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Deck -> Strömungen -> Porno mit Engel
Montag, 01.03.2010
(29 Bewertungen)
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Roman-Trilogie Schattenschwingen
 

Porno mit Engel

Kaum haben die letzten pubertierenden Mädchen ihr „Twilight"-Fieber kuriert, beginnt die Temperatur wieder zu steigen. Tanja Heitmanns Engel-Trilogie "Schattenschwingen" könnte mit reichlich Sex eine ernsthafte Alternative zu Stephenie Meyers prüden Vampiren werden.
Geschrieben von: Nadia Shehadeh   
Prototyp eines neuen Männerbildes: Der erotisierende Engel © Flickr cepascal
 
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ie Autorin Tanja Heitmann verfolgt seit geraumer Zeit anscheinend das hehre Ziel, die zumeist weibliche Leserschaft davon zu überzeugen, dass die Männer der echten Welt mangelhaft und nicht zur Paarung zu empfehlen sind.

Nachdem Heitmanns Roman-Heldinnen Vampire und Werwölfe als Beziehungspartner getestet hatten, wenden sie sich jetzt höheren Sphären zu. In ihrer Fantasy-Trilogie mit dem bedrohlich klingenden Titel „Schattenschwingen“ setzt sie noch eins drauf: In „einem Mix aus Liebesroman, Gruselgeschichte und Motiven aus Sex and the City“ (Frankfurter Rundschau) können wir die Verbandlung der normalsterblichen Mila mit einem engelsgleichen Wesen namens Samuel Bristol verfolgen.  Natürlich weiß die Gute anfänglich noch nicht, auf wen - oder besser was - sie sich da einlässt. Aber diese Entwicklung ist seit „Twilight" hinglänglich bekannt. So setzt die Autorin auf altbekannte Muster, verpackt diese aber in eine Thematik die sich momentan wieder größter Beliebtheit erfreut: Engel und ihr ewiger Kampf zwischen Gut und Böse, der auch im demnächst anlaufenden Film "Legion"die Rennaisance der Engel-Filme einläutet.

Wenn das mal kein Verkaufsargument ist!


Vorsichtshalber hat Heitmann ihre Figuren schon mit internationalisierbaren Namen ausgestattet und lässt die Handlung in St. Martin spielen, einem Kaff am Meer, das irgendwie an das gute alte Capeside aus der Teenie-Soap Dawson´s Creek erinnert. Kann doch sein, dass Hollywood anklopft – und dann wäre es wohl umständlich, wenn man die anglophonen Merkmale nachträglich noch ins Werk einarbeiten müsste. Und dann geht es auch schon los mit der Männer-Hetze!

Das neue Reinheitsgebot

Heitmann gelingt es in ihren Werken par excellence, eine neue männliche Hegemonie im Bereich Prosa zu erschaffen: Die des stereotypen Mannes, dessen Socken nicht stinken, dessen Halsmuskeln keine Rülpser verursachen, dessen Geschmacksnerven nicht ständig nach kühlem Bier gelüsten, dessen Augen nicht auf die primären Geschlechtsmerkmale fremder Frauen schielen und dessen Hände keine Zahnpasta-Tube in der Mitte zerquetschen.

Der Mannsengel in ihrem neuesten Werk ist aber viel mehr als das: Er ist ein Wesen, das von einem göttlichen Schöpfer beauftragt die Menschen dazu bringt, Forderungen des Ober-Chefs auszuführen. Der Heitmann-Engel Samuel Bristol übertrumpft sogar noch den „Twilight“-Beau Edward Cullen. Der muss zumindest Nahrung zu sich nehmen und läuft somit Gefahr, in die Nähe von Männern mit normalen Bedürfnissen wie pinkeln, furzen, schnarchen und rülpsen zu tun zu haben. Mit so was haben Frauen ja manchmal Probleme.

Mr. Perfect? Eine Illusion!

In einer Zeit, in der sich die meisten Menschen nach romantischer Liebe sehnen, hat die Anzahl vorhandener Singles mittlerweile eine Dimension erreicht, der ganze Wirtschaftszweige befeuert. Die amerikanische Bestseller-Autorin Lori Gottlieb hat in ihren Studien herausgefunden, dass vor allem Frauen zu der exorbitanten Single-Quote beitragen, weil sie nach „Mister Perfect“ suchen, aber nicht erkennen, dass dieses Ideal nur Illusion ist.

Der Engel Samuel Bristol und sein Vampir-Vorgänger Edward Cullen bleiben schließlich auch nur eins: Geschöpfe der Imagination. Dennoch sind sie mit Sicherheit nicht davon abzuhalten, die Erwartungen von Frauen an Männer ein stückweit mit zu beeinflussen. Und so schafft die Mystery-Schmonzette „Schattenschwingen“ Liebe und Leidenschaft auf dem Papier und erstickt sie in der Realität im Keime. Das hat nur ein anderes Genre noch erfolgreicher geschafft: Der Porno.

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Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Jana, April 28, 2010

...
Nie, aber auch nie wird der Alltag von Frau Super-Hübsch-zum Niederknien- und Herrn Leidenschaft-alles Könner-Frauenversteher gezeigt - kein Wunder das da Walt Disney Weltanschauungen zu Stande kommen - ich bin für Realität nach der Leidenschaft! Die Antwort auf Sex and the City: Californication!
geschrieben von Nadia El Guennouni , April 22, 2010

Weibchenfantasien
... vielleicht ist es vor allem die rückständigkeit derartiger romanzen, die frauen - äh, leser - begeistert?
geschrieben von Patricia, März 06, 2010

...
Wenn die Engel auch staubsaugen und abspülen können, schnappe ich mir auch einen ... mit dem Kescher.
geschrieben von Sancay Akbulut, März 01, 2010

Dipl. Ing. Architektur
Zum Glück bin ich kein Engel! Klasse Artikel - weiter so!
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