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Deck -> Strömungen -> Plumpe Geschlechtsteillyrik
Mittwoch, 13.06.2012
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K.I.Z.-Cover Hurensohn
 

Plumpe Geschlechtsteillyrik

Die Macher des Jugendformates "klub konkret" scheitern mit ihrem K.I.Z.-Cover "Hurensohn" am Jugendschutzbeauftragten. Da stellt sich die Frage: Wie viel Popkultur verträgt eigentlich der Öffentlich-rechtliche Rundfunk?
Geschrieben von: Marko Pfingsttag   
Sie hat Hurensohn gesungen! © klub konkret Video-Screenshot


Eines der gröbsten Wörter, die man zu meiner Zeit als Kind im Mund führen konnte, war "Hurensohn". Oder, wie man in meiner dörfischen Heimat in der S-Bahn-Unterführung an die Wand zu sprayen pflegte: "Churrensohn".

An einem ganz bestimmten Hurensohn entfachte sich nun ein Streit in der ARD-Senderfamilie: In der EinsPlus-Show "klub konkret" wurde eben jener der Berliner Rüpel-Rapper (das wollte ich schon immer mal so schreiben, hihi) K.I.Z. rezitiert: "Du Hurensohn, ich mache Party auf deinem Grab", sang eine der Moderatorinnen zu süßlicher Melodie. Man wollte herausfinden, ob das geht: einen der an grober Geschlechtsteillyrik nicht armen K.I.Z.-Songs zu einer Pop-Ballade ummodeln.

Generationenkonflikt beim Öffentlich-rechtlichen Rundfunk

"Gehtmalgarnicht", sagte fast eine ganze Woche später der Jugendschutzbeauftragte des SWR, die Sendung sei angelegt für eine Zuschauerschaft zwischen 14(!) und 29 – er veranlasste quasi eine Sperrung des YouTube-Videos. "Sperren gehtjamalgarnicht", beanstanden die konkreten Klubber – "zumal wir gesagt hatten, dass der Song ab 16 Jahren ist" –, und so machen sie – Jetzt-erst-recht-Rebellen, die sie sind – täglich ab 22 Uhr das als "privat" deklarierte Video wieder zugänglich.

Vielleicht ist diese ganze Aktion ja nicht mehr als ein geschickter Marketing-Gag, weil gerade solche "Sie hat 'Pimmel' gesagt"-Nummern ja irgendwie immer zumindest ein Skandälchen provozieren und junge Formate bei Spartensendern sowas ja gut gebrauchen können. Egal. Ich will mir kein pädagogisches oder juristisches Urteil darüber erlauben, ob nun 14 oder 16 das geeignetere Alter ist, um im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit "Hurensohn" und einer "Fotze als Ohr" konfrontiert zu werden. (Überhaupt: Welcher Untersechzehnjährige kuckt mittwochs um 20:15 exakt DIESEN Spartensender – und nicht etwa DMAX, mit den Ludolfs?) Aber: Tut es Not, im Rahmen einer Show zum Thema Liebe und Monogamie solch ein Experiment herbeizuzwingen, auch noch unter Zuhilfenahme von K.I.Z.? Bereits diese haben das Manko, für jede grandiose Line mindestens zwei lausige zu bauen. Wüsste man nicht, wieviel Holzhammer-Persiflage dahintersteckt, man ertrüge es kaum.

Denn ich brüll' rum wie bekloppt!

Wenn Tori Amos SLAYER covert, ist das eine Sache, womöglich sogar hohe Kunst. Wenn Jugendfernsehen grenzgängerische – wenn auch unterhaltsame – Arschfickrapper rannimmt, dann ist das weder experimentell noch provokant, dann ist das bemüht und ähnlich daneben wie Lady Bitchs Ray Vaginalgeprole, oder in cool distanziertem lingo "Blowjob" zu sagen, weil man etwas viel pfui-bah!-eres meint. Dass den hauseigenen jungen TV-Laboratorien die wenig experimentierfreudigen ÖR-Altherrenriege so dazwischengrätscht, die seit der KIKA-Schwanzvergleichs-Affäre für Untergürtellineares sensibilisiert zu sein scheint, ist eher peinlich als dass es Anlass zu "Zensur!"-Aufschreien bietet. Beim ÖR wurden schon ganz andere Dinge unterbunden – ein Hurensohn zur Hauptsendezeit mehr oder weniger fällt da nicht ins Gewicht.

Es wird halt viel geklappert und auf die Brust getrommelt. Das gehört zum Geschäft. Um es mit K.I.Z. zu sagen: Jeder im Club guckt nur auf mich, denn ich brüll' rum wie bekloppt. 

Hier noch das "umstrittene" Video, das es allerdings nur zwischen 22 und 6 Uhr und sehen gibt. Eigentlich, denn es ist gerade kurz nach 8 und es ist sichtbar. Wenn das der Jugendschutz wüsste ...



Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Magnus Berg, Juni 22, 2012

ACH wirklich?
Ach müssen die immer gleich so übertreiben und das zensieren? Andererseits ist der Song ja auch nicht gerade clever ausgewählt. Da wollten halt ein paar Teenies provozieren, so ganz nach dem Motto: Wir sagen einfach mal "Penis" und kucken, was passiert. Billiger geht's nicht ...
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