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Stieg Larssons Vermächtnis
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Alle lieben Lisbeth Salander |
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| Mit Lisbeth Salander hat der schwedische Schriftsteller Stieg Larsson eine weibliche Hauptfigur geschaffen, die trotz unrasierter Achseln alle Lara Crofts dieser Welt auf direktem Wege in Rente schickt. |
| Geschrieben von: Nadia Shehadeh |
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Lisbeth bricht radikal mit den Geschlechterrollen © Carolin Wessel / Philibuster
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Nach „Verblendung“ und „Verdammnis“ startet nun als furioser Höhepunkt mit „Vergebung“ der letzte Teil der Millenium-Trilogie des schwedischen Schriftstellers Stieg Larsson in den Kinos. Und spätestens jetzt wird klar: Larssons Lisbeth Salander (Noomi Rapace) ist die perfekte Heldin für die Generation der Krisenkinder. Sofern es noch unbefleckte Leser und Kinogänger gibt, an denen Stieg Larssons Trilogie bisher vorbeigezogen ist wie eine Eintagsfliege, so werden sie die an den Verkaufsstellen unzählig ausliegenden Larsson-Romane vielleicht als mittelmäßige und übertrieben gelobte Thriller-Idealstandardware bewerten. Dem ist jedoch nicht so: Unter dem Deckmantel actiongeladener Stories behandelt Larsson Themen, die einen großen Teil bisher erschienener Räuber-und-Gendarm-Romane ad absurdum führen und neue Maßstäbe setzen. Radikaler Bruch mit Geschlechter-Stereotypien Leben und Tod, Schuld und Sühne, Vergebung und Verurteilung: In Larssons einzigem Hauptwerk gibt man sich nicht mit Halbheiten zufrieden. Es geht um einen Sozialstaat, der längst nicht mehr sozial ist und um Lisbeth Salander, eine Roman-Heldin, die auf`s Radikalste mit traditionellen Geschlechterrollen bricht. Die getriebene, bisexuelle, hochintelligente, scheinbar unkaputtbare, bis zum Anschlag tättowierte und sozial inkompetent anmutende Lisbeth Salander fesselt weibliches und männliches Publikum gleichermaßen, und ihre Brechung sexueller Stereotypien ist fast schon einzigartig. Der Sachverhalt, dass sie trotz unrasierter Achseln dennoch eine Atomwolke androgyner Sexualität ausstrahlt, kann dabei als Accessoire am Rande abgehandelt werden. Salander ist Balsam auf der Seele jener Frauen und Männer, die die Schnauze voll haben von durchgestylten Filmheldinnen mit Betonfrisur, deren Fähigkeiten sich einzig in der Zurschaustellung großer Brüste manifestieren. Lisbeth Salander: Eine Heldin, mit der niemand rechnete Weibliche Actionheldinnen waren bis vor kurzem noch immer männlichen untergeordnet und von deren Stärke abhängig: Ob die scheinbar schwerelos kämpfende Trinity aus „Matrix“, die rabiaten Frauen aus „Drei Engel für Charlie“ oder auch Lara Croft: Für ein bisschen Kuscheln, kuschten sie letzten Endes alle. Es wurde darauf gesetzt, dass vor allem Männer als Hauptkonsumenten des harten Genres ihr Geld nicht dafür hinblättern würden, auf Papier oder Leinwand in den Arsch getreten zu werden. Diese althergebrachte Vermutung wird mit der sensationellen Faszination, die Lisbeth Salander gender-übergreifend ausübt, falsifiziert. Da Larsson bereits 2004 starb und erst posthum mit seinen Büchern zu Weltruhm gelangte, wird der dritte Millenium-Teil Salander`s vorerst letzter offizieller Spielplatz sein. Und dennoch hat sie in nur drei Buch- und Filmteilen geschafft, was als Vermächtnis Larsson`s zu begreifen ist: Die Schärfung des Blicks für Lebensweisen, die jenseits aller Normierungen der Wertvorstellungen unserer Gesellschaft liegen. Lisbeth Salander ist in diesem Reigen dann auf jeden Fall eine Rolle zuzutragen: Die der Königin der Andersartigkeit. Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Mareike,
Juni 04, 2010
Einzigartig!
Lisbeth Salander ist einzigartig und Noomi Rapace wohl die bestmögliche Besetzung für die Rolle. Leider geht aber viel von Lisbeths Charakter im Film unter. Lisbeth-Fans sollten unbedigt die Bücher lesen, sofern sie das noch nicht getan haben.
geschrieben von Marco S.,
Juni 05, 2010 Lisbeth Salander
Lisbeth kann einem als Mann durchaus Angst machen, wobei ihre Hacker-Qualitäten natürlich auch Eindruck schinden. Gebe der Autorin aber zu 100 Prozent recht: Plastik-Heldinnen wie Lara Croft braucht heute kein Mensch mehr. Authentische, vom Leben gezeichnete, Mädels (und Jungs) mit Rückgrat sind dafür gefragt. Gerade in Zeiten in denen alles immer mehr im Unverbindlichen verschwimmt. More Lisbeths, please!
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