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Deck +++ Strömungen +++ Was kannst Du ertragen?
Mittwoch, 30.05.2012
(55 Bewertungen)
Kommentare (2) Drucken
 
Ray Cokes
 

Was kannst Du ertragen?

Ray Cokes gilt als MTV-Urgestein und Wegbereiter für eine ganze Generation von Moderatoren. Sein Live-Programm "Ray`s Guesthouse“ brachte diese Magie für eine Handvoll Shows zurück auf deutsche Bühnen – der Sprung ins Fernsehen aber könnte am Selbstverständnis der deutschen TV-Landschaft scheitern.
Geschrieben von:   
Die selbsternannte Moderatoren-Legende Ray Cokes © 2012 Ray`s Guesthouse


Als sich Thomas Knüwer vor ein paar Tagen euphorisch zu Ray's Guesthouse äußerste, wollte ich gleich einen wohlwollenden Kommentar unter seiner Geschichte verfassen, hatte ich doch bislang von Freunden nur lobende Worte über das neue Live-Format des ewigen Anarcho-Showmasters gehört. Die Freude über Knüwers Jubelschrift hielt sich dann aber in Grenzen. Die Zeilen, die auf den einladenden Teaser folgten, entpuppten sich leider recht schnell als mit allzu heißer Nadel gestrickte Fanboy-Memoiren, die durch plumpe Seitenhiebe gegen die digitalen Fernseh-Experimentierstuben zdf_neo und zdf.kultur glänzen wollten. Darüber hat sich aber bereits Nilz Bokelberg erschöpfend ausgekotzt. Zum einen Teil schließe ich mich Nilz' stets geschätzter Meinung an, zum anderen hätte er die Kirche aber auch im Dorf lassen können, weil der gebührenfinanzierte Hipster-Streichelzoo auch mal ein wenig Kritik vetragen kann – aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zu Ray Cokes. Am vergangenen Freitag durfte ich mir schließlich selbst ein Bild von „Ray`s Guesthouse“ in München machen und kann Knüwers Begeisterung voll und ganz nachvollziehen. Cokes unnachahmlicher Charme und die Gabe, sein Publikum im Sturm zu erobern und geschickt zu einem Teil der Show zu machen, ist einfach ganz großes Kino. Nein, es wäre; denn im Moment ist es nämlich noch nicht einmal ganz großes TV, sondern eben erst mal nur: ganz große Bühne.

Wie dumm ist TV-Deutschland wirklich?

Thomas Knüwer betitelte seinen Artikel ja „Ray Cokes – so könnte Fernsehen sein“ und warf damit eine Mutmaßung in den Raum, die es – abseits von Bokelbergs Shitstorm im Wasserglas – tatsächlich zu diskutieren gilt: Ist das deutsche Fernsehen bereit für Formate wie „Ray`s Guesthouse“? Ray Cokes selbst hat da so seine Zweifel, immerhin versucht er bereits, das Konzept an deutsche Fernsehsender zu verkaufen. Bislang aber ohne Erfolg. Man könne dem deutschen Publikum wohl keinen Moderator zumuten, der kaum ein Wort Deutsch spricht – von Kraftausdrücken und den Bezeichnungen primärer Geschlechtsteile mal abgesehen.

Stellt sich doch gleich eine weitere Frage: Was GENAU kann man denn dem deutschen Publikum überhaupt gefahrlos zumuten? Unsere Fernsehmacher bei den Öffentlich-rechtlichen Anstalten (und da gehört einer wie Ray Cokes für mich eigentlich hin, wenn man den gesetzten Musikschwerpunkt von zdf.kultur wirklich Ernst meint) scheinen da ohnehin ihre ganz eigenen Vorstellungen zu haben: Leichtverdauliches – was die Telenovela-Schwemme, die seichten Fernsehfilmchen und die musikalische Ausrichtung auf ausschließlich volkstümliches Liedgut (die paar Pop-Hanseln im Frühstücksfernsehen und Nischen-Produkte wie „Inas Nacht“ wollen wir an dieser Stelle mal ausklammern) erklären würde. Nicht aber die oft kalorienschweren Kochduelle, Küchenschlachten und sonstigen martialischen Kriegshandlungen an der Food-Front.

Raus aus den Sparten-Ghettos!

Womit wir auch gleich bei den digitalen TV-Laboren zdf_neo und zdf.kultur wären. Ich selbst lobe diese Sender bisweilen über den Klee, schon alleine aufgrund der Tatsache, dass man sich in Deutschland – was das Fernsehprogramm anbelangt – sowieso an jede Alternative klammert, als wäre es der letzte Strohhalm. Aber – und diese Frage sei erlaubt – wie lange gedenkt man zum Beispiel beim ZDF daran, noch herumzuexperimentieren, bevor man den Mut aufbringt, neue Formate auch mal ins Hauptprogramm zu übernehmen? Gerade zdf.kultur mausert sich meiner Meinung nach zu einer wirklich ernstzunehmenden jungen Alternative zu arte und 3Sat. Warum also traut man sich auf dem Lerchenberg nicht, den Kulturpalast oder den Marker endlich auch einem größeren Publikum zugänglich zu machen? Gilt es letztendlich nicht, das große alte ZDF zu verjüngen, anstatt Kunst und Kultur in die künstlich geschaffenen Sparten-Ghettos zu pferchen? Wie will man da auf Dauer gegen die Vorwürfe der Gebührenverschwendung argumentieren? Oder hat man bei den Öffentlich-Rechtlichen seit "Gottschalk Live" die Nase voll von Experimenten im Hauptprogramm?

Mit „Later with Jools Holland“ strahlt zdf.kultur bereits eine erfolgreiche Musiksendung in englischer Sprache aus, wenn auch nicht gerade die aktuellsten Folgen, aber das mit dem Strohhalm hatten wir ja schon. Mit Ray`s Guesthouse hätte das deutsche Fernsehen – und ich spreche vom öffentlich-rechtlichen – endlich eine Chance, ein eigenes, hochwertiges Format zu etablieren, das weniger bekannte deutsche Bands einem größeren Publikum zugänglich macht (obwohl Ray Cokes da noch einiges nachzuholen hat, denn Bands wie Jupiter Jones oder die – in München aus der Versenkung gehobenen – Emil Bulls haben diese Art von Schützenhilfe eigentlich nicht mehr nötig). Genau das erwarte ich mir auch von Sendern, die eigentlich einen Bildungsauftrag erfüllen sollten, anstatt sich mit Zeitungsverlegern und Privatsendern zu messen. Und wer als öffentlich-rechtlicher Fernsehmacher im Jahr 2012 dem Publikum keinen Englisch sprechenden Moderator zumuten will und immer noch darauf besteht, jedes noch so kleine Futzelchen Englisch zu synchronisieren, der hat seinen Job verfehlt und hält sein Publikum schlicht für völlig verblödet.

Themen: ARD Fernsehen MTV Nilz Bokelberg Ray Cokes ZDF ZDFNeo ZDFkultur
Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von form, Mai 30, 2012

...
Amen. Da mein Kommentar hiermit aber offenbar zu kurz ist, sage ich es noch einmal: Amen.
geschrieben von Fotogeschichten, Juni 01, 2012

Öffentlich rechtliches Fernsehen
Ich denke dass das öffentlich rechtliche Fernsehen eine große Chance hat, angesichts der Unmengen von Geld, ein vernünftiges Fernsehprogramm auf die Beine zu stellen. Jedoch produzieren sie seit Jahren am Publikum vorbei zu immensen Preisen Sendungen, die nur wenige Leute interessieren. Mit immer den selben Schauspielern, Moderatoren etc. Ich denke man könnte beide Wege gehen, produzieren von hochwertigen Sendungen, die dazu auch noch viele Leute interessieren. Jedoch liegt das Hauptproblem in den veralteten Redaktionen wo jegliche neue Ideen mit dem roten Stift radikal weggestrichen werden.
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