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Mein Philibuster
Deck +++ Strömungen +++ Null Panik trotz Phobien
Mittwoch, 20.10.2010
(66 Bewertungen)
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Alltagsängste
 

Null Panik trotz Phobien

33 Geschichten, 32 Phobien und die Erkenntnis, dass Humor oftmals ein Privileg derjenigen ist, die manchmal nicht viel zu lachen haben. Wir sprachen mit Mareile Kurtz über ihr Buch „Pfui Spinne, Watte, Knopf!“.
Geschrieben von:   
So viele Dinge, vor denen man sich ekeln kann © Nico Klein-Allermann


Philibuster: In Deinen Geschichten nimmst Du das Thema „Phobien“ auf die Schippe und erzählst 33 lustige Geschichten über Alltagsängste. Warum fiel Deine Wahl auf einen humorbasierten Ansatz?

Mareile Kurtz: Ich habe das ganze Buch bewusst augenzwinkernd geschrieben. Das war natürlich auch deshalb möglich, weil die Menschen, die mir ihre Phobie-Geschichten erzählt haben, auch über ihre „Macke“ lachen konnten. Und es geht ja bei den Phobien, die ich beschreibe, nicht um Angsterkrankungen, die massiv einschränken und die Lebensqualität stark mindern oder eine Teilhabe am „normalen“ Leben unmöglich machen, sondern um spezifische Phobien. Deswegen konnte ich mir die humorvolle Perspektive auch bei diesem eher ungewöhnlichen Thema erlauben.

Philibuster: Humor also als Strategie, um die „Angst vor der Angst“ zu mindern?

Mareile Kurtz: Mit Sicherheit. „Angst“ ist in Deutschland ja generell ein ganz großes Thema – wir haben da ja mittlerweile Dimensionen erreicht, in der Ängste geradezu verteufelt werden. Alles muss funktionieren, normal sein, angepasst sein. Und darüber wird oft vergessen, dass Angst etwas ist, das zum Leben dazu gehört. Wie essen, trinken und schlafen.

Philibuster: Dein Buch wendet sich durch seinen Stil so gesehen auch gegen die massive Pathologisierung von Phänomenen, die nicht in die Schublade der normierten Gesellschaft passen. Warum?

Mareile Kurtz:
Mir war es wichtig, vor allem einen aufmunternden Beitrag leisten. Es ist ja so, dass Personen mit Phobien zusätzlich auch oft Angst haben, ausgelacht zu werden – eben weil so eine „Macke“ nicht ins Gesellschaftsbild passt. Das verstärkt ja dann auch oft unnötigerweise den Leidensdruck. Daher denke ich, dass man sich nicht demobilisieren lassen sollte, wenn man eine Phobie hat. Das beste Mittel kann da manchmal ganz einfach Humor sein.

Philibuster: Humor also als Lebensoptimierungsstrategie?

Mareile Kurtz: Ja, auf jeden Fall. Humor sollte man sich auf jeden Fall im ganz großen Stil leisten, wenn man eine Alltagsphobie hat. Da kann man dann auch mal in den Momenten, wo es ganz dicke kommt, ganz locker mit sich selbst ins Zwiegespräch gehen und sagen: „Angst, du übertreibst jetzt gerade mal ein bisschen!“ Und dann geht es meistens schon ein bisschen besser.

Philibuster: Du erzählst insgesamt 33 Geschichten über 32 ganz spezifische Phobien. Es ist ja schon erstaunlich, dass es solch eine ausdifferenzierte Liste von Phobien gibt.

Mareile Kurtz: Es ist wirklich alles dabei - von der Clown- bis zur Geschirrphobie. Deswegen auch der Erkenntnisgewinn für mich: Es gibt wirklich nichts, vor dem man keine Phobien entwickeln kann. Und ich muss auch sagen, dass es erstaunlicherweise einfacher war als gedacht, Menschen zu finden, die über ihre Alltagsphobien berichten. Es brauchte wirklich nur wenige Anstöße, beispielsweise in sozialen Netzwerken, und schon trommelten die Mails und Anrufe von Leuten, die über ihre Phobie erzählen wollten, auf mich ein. Da merkte Ich, dass ich quasi in ein Wespennest gestochen hatte.

Philibuster: Wenn man eine so unkonventionelle Perspektive wählt wie Du – wie sehen da die Reaktionen aus?

Mareile Kurtz: Größtenteils durchweg positiv, wobei es natürlich auch von mancher Seite die Frage gab, ob ich in meinem Buch die Personen nicht „lächerlich“ mache oder Phobien bagatellisiere. Das ist aber natürlich Quatsch, weil alle, die ich für mein Buch befragt habe, selbst ziemlich gut über sich selbst lachen konnten, und es schließlich um Alltagsphobien geht. Das hängt aber vielleicht auch mit der weit verbreiteten Mentalität zusammen, die ja stets in die folgende Richtung geht: „Oh Gott, du hast eine Phobie?! Das ist ja schrecklich! Kann man was dagegen machen?!“ Dabei ist es doch so: Wenn ich etwas nicht anders kenne und es mich nicht massiv einschränkt – warum sollte ich es mir dann anders wünschen?

Philibuster: So, zum Schluss lüften wir noch das mittlerweile allseits bekannte Geheimnis. Du bist ja selbst Knopf-Phobikerin und hast Dich spätestens mit Deiner Knopf-Kolumne hier bei uns öffentlich „geoutet“. Wie war es, mit Leidensgenossen zu sprechen, und was gibst Du allen Alltagsphobikern da draußen mit auf den Weg?

Mareile Kurtz: Ich glaube, zunächst mal ist es ein schönes Gefühl zu wissen, dass „wir“ so viele sind. Das hat mich selbst total überrascht, und das trägt natürlich dazu bei, dass man noch lockerer mit der eigenen Macke umgehen kann. Und generell möchte ich auch meine Erfahrung weitergeben, dass es das Beste ist, ganz ungezwungen und offen über seine Alltagsphobie zu sprechen. Das macht alles viel unkomplizierter. Meine Knopf-Phobie ist zum Beispiel mittlerweile ein ganz großer Partykracher, und ich kann mich mit allen möglichen Leuten darüber kaputt lachen. Insofern möchte ich einfach die Botschaft mitgeben, dass es schön und befreiend sein kann, wenn man sich selbst die „Angst vor der Angst“ nimmt. Und dass man einfach auch mal eine andere Perspektive zulässt – weil alles, was uns eigenartig macht, uns gleichzeitig auch interessant und liebenswert werden lässt.

Infos zum Buch:
Titel: Pfui Spinne, Watte Knopf!/Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf/Seiten: 250/Preis: 9,95 Euro
Das Buch ist ab sofort bei Amazon und im Handel erhältlich und lässt sich hier bestellen.


Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Russell, Oktober 22, 2010

Phobien
Oft denkt man bei Phobien ja an die Nachwirkungen von traumatischen Erlebnissen, was aber auf diese Ekelängste wohl nicht immer zutrifft. So ekle ich mich zum Beispiel seit meiner Kindheit vor Badeseen und natürlichen Gewässern, weil ich nicht weiß, ob sich irgendwelche ekligen Fische darin aufhalten. Trotzdem wurde ich niemals von einem Fisch gebissen oder ähnliches.
geschrieben von Naaa, Oktober 23, 2010

...
Seit ich mich erinnern kann finde ich rote Getränke eklig.Es gab nie ein Erlenis wieso ich das haben sollte ,aber ich hab es.Wenn ich ein rotes getränk sehe ,ist es das selbe wenn ich Kotze sehen würde.
Ich verstehe menschen mit Phobien sehr gur,ich kann nachvollziehen was sie empfinden wenn sie zum Beispiel einen Knopf sehen.
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