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Deck +++ Strömungen +++ Big in America
Dienstag, 15.03.2011
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Pretty Bo!
 

Big in America

Das Bielefelder Hip-Hop-Label NGU-Records setzt konsequent auf die Vernetzung mit Künstlern aus den USA und präsentiert nun den ersten Künstler aus der Heimat. Anlass für uns, Geschäftsführer Torben Storck und Newcomer „Pretty Bo!“ aka Michael Wilson zum Gespräch zu bitten.
Geschrieben von:   
Michael Wilson aka Pretty Bo! © Carolin Wessel / Philibuster


Philibuster: Torben, Deine NGU-Music-Group, die das Label NGU-Records und den Musikverlag NGU-Publishing unter einem Dach beherbergt, hat von Anfang an auf starke Vernetzung mit der Szene in den USA gesetzt und Du hattest mittlerweile schon wahre Business-Größen wie TQ und die „Ying Yang Twins“ zu Aufnahmen in Deinem Bielefelder Studio. Wie kam es dazu?

Torben Storck: Das war eine Entwicklung, die ich eigentlich von Anfang an verfolgt habe. Ich habe vor ein paar Jahren mit der internationalen Vernetzung begonnen – über bekannte Kanäle wie Myspace beispielsweise. Dadurch haben sich viele Kontakte ergeben, die immer intensiver wurden und den Grundstein für meine Tätigkeiten im Bereich Künstler-Promotion legten. Dann kam eins zum anderen: Mixtapes, Produzenten-Tätigkeiten, die Gründung von „Never-Give-Up“-Promotion und letzten Endes die Gründung des gleichnamigen Labels, das ich heute unter der Abkürzung NGU-Records betreibe. Und letzten Endes ist die Art von Hip Hop, die ich produziere, eher auf den amerikanischen Markt ausgerichtet und hat weniger mit dem, was großflächig in der deutschen Szene produziert wird, zu tun – natürlich auch, weil ich auf englischsprachige Tracks setze und verstärkt mit Künstlern aus den USA zusammen arbeite. Und weil ich meine Aktivitäten insgesamt auch darauf auslege, Künstler in den USA zu platzieren – auch, um mal ein anderes Deutschlandbild zu zeigen.

Philibuster: „Pretty Bo!“ alias Michael Wilson ist der erste Künstler, der von NGU-Records unter Vertrag genommen wurde – und aus dem Raum Bielefeld. Michael, wie kam es zu der Zusammenarbeit und überhaupt zu Deiner musikalischen Laufbahn?

Michael Wilson: Das hat sich mehr oder weniger aus Zufall ergeben. Ich persönlich habe früh angefangen, Musik zu machen – aus den bekannten Gründen, da meine ganze Familie musikalisch war. Von Gospel-Chor-Mitgliedern in der Familie bis hin zu Performances auf Familienfeiern war eigentlich alles Obligatorische dabei. Mit neun Jahren habe ich meine ersten Texte geschrieben; Vorbilder waren damals für mich zum Beispiel Tupac, Snoop Doog und Lil Wayne. Und der erste Track, den ich aufgenommen habe, war „Lean Back“ von Fat Joe – den habe ich meinem Onkel gewidmet. Mit 13 hatte ich das erste Mal die Möglichkeit, mit einem Label aus Bad Oeynhausen zusammenzuarbeiten, später habe ich mir dann auch privat das notwendige Equipment angeschafft. Und dann immer wieder in Studios Tracks aufgenommen, die ich in diversen Clubs in der Umgebung spielen ließ – zuletzt immer Mal wieder bei NGU-Records. Letztes Jahr, kurz vor meinem 18. Geburtstag, stand ich wieder bei Torben in der Bude und wollte aufnehmen – und da hat er mich dann unter Vertrag genommen.

Philibuster:
Jetzt geht es ja langsam los: Die ersten Tracks sind im Kasten, das erste Video „Pretty Bo!“, in dem auch Supertalent-Kandidat Ethan Jerome Coleman mitwirkt, wird veröffentlicht. Einigermaßen spektakulär ist ja, dass Ihr bereits die erste Kurz-Tour durch die USA hinter Euch gebracht habt.

Torben Storck: Ja, das stimmt, wir sind ja im Dezember letzten Jahres – also zwei Monate nach Vertragsunterzeichnung - direkt zusammen in die Staaten geflogen. Das war natürlich schon eine Aktion mit gewissen Dimensionen für Michael: Die ersten Gigs hatte er ja direkt in Long Beach City und Las Vegas, außerdem diverse Radio-Interviews und Begegnungen mit echten Legenden, wie etwa Krayzie Bone von „Bone Thugs n Harmony“. Und letzten Endes stand er dann auch irgendwann immer wieder in Menschenmeuten und musste Autogramme schreiben – das ist schon eine Hausnummer für sich. Auch, weil direkt die nächsten Kooperationen und Pläne auf der Liste stehen: Soundtrack zum Tanzfilm „Subculture“, eine College-Tour im nächsten Jahr durch die USA und natürlich Tour-Aktivitäten in Deutschland – da ist von Gigs in Schulen bis hin zu einem geplanten Auftritt bei der „YOU“ im September einiges dabei. Da kann man schon sagen, das geht grad alles sehr schnell.

Philibuster: Wie schafft man es, das alles unter einen Hut zu kriegen?

Michael Wilson: Da muss man ganz einfach diszipliniert sein. Ich bin ja grade noch dabei, mein Abitur zu machen und arbeite nebenbei auch – das heißt, da muss ich mich schon gut organisieren, um alles auf die Reihe zu kriegen. Das macht mir aber nicht viel aus, weil es ja genau das ist, was ich immer machen wollte. Statt „rumhängen“ in der Stadt ist dann eben Lyrics lernen, texten oder aufnehmen angesagt – das nehme ich aber gerne in Kauf, und meine Freunde akzeptieren glücklicherweise auch, dass ich nicht mehr für alles Zeit habe. Und Torben hat auch immer ein Auge darauf, dass es nicht zu viel wird, und plant zum Beispiel feste Studiopausen ein.

Philibuster:
Ihr vertretet ja mit den NGU-Produktionen einen Stil, der auf Message setzt und auf Gangster- und Ghetto-Klischees verzichtet.

Michael Wilson: Ja, klar. Ich meine, letzten Endes können wir hier in Deutschland nicht so tun, als ob wir etwas leben, was wir nicht sind. Wenn einige Amerikaner diese Schiene fahren, dann ist das weitaus authentischer: Die leben das ja teilweise. Alleine das, was ich in Las Vegas so gesehen habe: Da sieht man Bilder vom Elend, die einem hier so nie begegnen würden. Leute, die im Einkaufswagen ihre Sachen durch die Gegend fahren. Obdachlose, die Beinamputationen hinter sich haben und ohne Krücken unterwegs sind. In den Clubs ist es so, dass man davon ausgehen kann, dass die, die nicht tanzen, eine Knarre dabei haben. Man kann jederzeit abgeknallt oder auf der Straße verhaftet werden. Einfach so. Und klar, man kann sich natürlich jede Menge Gangster-Videos oder zum hundertsten Mal „Scarface“ angucken und dann anfangen, irgendwas zu imitieren, was man nicht ist. Das hat aber meistens nichts mit der Realität zu tun, also kann man auch darauf verzichten. Und cool ist es auch nicht.

Torben Storck: Genau das ist es. Letzten Endes muss ja auch jeder zusehen, wie er seinen Beitrag leistet, und das wollen wir natürlich auch. Und da ist es zum Beispiel kontraproduktiv, in einer sowieso schon durch diverse Debatten aufgeheizten Gesellschaft diverse Klischees zu bedienen und zu reproduzieren. Weil es viele Themen gibt, die angesprochen werden können. Und da kann man meiner Meinung nach ruhig wieder vermehrt auf „Oldschool“ setzen und versuchen, richtige Messages zu finden, anstatt negative Inhalte – wie zum Beispiel Drogenverherrlichung oder negative Frauenbilder - zu hypen. Weil, letzten Endes ist es ja so: Wenn die Message stirbt, stirbt auch der Hip Hop.



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