Schließen

Kostenlos registrieren!

  • Vertiefen und Erweitern Sie Ihr Netzwerk
  • Profile ansehen und neue Freunde hinzufügen
  • Teilen Sie Fotos und Videos mit der Community
  • Erstellen Sie eigene Gruppen und werden Sie Mitglied bei anderen Gruppen


Mein Philibuster
Deck +++ Strömungen +++ ZDF - experimentierfreudig gegen die Vergreisung
Dienstag, 06.09.2011
(95 Bewertungen)
Kommentare (2) Drucken
 
Neues Deutsches Fernsehen - Teil I
 

ZDF - experimentierfreudig gegen die Vergreisung

Das ZDF beweist mit seinen digitalen Spartenkanälen ZDFneo und ZDFkultur immer mehr Experimentierfreudigkeit für junge Zuschauer. Wir sollten das langsam mal zu schätzen wissen und diesen Weg unterstützen, wenn uns das deutsche Fernsehprogramm noch irgendwie am Herzen liegt.
Geschrieben von:   
Holt die Glotze aus dem Keller, es gibt wieder was zu sehen © Flickr skippyjon


Es tut sich was in der deutschen Fernsehlandschaft. Wer sich ab und an in die abgelegenen digitalen Gefilde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verirrt, wird das sicherlich bemerkt haben. Für mich und einen immer größer werdenden Teil meines Freundeskreises werden diese neuen Angebote immer mehr zu einem Refugium abseits der On-Demand-Mentalität von YouTube und Konsorten. Wächst in uns klassisch erzogenen Fernsehkindern doch das Verlangen nach Entschleunigung und - ja - anspruchsvoller Programmführung.

ZDFneo und ZDFkultur - Entschleunigung für die Generation Facebook

Vor lauter Netz-Reizüberflutung haben wir ganz vergessen, dass es einmal Leute gab, deren Job darin bestand, anderen Menschen Kulturgüter nahezubringen. In einem aufwendigen Prozess getrieben von Leidenschaft, Neugier und einem treffsicheren Geschmack. Heutzutage sind wir mit dieser Aufgabe weitestgehend auf uns allein gestellt. Unsere Pinnwände sind zwar voll mit Musiktipps unserer Freunde, mit Videoempfehlungen und Lesetipps. Und während die Videoplattformen – trotz heftigem GEMA-Veto - täglich überquellen durch einen steten Zufluss von altem und neuem Material, bleibt es an uns hängen, uns durch diesen Dschungel zu schlagen. Wie auf der Flucht hangeln wir uns im Büro, im öffentlichen Nah- und Fernverkehr und sonstwo von Clip zu Clip, konsumieren mediales Fast-Food, um so etwas wie kulturelle Befriedigung zu erfahren.

Aber welche Alternativen hatten wir denn in den letzten Jahren? Wo man uns einerseits das Musikfernsehen – mit dem wir aufgewachsen waren – genommen hat, um es in eine Müllhalde aus Datingformaten und Klingeltonwerbung zu verwandeln. Was Spielfilme und Serien anging konnten  viele meiner Freunde und ich uns glücklich schätzen, im Grenzgebiet zu Österreich aufzuwachsen, wo uns der ORF die Hollywood-Blockbuster ganz ohne Leo Kirchs Pay-TV-Totgeburt Premiere und nervige Werbeblöcke à la RTL, SAT.1 und ProSieben servierte. Doch je älter wir wurden und je weiter wir uns dadurch von der Heimat entfernten, umso weniger wurden die Chancen auf anspruchsvollen Fernsehgenuss.

Mit Qualität gegen den Quotenwahnsinn

Aus purem Trotz und weil uns der Instant-Dreck der Privaten so gar nicht schmeckte, versuchten wir es erst mit kaltem Entzug. Wir suchten Trost bei 3sat, Arte, ARD und ZDF, doch das hochgestochene Geschwurbel der deutsch-französischen Geschmackspolizei und das oberlehrerhafte Hochkulturdiktat aus dem angrenzenden (Ex-)Steuerparadies bekamen unseren Mägen ebensowenig wie die Rentner-Formate der beiden großen Sender. Viel zu oft fragten wir uns, warum wir mit unseren Rundfunkgebühren, einen bunten Zoo an Talkshow-Egomanen unterhalten müssen, während man sich um unsere Belange einen feuchten Dreck schert.

Man kann dem ZDF insofern nicht genug danken, dass es sich in den letzten Monaten reichlich Mühe gibt, ein Programm für die jüngeren Generationen auf die Beine zu stellen. Bislang zwar nur im digitalen Nirvana und abgeschnitten von der breiten Öffentlichkeit, aber immerhin. Während sich die ARD in diesem Bereich entwicklungstechnisch noch nicht einmal in den Kinderschuhen befindet, haben mit ZDFneo, ZDFkultur und ZDFinfo bereits drei vielversprechende Sender erfolgreich Einzug in das Portfolio am Lerchenberg gehalten. Und „erfolgreich“ meint hier nicht den Erfolg gemessen an Quoten, mit denen Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Gehversuche schlechtreden wollen. Quoten haben meiner Meinung nach beim ÖR sowieso nichts verloren. Gebührenfinanzierte Programme bedürfen imho keiner Rechtfertigung, wie gut Sendung X oder Y jetzt performen, sondern sollten – dank ausreichender Finanzierung – Entwicklungsspielraum lassen, den die Privaten ihren eigenen (oder eingekauften) Formaten erst gar nicht einräumen. Hier gelten die (der Nachhaltigkeit selten dienenden) Regeln des freien Marktes: was nicht performt fliegt raus.

Totgesagte Medien leben länger

Umso wichtiger ist es, dem Format-Einheitsbrei der Privaten (dem sich ARD und ZDF aus Verzweiflung auch gerne mit eigenen Formaten anschließen) frische Ideen entgegenzusetzen. Das TVLab von ZDFneo in der letzten Woche war da bereits ein lobenswerter Versuch, frischen Wind ein totgesagtes Medium zu bringen, das nach wie vor größeres Potenzial besitzt, als man ihm heute durch miese Programmgestaltung zutraut. Zugegeben, nicht alle Formate, die zur Wahl standen, waren bahnbrechend. Vieles war aufgewärmte Kost aus längst vergangenen Tagen, oft ein wenig zu sperrig, zu deutsch und der Versuch, diese Altlasten durch schnelle Schnitte und visuelles Brimborium zu kaschieren zu offensichtlich. Doch es war ein Anfang und was will man erwarten, wenn es erst einmal darum geht, eine Nation wieder an anspruchsvolleres Pogramm zu gewöhnen?

Ich für meinen Teil kann es noch immer nicht glauben, dass ich jetzt zu fast jeder nachtschaffenden Stunde „Later with Jools“ auf ZDFkultur und andere (wenn auch nicht immer topaktuelle) BBC-Produktionen genießen darf, ohne dabei vor dem Rechner zu hängen und mich ärgern zu müssen, dass bei YouTube der letzte Teil der Sendung mal wieder nicht verfügbar ist.

Da können Verleger, Privatsender-Chefinnen und andere Schrottproduzenten mal sowas von die Klappe halten und sich schämen, dass sie unsere Medienlanschaft in den letzten zwei Jahrzehnten zu dem gemacht haben, was viele von uns heute zutiefst verachten. Wir hier werden uns diese Errungenschaften garantiert nicht wieder nehmen lassen und uns zukünftig stärker diesen Themen widmen. Auf dass das Zitat aus Hans Weingartners „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“, sich vielleicht doch noch irgendwann ins Gegenteil umkehrt: „Wenn man den Leuten nur lang genug Mist vorsetzt, wollen sie irgendwann nichts anderes mehr als diesen Mist.“



Themen: Fernsehen ZDF ZDFNeo ZDFkultur
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Malte Berger, Oktober 01, 2011

Neues Fernsehen für die Generation Facebook
Ich bin froh, dass wir zdfneo und zfdkultur haben. Zwar nicht immer einfach zu empfangen (wenn die Vermieter aus Kostengründen an analogem Kabel festhalten), aber definitiv ein Schritt in die richtige Richtung und ein Weckruf an alle, die sich nicht länger vom stumpfen Privatsender-Einelei für dumm verkaufen lassen wollen!
geschrieben von Sebi, Oktober 29, 2011

Kritik muss sich dieser Beitrag gefallen lassen
Deutlich glaubwürdiger wäre dein Beitrag, wenn hier nicht Werbung von genau diesen coolen hippen neuen Sendungen auf Philibuster zu finden wären. So ordne ich den Artikel eher in der Ecke der schlechten, weil auffälligen, PR ein. Wenn ich mir aber ältere Beiträge anschaue, dann kann man eine schon immer dagewesene Glorifizierung der öffentlich-rechtlichen herauslesen.
Kommentar schreiben:

kleiner | groesser
Bitte den folgenden Code eintragen
security code
busy
 

FOLGT UNS

Philibuster bei FacebookPhilibuster bei TwitterPhilibuster RSS FeedE-Mail-Abonnement

Philibuster-Fan werden

Meistgelesene Artikel


Neueste Beiträge

Meistgelesen