen, die Leute befristet einstellen, aber danach .. wenn die Förderung vom Staat ausbleibt? Dann sind die Menschen auch schnell wieder auf der Straße anzutreffen. Aber die Förderung? Die bleibt im dicken Geldbeutel der Firmenvorstände.

Desweiteren kann ich so manche Sätze meiner Vorredner nicht nachvollziehen. Wer dummes schreibt, wird auch nie großes Erreichen. Und das ist auch gut so. Aber als guter Journalist, keine Chance zu bekommen ist was anderes.

Ich persönlich bin zwar kein Journalist aber berichte fast täglich auf meinem Retro-Blog http://retroo.de über die fünfziger bis achtziger Jahre. Ich weiß was Recherche-Arbeit bedeutet, neue Artikel-Themen zu finden usw. und wünsche deshalb jeden Jung-Journalisten viel Erfolg seine Ziele zu verwirklichen!
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