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Mein Philibuster
Deck +++ Strömungen +++ Klassenkampf im Monsterland
Montag, 15.02.2010
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Vampire vs. Zombies
 

Klassenkampf im Monsterland

Die Linken stinken und Unsterbliche wählen rechts: Warum der angepasste Twilight-Vampir Edward Cullen in Zeiten der Wirtschaftskrise so erfolgreich ist, während seine Zombiekollegen mit ihren altlinken Idealen von der Gesellschaft geächtet werden.

Geschrieben von:   
Aufsteiger vs. Abwrackopfer - der Vampir als Gewinner der Wirtschaftskrise © Ferdinand Haschner / Philibuster


Stephenie Meyers Vampirsaga "Twilight“ ist – sind wir ehrlich – eine reaktionäre Schmonzette. So unsterblich wie der sanfte Vampir scheinen auch die tot geglaubten Grundmanifeste patriarchalischer Geschlechtskopplung: Edward Cullen hat beeindruckende Körperkräfte und die Kohle, das Mädchen Bella ist schön, lieb und hat Geduld.

Doch es ist nicht nur das breite Kreuz, das Meyers Vampir so erfolgreich macht. Edward ist auch: aristokratisch. Er hat einen beeindruckenden Stammbaum. Er sieht gut aus und er riecht gut – schließlich wird er kein Deodorant aus dem Billig-Discounter unter seine Glitzerachseln sprühen oder Polyacryl-Pullover tragen. Er fährt auch in schlechten Zeiten einen schicken Volvo. Er hat Stil – weil er Geld hat. Er hat Moral, was nicht zwingend eine Frage des Portemonaies sein muss und in Stephenie Meyers Phantasiewelt ist er sogar Kirchgänger.

Der Vampir verheißt sozialen Aufstieg


Cullen ist jemand, dem man zutraut, republikanisch zu wählen. Er ist der Karl-Theodor zu Guttenberg unter den Vampiren und in Zeiten der so genannten „Status-Angst“ derjenige, der mit seinem Hintern im Warmen sitzt – untot hin oder her.

Kurz gesagt: Er ist eine gute Partie und verheißt seiner Geliebten Bella, den Lesern und Kinozuschauern – die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs. Und gerade auf dem Düngeboden existenzieller Finanz-Ängste scheint die Vampir-Metapher auf breite (und vor allem weibliche) Massen wie Valium zu wirken. Der Vampir lebt, und mit seiner phänomenalen Präsenz im Genre drängt er andere Grusel-Gestalten in die Ecke.

Zombies sind die Kommunisten

Der britische Kritiker Sam Leith brachte die Ursache des neuerlichen Vampir-Fiebers auf den Punkt: Vampire seien die „Monster der Rechten“, er nennt sie gar die „Blut-und-Boden-Nationalisten der untoten Welt“. Zombies hingegen versuchten nur im groben Mob, den „unvermeidlichen Sieg der Revolution“ voranzutreiben, sie sind sozusagen die Kommunisten unter den Untoten. Dementsprechend fesseln die stinkenden Vertreter, die gesichts- und individuumslosen proletarischen Wesen aus dem erstklassigen Streifen „Zombieland“ derzeit global gesehen nur wenige Zuschauer.

Zombies sind Wesen, die ein erklärter Linker wie etwa Stephen King ins Rennen schickt – und der kann im Moment in Sachen Millionen-Scheffelei Meyer nicht das Wasser reichen.

Wer sich intellektuell-korrekt findet, wird sich vielleicht vornehmen, ein vortreffliches Opus wie „Zombieland“ im Kino anzuschauen, um im Gegenzug den dritten „Twilight“-Band verschämt unterm Bett verstecken zu können. Vielleicht, weil man insgeheim eine viel versprechende intime Verbindung mit einem Cullen-Adonis  dem anstrengenden Kampf der linksgerichteten Massen vorzieht. Statt zum ATTAC-Treffen geht man (ausgemergelt von entfremdeter Arbeit) ins Kino, um sich von Glitzer-Wesen berieseln zu lassen. Geld stinkt nicht mehr. Dafür stinkt auf einmal der Zombie.

Vielleicht sind der Erfolg von „Twilight“ und der Niedergang der Zombies nicht nur als Thermometer gesellschaftlicher Stimmungen zu verstehen, sondern auch als Zugeständnis einer Welt, in der altlinke Ideale zum Scheitern verurteilt scheinen. Vielleicht schaffen es die Zombies irgendwann zurück ins Rampenlicht. Vielleicht auch nicht.

Kommentare zu diesem Artikel:
geschrieben von Helena, März 09, 2010

Genau!
Schließe mich der interessanten These an und ergänze:

Die Blöde und das Biest:

--> http://www.zeit.de/kultur/lite...n?page=all

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